Sergio Romano – Ein überzeugter Europäer

Der italienische Historiker und Diplomat Prof. Sergio Romano, ein Protagonist und aufmerksamer Beobachter des italienischen Kultur- und Politikgeschehens, stattete auf Einladung des Italien-Zentrums der LFU am vergangen Dienstag einen Besuch ab.
Prof. Sergio Romano zu Gast am Italien-Zentrum
Bild: Prof. Sergio Romano zu Gast am Italien-Zentrum

Mit Studierenden des Fachs „Wirtschaftssprache Italienisch“, betreut von Frau Dr. Haring, diskutierte er Fragen zur aktuellen Politik und Wirtschaft und hielt anschließend einen Vortrag zur italienischen Europapolitik im Claudiasaal. Trotz eines warmen Sommerabends und Fußballweltmeisterschaft füllte sich der Claudiasaal mit zahlreichen interessierten Zuhörern.

 

In seinem Vortrag skizzierte Sergio Romano die verschiedenen Abschnitte und Beweggründe der Europapolitik Italiens: Von einem ersten Europa-Gedanken in der Nachkriegszeit, der eher von praktischen und wirtschaftlichen als idealistischen Motiven geleitet war, bis hin zur „europaskeptischen“ Politik von Silvio Berlusconi. Prof. Romano analysierte die möglichen Auswirkungen der soeben neu gewählten italienischen Regierung auf Italiens „Europäismus“ und plädierte für eine „schlanke“ europäische Verfassung. Er selbst bezeichnete sich als überzeugten Europäer.

 

Zur Person Sergio Romano:

 

Sergio Romano wurde 1929 in Vicenza geboren. Der studierte Jurist arbeitete als Journalist in Mailand, Paris, London und in Wien, ehe er 1954 eine diplomatische Karriere begann. Romano war Generaldirektor für kulturelle Angelegenheiten des italienischen Außenministeriums von 1977 bis 1983, Vertreter Italiens bei der Nato und Botschafter in Moskau während der Perestrojka.

 

Prof. Romano ist auch Historiker, mit Interessensschwerpunkten im 19. und 20. Jh., mit zahlreichen Lehraufträgen an Universitäten in Florenz, Berkeley, Harvard und mit einer Professor an der Bocconi in Mailand für die Geschichte internationaler Beziehungen zwischen 1992 und 1998. Unter seinen zahlreichen Büchern finden sich vor allem historische Arbeiten. Besonders seine Werke zu 50 Jahren Weltgeschichte seit Yalta („La pace e le guerre da Yalta ai giorni nostri”), einer Einführung zur italienischen Außenpolitik von Badoglio bis Berlusconi und zur Geschichte der EU („Europa, storia di un’idea“) haben das Ziel einer umfassenden globalen Annäherung.