Erika-Cremer-Habilitationsprogramm gestartet

Als erste Forscherin wird die Pharmazeutin Dr. Daniela Schuster im neuen Erika-Cremer-Habilitationsprogramm der Universität Innsbruck gefördert. Dieses auf Initiative des Vizerektors für Personal, Wolfgang Meixner, eingerichtete Karriereförderprogramm steht hervorragend qualifizierten Wissenschaftlerinnen aller Fachdisziplinen offen und ist nach der Chemikerin Erika Cremer benannt.
Rektor und Vizerektoren gratulierten Dr. Daniela Schuster
Bild: Rektor und Vizerektoren gratulierten Dr. Daniela Schuster

„Um die Integration exzellenter Forscherinnen in das Wissenschaftssystem zu fördern und wissenschaftliche Exzellenz zu sichern, haben wir dieses Karriereförderprogramm für Forscherinnen aller Fachdisziplinen, die eine Habilitation anstreben, ausgeschrieben“, sagte am Dienstag Personalvizerektor Wolfgang Meixner bei der Überreichung der Auszeichnung an die Pharmazeutin Dr. Daniela Schuster. Ausgangspunkt war ein Gender Controlling, das die gläsernen Decken der akademischen Karriereleiter aufzeigte. „Eine dieser gläsernen Decke besteht nach dem Doktoratsstudium“, erklärte Meixner. „Mit diesem Programm wollen wir Frauen über diese Hürde helfen.“ Mitinitiiert und mit ausgearbeitet wurde das Förderprogramm vom Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen bzw. dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität. Das Erika-Cremer-Habilitationsprogramm bietet eine befristete Anstellung von 12 bis 48 Monaten, wobei nach einem Jahr eine Zwischenbegutachtung erfolgt. „Der Antragstellerin soll dadurch die Möglichkeit geboten werden, sich auf ihr Habilitationsprojekt zu konzentrieren“, erklärte Vizerektor Meixner. „Das Programm soll die Antragstellerin auch in den Forschungsbereich der Universität einbinden und ihre wissenschaftliche Präsenz am jeweiligen Institut sicherstellen.“ Die Auswahl der Kandidatin erfolgt nach einer internationalen Begutachtung, „denn wir wollen die Besten fördern“, so Meixner. Rektor Karlheinz Töchterle zeigte sich erfreut über dieses neue Instrument, das auch helfen soll, den Anteil der Dozentinnen an der Universität zu heben. „Dies ist eine treffende und stimmige Initiative zur Frauenförderung an unserer Universität“, sagte Rektor Töchterle. Die Preisträgerin, Dr. Daniela Schuster, wurde im Anschluss von Vizerektor Tilmann Märk vorgestellt.

 

Namenspatin Erika Cremer

Das neue Förderprogramm ist nach der Innsbrucker Chemikerin Erika Cremer benannt. Sie wurde 1900 in München geboren und studierte in Berlin Chemie, Physik und Mathematik. Während der Entdeckung der Kernspaltung war sie in der Arbeitsgruppe von Otto Hahn tätig. 1940 wurde sie nach Innsbruck berufen, wobei ihr als Frau lange nur eine Sonderrolle zustand. Trotz hervorragender wissenschaftlicher Leistung wurde Erika Cremer erst 1959 zur ordentlichen Universitätsprofessorin für Physikalische Chemie bestellt und zur Leiterin des Physikalisch-Chemischen Instituts ernannt. Cremer hat in den 1940-er Jahren die Grundlagen der Gaschromatographie entwickelt, einer heute weit verbreiteten Analysetechnik in der Chemie, mit der sie sich auch international einen Namen gemacht hat. „Erika Cremer ist eine würdige Namenspatin für dieses Programm, denn sie hat lange unter den akademischen Sonderregelungen für Frauen gelitten“, sagte Meixner.

 

Schädlichen Einflüssen von Chemikalien auf der Spur

In ihrem Habilitationsprojekt beschäftigt sich Daniela Schuster mit Umweltchemikalien. Während tagtäglich Tonnen von Chemikalien wie Pestizide, Waschmittel oder Inhaltstoffe von Kosmetika in die Umwelt gelangen, nehmen gleichzeitig weltweit die Fälle von Krebserkrankungen, Asthma und Allergien zu. In einigen Fällen konnte bereits ein direkter Zusammenhang zwischen der Verbreitung von Chemikalien und dem Auftreten von Erkrankungen bewiesen werden, jedoch sind auf diesem Gebiet noch sehr viele Fragen offen. „Es ist nicht möglich, in kurzer Zeit tausende Chemikalien bezüglich ihrer Wirkung auf den menschlichen Organismus zu untersuchen“, sagte Daniela Schuster. „Besonders Substanzen mit hormonartiger Wirkung und solche, die das Hormongleichgewicht des Organismus stören, sind dabei von Bedeutung.“ In ihrem Projekt sammelte Schuster bereits Literaturdaten zu rund 76.000 Umweltchemikalien und deren pharmakologischen Angriffspunkten. Diese Daten dienen ihr in der Folge zur Erstellung von theoretischen Modellen, die computerunterstützt eine Störung des Hormongleichgewichts durch Chemikalien vorhersagen sollen. Die Aussagen dieser Modelle werden abschließend in vitro überprüft. „Durch dieses System könnte es in Zukunft möglich werden, schädliche Einflüsse von Chemikalien schon frühzeitig zu erkennen“, sagte Dr. Schuster. Von einem ersten Erfolg konnte sie am Dienstag bereits berichten. Sie fand vor kurzem einen in Sonnenschutzmitteln verwendeten UV-Filter, der die männliche Hormonproduktion stört.

 

Daniela Schuster wurde 1978 in Innsbruck geboren und studierte an der Universität Innsbruck Pharmazie. Ihre Diplomarbeit verfasste sie bei Prof. Thierry Langer am Arbeitsbereich Pharmazeutische Chemie des Instituts für Pharmazie, wo sie bis 2006 auch ihre Dissertation erarbeitete. Danach war sie als Postdoc an der Universität Innsbruck, dem Spin-off Unternehmen Inte:Ligand und der Universität Erlangen tätig. Von 2007 bis 2008 war Schuster Universitätsassistentin und danach Projektmitarbeiterin am Institut für Pharmazie. Für ihre Forschungen wurde sie 2006 mit dem Preis der Dr. Maria Schaumayer Stiftung, 2007 mit dem Georg und Christine Sosnovsky-Preis und 2008 mit einer Nachwuchsförderung der Universität Innsbruck ausgezeichnet.

 

(cf)