Ignaz-Lieben-Preis 2005 an Ronald Micura

Einer der jüngsten Professoren der Universität Innsbruck, Ronald Micura, erhält in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet der RNA-Chemie den ältesten Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Verleihung findet am 4. November 2005 statt.
Prof. Ronald Micura
Bild: Prof. Ronald Micura

Der Preisträger wurde in einem mehrstufigen Auswahlprozess aus 29 Ansuchen von der Jury, die aus Mitgliedern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften aus dem In- und Ausland und Vertretern der TU Wien und der Universität Wien besteht, ausgewählt.

Erforschung von Nukleinsäuren

In seinen Forschungsarbeiten beschäftigt sich Ronald Micura mit der chemischen Biologie von Nukleinsäuren. Im Besonderen gilt sein Interesse der Erforschung der Einflüsse von modifizierten Nukleosiden, den Grundbausteinen der Nukleinsäuren, auf die Struktur und Funktion von Ribonukleinsäuren (RNA). Dabei entstandene innovative RNA-Synthesemethoden sind zum Beispiel für die Entwicklung von Nukleinsäure-Therapeutika von Bedeutung.

Ronald Micura wurde 1970 geboren und promovierte 1995 an der Universität Linz im Fachbereich Technische Chemie. Nach zwei Jahren als Schrödinger-Stipendiat bei Albert Eschenmoser im Laboratorium für Organische Chemie der ETH Zürich, forschte er von 1998 bis 2000 im Rahmen eines APART-Stipendiums für sein Habilitationsprojekt am Scripps Research Institute in La Jolla, an der ETH Zürich und der Universität Linz. Im Jahr 2003 erhielt er den Novartis-Preis für seine Arbeiten zur Chemie modifizierter RNA. Ein Jahr später wurde er als jüngster Professor an die Universität Innsbruck berufen.

Der älteste Preis der Akademie

Der älteste Preis der ÖAW, 1863 gestiftet und nach dem verstorbenen Gründer des Bankhauses Lieben benannt, musste 1937 wegen Verfolgung der Stifterfamilie eingestellt werden. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die Physikerinnen Marietta Blau und Lise Meitner sowie die beiden Nobelpreisträger Viktor Hess und Otto Loewi waren Träger des Ignaz L. Lieben-Preises. Die großzügige finanzielle Unterstützung von Isabel und Alfred Bader, selbst ein von den Nationalsozialisten aus Österreich Vertriebener, hat es ermöglicht, den Ignaz L. Lieben-Preis zu reaktivieren und im Jahr 2004 wieder neu auszuschreiben.

Der Preis in der Höhe von 18.000 US-Dollar wird auf Wunsch der Stifter an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich für herausragende Arbeiten auf den Gebieten der Molekularbiologie, Chemie und Physik verliehen.

Die Verleihung des Preises

Die Preisverleihung findet in Anwesenheit der Stifter am 4. November 2005 um 11:00 Uhr im Johannessaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1010 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird der Preisträger zum Thema „Chemical Synthesis for RNA Biology" sprechen.