Das Beste zum Schluss

Mit einer international besetzten Expertenrunde geht mit dem bis Freitag stattfindenden „Symposium zur spanischsprachigen Kriminalliteratur“ als abschließendem Höhepunkt das diesjährige „Writer in Residence“-Projekt zu Ende.
Action, analysis und mystery beim Symposium zur spanischsprachigen Kriminalliteratur
Bild: Action, analysis und mystery beim Symposium zur spanischsprachigen Kriminalliteratur

Das Symposium stellt gleichzeitig einen besonders wertvollen Beitrag zur Forschung über die Gattung des Kriminalromans im spanischsprachigen Raum dar. 18 TeilnehmerInnen aus den USA, Kanada, Spanien, Kuba, Chile, Deutschland, Frankreich und Österreich diskutieren über die Entwicklung der Gattung im 20. Jahrhundert, die ausgehend von der klassischen detective story bis hin zur novela policial mit politischem Hintergrund große Veränderungen erfahren hat.

 

Die Bedeutung der Tagung unterstrich auch Vizerektor für Forschung, Prof. Tilmann Märk in seinen Begrüßungsworten: „Mit dieser Veranstaltung setzt das Institut für Romanistik ein weiteres positives und sehr erfolgreiches Zeichen. Das Niveau der Forschung an unserer Alma Mater wird dadurch ein weiteres Mal gesteigert.“

 

Indizien, Spuren und Narrationen

 

Neben TeilnehmerInnen des Instituts für Romanistik wie Prof. Dr. Birgit Mertz-Baumgartner, Dr. Elia Eisterer-Barceló und Prof. Dr. Wolfram Krömer nehmen bekannte LiteraturwissenschaftlerInnen sowie SchriftstellerInnen an diesem Symposium teil. Dazu zählen die Literatutwissenschafter Prof. Dr. Joan Ramon Resina (Cornell University), Prof. Dr. José Colmeiro (Michigan State University) und Prof. Dr. Ottmar Ette (Universität Potsdam) und die SchriftstellerInnen Lorenzo Lunar Cardedo (Santa Clara, Kuba), Amir Valle (La Habana, Kuba) und Gabriele Wolff (Deutschland, Mitglied der Karl-May-Gesellschaft, Glauser-Preisträgerin).

 

Der Kriminalroman im Wandel der Zeit

 

Der Kriminalroman nimmt in der so genannten Trivialliteratur eine bevorzugte Stellung ein. Dabei ist dieses Genre relativ jung. Es entstand nach dem Zusammenbruch der Kultur des Ancien Régime mit der Konsolidierung des Bürgertums. Das Genre beruht auf drei Hauptpfeilern: die Unverzichtbarkeit einer Handlung (eines „Abenteuers“), die rationale Analyse gesammelter Daten sowie das Spiel mit zwei Momenten, die zuvor in keiner Gattung derart zentralisiert wurden: die Spannung (suspense) und das Rätsel.

 

Im 20. Jahrhundert zeigte die dynamische Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft Auswirkungen auf das Krimi-Genre. Das starre Schema des Kriminalromans, das die Einhaltung von Kausalitäts- und Wahrscheinlichkeitsregeln verlangt, erfuhr seit den 1930er Jahren eine Umgestaltung, die auf der Fokussierung einer zunehmend als gewalttätig und unkontrollierbar empfundenen sozialen Wirklichkeit beruhte (Hammet, Chandler, etc.). Somit ist das Happy End des Kriminalromans, das die gestörte soziale Ordnung wiederherstellt, zu einem oft unerfüllbaren desideratum geworden. Die im Roman nachgeahmte Lebenswelt stellt sich als immer komplexer, undurchsichtiger und unerforschlicher dar. Nicht selten muss sich der Protagonist damit begnügen, den Fall zu lösen — die Regeln des Genres müssen erfüllt werden —, ohne dass der Schuldige jemals sein im Affekt begangenes oder heimtückisch geplantes Verbrechen sühnen muss.

 

In der Geschichte des Genres haben sich die Grundelemente als weitgehend unveränderlich erwiesen: action, analysis, mystery. Die Figur des Protagonisten war dagegen einer deutlichen Wandlung unterworfen: Die ermittelnden Figuren nehmen vielfältige Formen an, etwa die des bestechlichen Polizisten, des Opfers, ja selbst des Kriminellen.

 

Nach oben scrollen