Vorgestellt: Antidisziplinär

Nikita Dhawan setzt ihren Fokus auf die Bereiche des Transnationalen Feminismus, der Globalen Gerechtigkeit, der Menschenrechte sowie der Demokratie und Dekolonisierung. Sie ist seit kurzem Professorin für Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck.
dhawan_nikita_400x306.jpg
Bild: Nikita Dhawan (Foto: Andreas Friedle)

Witwatersrand-Universität, Johannesburg/Südafrika, Universität Busan/Südkorea, Universität La Laguna, Teneriffa/Spanien, University of California, Berkeley/USA, Universität Melbourne/Australien – allein die Gastaufenthalte führten Nikita Dhawan in den letzten vier Jahren auf fünf Kontinente. Auch ihre Interessen, sagt die 42-Jährige, sind breit gefächert, von Migration über Gender-Themen und Queer-Politics bis hin zu Postkolonialen Studien, Menschenrechte und Demokratie. Doch überall – an jedem Ort und bei jedem Forschungsgebiet – stehen zwei zentrale Themen im Vordergrund. Macht und Gewalt. Insofern, lacht sie, kann man schon von „there‘s method in madness“ sprechen, ein kontinuierliches Arbeiten über Disziplinen hinweg – „Ich nenne es antidisziplinär“ –, das sie im Oktober 2014 als neuberufene Politikwissenschaftsprofessorin für politische Theorie mit den Schwerpunkten Frauen- und Geschlechterforschung nach Innsbruck führte. „Das ist genau mein Thema“, sagt sie, möchte aber nach einer gewissen Zeit der Orientierung auch jenes Thema in Innsbruck aufbauen, das sie in den letzten Jahren am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe Universität Frankfurt am Main etablierte – Postkolonialismus. „Für den deutschsprachigen Raum ist das in den Gesellschaftswissenschaften ein neues Thema, da bislang die Meinung vorherrschte, dass der deutschsprachige Raum keine Kolonialmächte im Sinne von England oder Frankreich gehabt hat.“

Kritische Reflektionen

Zur Politikwissenschaft kam Dhawan über Umwege, studierte sie doch anfangs Wirtschaft. Als zweite Fremdsprache wählte sie „das exotische Deutsch“ und begeisterte sich für die Sprache, Kunst und Philosophie des deutschsprachigen Raums, was zu den einschlägigen Studienabschlüssen und schließlich nach Innsbruck führte. Als „smooth landing“ bezeichnet sie ihre Ankunft in Tirol, ist begeistert von den Studierenden („total engagiert“), den Arbeitsverhältnissen und der Lebensqualität. Etwas hat es ihr besonders angetan – das Brot: „Es schmeckt fantastisch.“

Zur Person

Nikita Dhawan, geboren 1972, studierte an der University of Mumbai Germanistik und Philosophie, außerdem Gender Studies an der SNDT Women‘s University Mumbai. An der Ruhr-Universität Bochum wurde sie 2006 promoviert. 2006/2007 lehrte sie als Gastprofessorin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Von 2008 bis 2014 war sie Juniorprofessorin für Politikwissenschaft (Schwerpunkt Gender und Postkoloniale Studien) an der Goethe Universität Frankfurt am Main sowie Direktorin des Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies.

Dieser Artikel von Andreas Hauser ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Zukunft Forschung“ erschienen. Eine digitale Version ist hier (PDF) zu finden.