Begegnungen und Auseinandersetzungen europäischer Kulturen

Das XXII. Internationale Seminar deutsch-italienischer Studien machte letzten Freitag mit einer Tagung an der LFU halt. Die komplexen Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten Nord- und Osttirols mit Südtirol und dem Trentino standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.
XXII. Internationales Seminar deutsch-italienischer Studien
Bild: v.l.: Vizerektor Martin Wieser, Dr. Giovanni Pedrazzoli (italienischer Generalkonsul in Innsbruck), Dr. Barbara Tasser (Leiterin des Italien-Zentrums der LFU), Prof. Luigi Vittorio Ferraris (Präsident der Akademie Deutsch-Italienischer Studien), Prof. Christian Smekal (Co-Präsident der Akademie Deutsch-Italienischer Studien).

Die tiefe und vielschichtige Verbundenheit der LFU zu Südtirol und dem Trentino brachte Vizerektor Martin Wieser in seiner Begrüßungsrede zum Ausdruck. „Der deutsch-italienische Sprachraum hat immer schon einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Integration und Einheit geleistet. Die Zusammenarbeit in den Bereichen der Wissenschaft, der Bildung und der Kultur ist uns ein aufrichtiges Anliegen und entspricht unserem Selbstverständnis als Universität“, hieß Vizerektor Wieser die TagungsteilnehmerInnen herzlich willkommen.

 

Die dreitägige Veranstaltung „Alte und neue Weltanschauungen. Begegnung und Auseinandersetzung der europäischen Kulturen“ wurde von der Deutsch-italienischen Akademie Meran veranstaltet. Der Co-Präsident der Akademie und Altrektor der LFU, Prof. Christian Smekal, betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Stammuniversität: „Die deutsch-italienische Akademie hat zur Aufgabe, den deutsch-germanischen und den italienisch-romanischen Kulturraum auf geistiger, wissenschaftlicher und kultureller Ebene weiter miteinander zu verbinden. Die enge Kooperation mit der Leopold-Franzens-Universität hat besonderen Stellenwert für uns.“

 

Das Rätsel der Wahrheit

 

Den Auftakt der Vorträge machte Prof. Mario Signore von der Universität Lecce, der sich der weltanschaulichen Dimension in der Debatte über die Methode der Geistes- und Kulturwissenschaften widmete. „Der Wahrheit unserer Kultur eine rätselhafte Bedeutung zuzuschreiben heißt sicherlich, eine ganze Reihe von Problemen für das philosophische Denken zu thematisieren, aber auch, sich die grundlegende Frage nach dem Ursprung des Sinns und der realitätsbildenden Prozesse zu stellen. Es bedeutet letztlich, ein Zweifaches zu vollziehen: Zum einen eine radikale Selbsthinterfragung der Philosophie hinsichtlich ihres Ursprungs, ihrer Möglichkeiten und ihrer Rolle, zum anderen die Enthüllung der materiellen Fragen der gesellschaftsbildenden Prozesse und der Menschenwelt im Allgemeinen, und zwar jenseits, aber nicht außerhalb der Problematik der ‚Methode’“, so Prof. Signore.

 

Aktion und Reaktion

 

Prof. Rainer Thurnher vom Institut für Philosophie der LFU referierte über die Aktualität von Jaspers´ „Psychologie der Weltanschauungen“. In diesem seinem zweiten großen Werk beschrieb der deutsche Philosoph Karl Jaspers (1883 bis 1969) die Aufgabenfelder der Philosophie angesichts der Wissenschaften. „Wir finden darin eine Fülle von Lebensformen dargestellt, die für die Gegenwart typisch sein sollen. Es handelt sich dabei, wie Jaspers meint, um unterschiedliche Reaktionsweisen auf den Nihilismus. Letztlich erweisen sich diese Versuche jedoch, wie Jaspers zeigen will, als inkonsequent und inkonsistent. In ihrer Problematik verweisen sie auf das von ihm als Gegenentwurf ins Spiel gebrachte und in expliziter Anknüpfung an Kierkegaard entwickelte Konzept eines ‚Haltgewinnens im Unendlichen’“, erklärte dazu Prof. Thurnher.

 

Die Akademie Deutsch-Italienischer Studien ist ein freier Verein von ProfessorInnen und FörderInnen vornehmlich humanistischer Disziplinen. Dessen wissenschaftliche Tätigkeit dient der Verbreitung der gemeinsamen Kultur Österreichs und Italiens auf interuniversitärer Ebene und zwischen höheren schulischen Einrichtungen. Die Tagung der Akademie in Innsbruck wurde vom Italien-Zentrum der LFU unter der Leitung von Dr. Barbara Tasser mitorganisiert.