Fachdidaktikzentrum für Naturwissenschaften West wurde eröffnet

Die Pädagogische Hochschule Tirol und die Universität Innsbruck gründeten – erstmalig in Österreich – ein regionales Fachdidaktikzentrum, das alle naturwissenschaftlichen und den Naturwissenschaften nahe stehende Fächer unter einem Dach vereint. Am 23. März wurde das Fachdidaktikzentrum für Naturwissenschaften West in Innsbruck offiziell eröffnet.
VR Friedrich und VR Juranek eröffneten das Fachdidaktikzentrum für Naturwissenschaften West
Bild: VR Friedrich und Rektor Juranek eröffneten das Fachdidaktikzentrum für Naturwissenschaften West

Im Fachdidaktikzentrum für Naturwissenschaften West werden künftig FachwissenschaftlerInnen, FachdidaktikerInnen und Lehrende der Fächer Biologie und Erdwissenschaften, Chemie, Geographie, Informatik, Mathematik, Physik und Sport zusammenarbeiten, um einerseits die LehrerInnenaus- und –fortbildung, die fachdidaktische Forschung sowie Forschungsbildungskooperationen im Westen Österreichs und in Südtirol weiterzuentwickeln. Andererseits will man, aufbauend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, lehr- und lerninhaltlich Akzente im Bildungssystem setzen.

 

Bei der Eröffnung betonten die Verantwortlichen beider Kooperationspartner –  Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Margret Friedrich, Vizerektorin der Universität Innsbruck, und Univ.- Doz. Dr. Markus Juranek, Rektor der Pädagogischen Hochschule Tirol, die Bedeutung der Fachdidaktik – vor allem im Bereich der Naturwissenschaften. „Wenn wir uns die Zahlen der AbsolventInnen bei den Lehramtstudien in den Fächern Chemie und Physik ansehen, erkennt man den Handlungsbedarf“, erklärt Vizerektorin Friedrich. Eine besondere Rolle spiele hier die Fachdidaktik, denn „wie können wir erwarten, dass sich Studierende für diese Fächer entscheiden, wenn ihnen die Faszination für diese Fächer nicht schon in der Schule vermittelt wird“, so Friedrich.

 

Neben den VertreterInnen der Kooperationspartner Universität Innsbruck und Pädagogische Hochschule Tirol waren auch Bildungslandesrätin Mag. Dr. Beate Palfrader, Landesschulinspektor Dr. Thomas Plankensteiner vom Landesschulrat Tirol  - auch in Vertretung von Dr. Erwin Koler, Amtsführender Präsident des Landesschulrates Tirol - , Dr. Peter Höllrigl, Leiter des Deutschen Schulamtes Bozen, sowie zahlreiche Fachleute bei der Eröffnungsfeier anwesend.

 

Wichtige Kooperationspartner

Um im Fachdidaktikzentrum für Naturwissenschaften West bestmöglich an der Entwicklung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in allen Tiroler und Südtiroler Schultypen und in allen Schulstufen zu arbeiten, wurden Entscheidungsträger wie das Deutsche Schulamt in Bozen, der Landesschulrat von Tirol mit seinen Landes- und Bezirkschulräten sowie die entsprechenden politischen Vertreter der Landeregierung mit ins Boot geholt. Die fachdidaktische Forschung soll helfen, dieses Tun vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse über das Lehren und Lernen in den Naturwissenschaften zu reflektieren und mehr Einblick in dieses komplexe Geschehen zu erlangen.

 

Das Projekt wird über die Initiative IMST: „Innovationen Machen Schule Top, Regionale Fachdidaktikzentren“ des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur gefördert.

  

Warum Fachdidaktikzentren?

Pisastudie, TIMSS Test, neue Mittelschule, zwei Stunden zusätzliche Lehrverpflichtung…. die österreichische Bildungspolitik scheint ein Dauerbrenner zu sein.

Neue Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden und Strukturen verändert, das Dienstrecht der LehrerInnen umgekrempelt, der Lehrplan entrümpelt werden. Das eigentlich zentrale Geschehen, nämlich, das Lernen des Individuums, das in allen Bildungsstufen vom Kindergarten bis zur Hochschule stattfindet, wird scheinbar außer acht gelassen.

Wer was wie lernt, kann von keiner bildungspolitisch festgesetzten Rahmenbedingung beeinflusst werden. Es entsteht allein im Individuum selbst. Jeder einzelne entscheidet, was er lernt und was davon in entsprechenden Situationen auch zur Anwendung kommt. Ausschlaggebend dabei ist alleinig die Motivation, die einem dazu verhilft, Lerninhalte auch wirklich lernen zu wollen.

Lernen kann man nicht von außen vorschreiben, Wissen nicht über einen Nürnberger Trichter einfüllen, egal um welche Form der Mittelschule es sich handelt. Immer muss es der Lernende selbst sein, der das Angebotene auch nutzen will und kann.

Wie Lernen funktioniert, wird von NeurophysiologInnen wie auch DidaktikerInnen schon seit Jahrhunderten erforscht und hat lerntheoretische Erkenntnisse zu Tage gebracht, die die Grundlage jeglichen Lehr- und Lernangebotes sein sollte, egal in welchem Schultyp und mit welcher Anzahl an Unterrichtsstunden gelehrt und gelernt wird.

Lernen ist ein hoch komplexer Prozess, der von vielen Faktoren bedingt und von ebenso vielen beeinflusst wird. Didaktik ist die Wissenschaft, die sich genau mit diesen Prozessen beschäftigt und das Lehren und Lernen erforscht. Sie schafft die Basis, die es Lehrenden ermöglicht, ihr eigenes Tun vor dem Hintergrund theoretisch und praktisch erworbener, wissenschaftlicher Erkenntnisse zu reflektieren.

Die Fachdidaktik wirft ein ganz spezielles Licht auf das Lehren und Lernen in den jeweiligen Fachbereich und analysiert Lehr- und Lernprozesse, die für das Lehren und Erlernen fachspezifischer Inhalte und Kompetenzen erforderlich sind. Sprachen werden anders gelernt als Naturwissenschaften, Bewegungsabläufe im Sportunterricht sprechen andere Gedächtnisstrukturen an, als das Lernen mathematischer Problemstellungen. Lernen in den einzelnen Fächern ist vielschichtig und lässt sich nicht auf die Anzahl von Unterrichtsminuten und KlassenschülerInnenhöchstzahlen reduzieren.

(ip)

Nach oben scrollen