Von Tunnels und Tonnen

Kürzlich hielt Prof. Ulrich Weidmann von der ETH Zürich einen Gastvortrag zum Thema: „Die neuen Schweizer Alpentunnels im Kontext der Transitverkehrspolitik“, organisiert vom Institut für Eisenbahnwesen und Öffentlichen Verkehr der LFU Innsbruck.
Prof. Ulrich Weidmann
Bild: Prof. Ulrich Weidmann

Prof. Weidmann vom Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich behandelte in seinem Vortrag die neuen Schienenverkehrswege über die Alpen. Er berichtete von der Geschichte der Trassenfindungen bis zu den ausgewählten Varianten, von den ersten Ausschreibungsüberlegungen bis zu den entwickelten Konzepten für den Lötschbergtunnel und den Gotthardtunnel.

 

Vom Plan bis zur Ausführung

Weidmann gab einen ausführlichen Einblick über den bald fertig gestellten Lötschbergtunnel und ging dabei auch auf Details ein. Er stellte das Gesamtbauprogramm vor, die erwartete und vorhandene Geologie, die Baumaßnahmen und die Betriebsphasen bis zum endgültigen Normalbetrieb, die Sicherheits- und Rettungskonzepte und gab einen umfassenden Einblick in die Sicherungsanlagen sowohl der Tunnelstrecken als auch der Verknüpfungspunkte vor und in den Tunnelstrecken.

 

Ausführlich besprach er die Verkehrsgeografie und den Verkehrsmarkt, den Personen- und Güterverkehr jetzt und in der Zukunft, Ausgangspunkte für die Überlegungen zum Bau der NEAT und die Verkehrsverlagerungen von der Straße auf die Schiene. Weiters berichtete er über die direkte Demokratie in der Schweiz, die Volksentscheide und die Motive der Bevölkerung für ein JA zum Projekt.

 

Ein Blick in die Zukunft des Gesamtprogramms Alp Transit rundete den Vortrag ab, wobei der Vortragende auf die Erwartungen in wirtschaftlicher Hinsicht hinwies, Perspektiven des schweizerischen Güterverkehrs und Marktentwicklungen im Nord-Süd-Transit aufzeigte und auch auf die Problematik der Zulaufstrecken zu den Tunneln einging.

Zur Person

Dr. Ulrich Weidmann ist seit 1. Juni 2004 ordentlicher Professor für Verkehrssysteme am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT), Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich.

 

Weidmann wurde 1963 in Einsiedeln/Schwyz geboren. Nach seinem Bauingenieur-Studium an der ETH Zürich war er ab 1988 Assistent am IVT. In dieser Zeit entstand bei Professor Brändli seine produktionstechnische Dissertation, welche mit dem Lehner-Preis des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmungen ausgezeichnet wurde. 1994 bis 2000 erarbeitete er bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) langfristige Angebotsstrategien und war für den netzweiten Ausbau des S-Bahn- und Regionalverkehrs im liberalisierten Umfeld verantwortlich. 2001 bis 2004 führte er den Geschäftsbereich Engineering der Division Infrastruktur SBB (Innovationsmanagement, Bahntechnik, Architektur, Umwelt, Messtechnik, Normen). Zudem leitete er das Projekt Führerstandssignalisierung der Lötschberg-Basislinie.

 

Im Fokus der Professur stehen die Systeme des öffentlichen Personen- und Güterverkehrs (Bahn, Bus, Luftfahrt, Schifffahrt), mit den drei Elementen Netz- und Angebotsentwicklung, Anlagenplanung und -realisierung sowie Netzbetrieb und -erhaltung. Begleitende Gebiete sind der Mensch im Verkehrssystem, der Ordnungsrahmen und die Nachhaltigkeit. Weidmanns Forschungsschwerpunkte sind die Optimierung des Systemaufbaus, die Investitionsstrategien von Netzbetreibern sowie die Methoden des Erhaltungsmanagements. Er ist Mitglied des Kuratoriums des Verkehrswissenschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart.