LFU Innsbruck trennt sich von Prof. W.

Die LFU Innsbruck geht in die Offensive und informierte heute die Presse umfassend über die Stiftungsprofessur von Prof. W. Der Forschungsschwerpunkt Material- und Nanowissenschaften bleibt bestehen. Das interdisziplinäre Magisterstudium „Material- und Nanowissenschaften“ ist für den Herbst 2007/08 vorgesehen.
Bruno-Sander-Haus
Bild: Bruno-Sander-Haus

Die Entlassung mit sofortiger Wirkung wurde Prof. W. am 13.09.2006 auf dem Postweg ausgefolgt. Die LFU Innsbruck schließt sich dem Verfahren in der Strafsache gegen Prof. W. als Geschädigte an. Der Betriebsrat für das wissenschaftliche Personal wurde verständigt. Mit der Trennung von Prof. W. wird seitens der Universitätsleitung ein Schlussstrich unter die Stiftungsprofessur gezogen.

 

Rektor Manfried Gantner

"Wir haben einen Forschungsschwerpunkt Material- und Nanowissenschaften gebildet, sind dabei ein Studium auf diesem Gebiet aufzubauen und gründeten ein Christian-Doppler-Labor „Advanced Hard Coatings“ gemeinsam mit der Plansee AG, Balzers und der Christian-Doppler-Gesellschaft. Die Stiftungsprofessur war eine ideale Ergänzung zu unseren Aktivitäten in diesem Bereich.

Als Rektor der LFU Innsbruck darf ich festhalten, dass die internationale, nicht personenbezogene Ausschreibung, die Erstellung des Berufungsvorschlages von einer Gruppe fachnaher Professoren, die Auswahl und die Besetzung gesetzeskonform und korrekt durchgeführt wurden. Als Rektor bedauere ich, dass Prof. W. unser Vertrauen anscheinend missbraucht hat.

Nachdem die ersten Vorwürfe bekannt geworden sind, wurde Prof. W. vom Dienst freigestellt. Es galt für ihn die Unschuldsvermutung. Jedoch sind die Vorwürfe so massiv, dass eine Fortsetzung des Dienstverhältnisses nicht mehr zumutbar ist. Es ist der Universität kein finanzieller Schaden entstanden. Er wurden keine Steuergelder in die Stiftungsprofessur investiert. Für künftige Stiftungsprofessuren ist eine Bankgarantie für die gesamte Laufzeit des Stiftungsvertrages angedacht.

Grundsätzlich sind Stiftungsprofessuren an den Universitäten zu begrüßen. Wir haben auf dem Gebiet der Material- und Nanowissenschaften sehr viel Forschungskompetenz und wir werden uns hier auch weiter verstärken. Die Einführung des neuen Studiums bleibt von den Vorkommnissen um die Stiftungsprofessur unbeeinträchtigt. Wir sind, waren und bleiben auf diesem Forschungsgebiet eine sehr gute Universität."

 

Forschungs-Vizerektor Tilmann Märk

"Prof. W. ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet Beschichtungstechnik und war bereits über viele Jahre als leitender Angestellter bei der Plansee AG und als solcher am Aufbau des Christian-Doppler-Labors maßgeblich beteiligt. Wir hatten keinen Grund, seine Anstellung weiter zu hinterfragen. Die Stiftung „CTC Coating Technologie“ wurde von lic.iur. Phillip Wanger, Vorstandsmitglied der Liechtensteinischen Rechtsanwaltskammer, vertreten. Es gab daher auch keinen Anlass, den Financier der Stiftungsprofessur eingehender zu prüfen. Das Berufungsverfahren wurde von einer Gruppe von Professoren des fachlichen Bereichs durchgeführt. Prof. W. wurde nominiert, weil er wissenschaftlich qualifiziert war – er kann auf 105 einschlägige Publikationen verweisen - und weil wir ihn beim Aufbau des CD-Labors als sehr engagierten Professor kennen gelernt haben. Es gibt daher auch gegen seine Berufung nichts einzuwenden. Wir alle, die Verantwortlichen bei Plansee und wir als Universität, wurden von Prof. W. getäuscht. Dieser Vorfall ist aber kein Anlass Stiftungsprofessuren insgesamt in Frage zu stellen. Stiftungsprofessuren sind notwendig und wichtig zur Erweiterung der Lehr- und Forschungskapazitäten für eine autonome Universität. Wir haben aber aus dieser Causa gelernt und werden künftig noch sorgfältiger unsere PartnerInnen auswählen."

 

Zu den vermeintlichen Schwarzgeldzahlungen an der betroffenen Organisationseinheit entgegnete HR Dr. Martin Wieser, Vizerektor für Personal und Infrastruktur, dass die beschuldigten MitarbeiterInnen die Vorwürfe bestreiten und dem Rektorat eidesstattliche Erklärungen vorliegen, die die erhobenen Vorwürfe widerlegen. Wenn es weitere Vorwürfe geben sollte, werden diese vom Rektorat lückenlos aufgeklärt.

 

Zahlen und Fakten Stand: 31.12.2005

An der LFU Innsbruck arbeiten 3.251 MitarbeiterInnen. Davon sind 2.377 MitarbeiterInnen in der Wissenschaft tätig. (176 ProfessorInnen) Insgesamt sind 437 MitarbeiterInnen über so genannte Drittmittel - Zuwendungen von Sponsoren und Investoren – engagiert. Die LFU Innsbruck zählte im Jahr 2005 insgesamt sieben Stiftungsprofessuren und drei Christian-Doppler-Labore. Das finanzielle Engagement externer Geldgeber ist für eine autonome Hochschule eine wichtige Grundvoraussetzung für den Auf- und Ausbau von Forschung und Lehre.

 

Die Chronik der Stiftungsprofessur „Beschichtungstechnik und Beschichtungsmaterialien“

1) Ausgangslage

Im Zuge der Profilbildung in Forschung und Lehre wurde gemäß Entwicklungsplan ein Forschungsschwerpunkt Material- und Nanowissenschaften (Advanced Materials) unter der Koordination von Prof. Erminald Bertel gebildet und es wird ein interdisziplinäres Magisterstudium Material- und Nanowissenschaften geschaffen. Eine ideale Ergänzung bildet das gem. Christian-Doppler-Labor für Advanced Hard Coatings mit der Montanuniversität Leoben unter der Leitung von Dr. Richard Tessadri (Innsbruck) und Dr. Christian Mitterer (Leoben). Zur Erweiterung der Lehr- und Forschungskapazitäten auf diesem zukunftsfähigen Gebiet wurde eine Stiftungsprofessur für den Bereich Materialwissenschaften im Entwicklungsplan vorgesehen.

 

2) Das Berufungsverfahren

Der Stiftungslehrstuhl ist eine Professur nach § 99 UG 2002 befristet auf zwei Jahre. Im Vergleich zu § 98 Professuren erlauben die gesetzlichen Bestimmungen einen einfacheren Besetzungsablauf. Obwohl § 99 Professuren ohne die Zustimmung des Universitätsrats eingerichtet werden könnten, wurden die konkreten Verhandlungsergebnisse zur Stiftungsprofessur auf Betreiben des Rektorats vor der Ausschreibung im Universitätsrat vorgestellt. Der Universitätsrat hat die Ausschreibung befürwortet.

Im Jänner (18.01.2006) wurde die Stiftungsprofessur für „Beschichtungstechnik und Beschichtungsmaterialien“ ausgeschrieben. Das Berufungsverfahren im Februar (20.02.) wurde von einer Gruppe von Professoren des fachlichen Bereichs durchgeführt. Es haben sich sieben Personen auf die Stelle beworben. Die beteiligten ProfessorInnen mit Forschungs-Vizerektor Tilmann Märk haben die Bewerbungen gesichtet und einen Dreiervorschlag erstellt. Aus den Begründungen und Gutachten ging Prof. W. als der bestgeeignete Kandidat hervor.

 

3) Der Stifter

Die Stiftungsprofessur, finanziert von der „CTC Coating Technologies“, wurde von Dr. Richard Tessadri (CD-Labor) in Abstimmung mit dem Vizerektor Tilmann Märk eingeworben. Die „CTC Coating Technologies“ wurde als ein internationales Konsortium, das Interesse an einem Aufbau eines europäischen Forschungs-Netzwerkes auf dem Gebiet der Beschichtungstechnik hat, vertreten durch lic.iur. Phillip Wanger, Vorstandsmitglied der Liechtensteinischen Rechtsanwaltskammer, vorgestellt. Der Vizerektor für Forschung hat die weitere Betreuung übernommen und von der Rechtsabteilung in Abstimmung mit dem Rektor den Stiftungsvertrag erstellen lassen. Der Stiftungsvertrag ist ein Standardvertrag über eine jährliche Gesamtpauschale von 110.000 Euro für die Personalkosten von Prof. W. Die Vertragsdauer beträgt zwei Jahre. Es sind mit dem Vertragsabschluss keine besonderen Pflichten gegenüber dem Stifter seitens der LFU Innsbruck verbunden.

 

Die Anstellung wurde mit 01.03. realisiert. Der Stifter hat die ersten sechs Monate der Stiftungsprofessur unter Prof. W. im Voraus finanziert. Die Aufwendungen für die Stiftungsprofessur mit den Gehältern von Prof. W. waren bis zu seiner Entlassung gedeckt. Die LFU Innsbruck hat keine Mittel in die Professur investiert.