Austrian-Canadian Connections

Stark vertreten war die LFU Innsbruck kürzlich bei einem internationalen Symposium zum Thema „Mimesis, Creativity, and Reconciliation“ an der Saint Paul University in Ottawa / Canada.
Innsbrucker TeilnehmerInnen am Symposium: v.l. Petra Steinmair-Pösel, Wilhelm Guggenberger, Dekan Józef Niewiadomski, Wolfgang Palaver, Willibald Sandler.
Bild: Innsbrucker TeilnehmerInnen am Symposium: v.l. Petra Steinmair-Pösel, Wilhelm Guggenberger, Dekan Józef Niewiadomski, Wolfgang Palaver, Willibald Sandler.

Das Symposium war gleichzeitig die Jahrestagung der wissenschaftlichen Gesellschaft „Colloquium on Violence and Religion“ (COV&R), die sich der kritischen Weiterentwicklung der Kulturtheorie des franko-amerikanischen Literatur- und Kulturwissenschaftlers René Girard widmet.

Konflikt und Versöhnung

Organisiert wurde das Symposium von Dr. Vern Neufeld Redekop, der an der Saint Paul University Conflict Studies unterrichtet. Redekop setzt sich in seiner eigenen Forschung intensiv mit der Frage auseinander, wie ein – von der mimetischen Theorie Girards inspiriertes – Verständnis von tiefgehenden Konflikten, Wege zur Versöhnung eröffnen kann. Auch beim Symposium lag der Schwerpunkt der Auseinandersetzung auf dem konstruktiven, kreativen und friedensstiftenden Aspekt mimetischer Strukturen. Während Girards Kulturtheorie oft einseitig mit konflikthaften sozialen Strukturen und Mechanismen in Verbindung gebracht wird, sollte dieser Fokus zu einem ausgewogeneren und umfassenderen Verständnis der Mimesis beitragen.

Voraussetzungen für Versöhnung

Die Innsbrucker TeilnehmerInnen vom Institut für Systematische Theologie konnten mit ihren Vorträgen wertvolle Beiträge zur Auseinandersetzung leisten: Dr. Wilhelm Guggenberger sprach über kreative Unterbrechungen mimetischer Zyklen als Voraussetzung für Versöhnung, Prof. Dr. Wolfgang Palaver setzte sich in seinem Paper kritisch mit der pantheistischen Versuchung der Demokratie auseinander, Dr. Willibald Sandler näherte sich dem friedensstiftenden Aspekt der Mimesis über den Weg der heilsamen Sozialstrukturen (bei Jesus von Nazareth und in der Eucharistie) und Dr. Nikolaus Wandinger beleuchtete die Relevanz der päpstlichen Vergebungsbitten im Jubiläumsjahr 2000 aus der Perspektive der mimetischen Theorie. Dr. Petra Steinmair-Pösel zeigte in ihrem Hauptreferat mit dem Titel „Original Sin, Grace, and Positive Mimesis“ auf, wie theologische Konzepte (insbesondere Schöpfungs-, Erbsünden- und Gnadenlehre) zu einem vertieften und präzisierten Verständnis von zentralen Kategorien der mimetischen Theorie (mimetisches Begehren, positive / negative Mimesis) beitragen können.

Neben zahlreichen, qualitativ sehr guten Vorträgen war ein Höhepunkt der Konferenz sicherlich die Podiumsdiskussion zum Thema „Creative Mimesis and Peace“. Diskutanten am Podium waren René Girard (em. Andrew B. Hammond Professor in French Language, Literature, and Civilization, Stanford University), Walter Wink (Professor em. für Biblische Interpretation am Auburn Theological Seminary in New York City), sowie Duncan Morrow (Vorsitzender des Community Relations Council, Nordirland).