Experten der LFU beraten die Europäische Verteidigungsagentur (EDA)

Im Zuge der voranschreitenden Integration Europas wird auch der Verteidigungssektor zunehmend entnationalisiert. Die Europäisierung des Verteidigungssektors betrifft neben Rüstungstechnologie auch soziale und individuelle Aspekte. Zwei LFU-Wissenschafter, Arthur Drexler und Alexander Siedschlag, gehören im Bereich „Human Factors“ dem Expertennetzwerk der EDA an.
European Defence Agency
Bild: European Defence Agency

Die seit 2004 bestehende Europäische Verteidigungsagentur (European Defence Agency) ist eine Einrichtung der Europäischen Union. Sie soll zur Entwicklung der Ressourcen beitragen, die dafür nötig sind, den Anspruch der Europäischen Union zu verwirklichen, nicht nur in der Wirtschaftspolitik, sondern auch in den Bereichen Friedenssicherung und Verteidigung ein Global Player zu werden.

 

Umfassende Verteidigung

Die Verteidigungsagentur ist einerseits für Rüstungsplanung, Beschaffung von Verteidigungsgütern und Schaffung eines gemeinsamen europäischen Verteidigungsmarktes zuständig. Andererseits hat sie auch die Aufgabe, Forschung und Entwicklung im Bereich umfassender Verteidigung zu fördern.

Bei ihrer Arbeit stützt sich die Europäische Verteidigungsagentur unter anderem auf Expertennetzwerke, denen VertreterInnen der EU-Mitgliedstaaten, der Industrie, der Großforschung und der akademischen Wissenschaft angehören.

 

Der menschliche Faktor im Blickpunkt

Arthur Drexler (Institut für Kommunikation im Berufsleben und Psychotherapie) und Alexander Siedschlag (Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik) beteiligen sich in diesem Zusammenhang am Expertennetzwerk „Human Factors“. Innerhalb dieses Moduls geht es um die akademische Unterstützung der Europäischen Verteidigungsagentur in Bereichen wie individuelle Informationsverarbeitung, individuelles Training von Einsatzkräften, Teamprozesse, katastrophenkulturelle Handlungsstile von Ersthelfern und kulturübergreifendes Training von zivilen und militärischen Teams in der Krisenbewältigung und Katastrophenhilfe.

 

Europäische Sicherheitskultur(en)

Alexander Siedschlag möchte im Rahmen des Netzwerkes vor allem seine Forschungen im Bereich kollektiver Wahrnehmung von Bedrohungen und Veränderung sicherheitspolitischer Kulturen von Bevölkerungen und Regierungen einbringen. Auch den von ihm weiterentwickelten synoptischen Analyseansatz zur sozialwissenschaftlichen Beurteilung „menschlicher Faktoren“ in internationalen Krisensituationen – z.B. Weltbilder, Identitätsmuster und „Glaubenssysteme“ wie z.B. „Neutralität“ möchte er dabei zum praktischen Nutzen anwenden. Darüber hinaus sieht Siedschlag praxisrelevante Anknüpfungspunkte an seine Arbeiten zur politischen Europäisierung von nationalen Sicherheitsinteressen und Sicherheitsstrategien im Zuge wachsender Erfahrungen von Regierungsvertretern der EU-Mitgliedstaaten in den sicherheits- und verteidigungspolitischen Gremien der EU in Brüssel.

Neben seiner Tätigkeit im Expertennetzwerk der Verteidigungsagentur hat Siedschlag als Gutachter für die Europäische Kommission im Rahmen der „Preparatory Action für Security Research“ für das 7. Forschungsrahmenprogramm der EU seine Expertise für die Neuausrichtung der europäischen Sicherheitsforschung zur Verfügung gestellt.

 

Training von Einsatzkräften

Arthur Drexler arbeitet an seinem Habilitationsprojekt der Aus- und Weiterbildungsforschung und ist unter anderem an Wirkfaktoren im Sinne „harter Fakten“, welche über die subjektiven Selbsteinschätzungen von TeilnehmerInnen hinausgehen, interessiert. Diese Thematik ist ebenso für Trainings- und Informationsverarbeitungsprozesse von Einsatzkräften von Bedeutung, und es können sich über die EDA spannende interdisziplinäre Forschungsprojekte entwickeln. Ein anderes Betätigungsfeld liegt für Drexler in der Evaluation von Maßnahmen und Programmen, die in diesem Zusammenhang ebenso von Bedeutung ist.

Arthur Drexler ist als klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe und Arbeitspsychologe ausgebildet und war viele Jahre Konziliarpsychologe beim österreichischen Bundesheer. Durch diese Tätigkeit hat er Erfahrungen mit den spezifischen Belastungen und Problemen von SoldatInnen und möchte über sein Mitwirken an der EDA auch konzeptionell Optimierungen für Einsatzkräfte erarbeiten.