Eine internationale Erfolgsgeschichte

Vom Mississippi an den Inn – und umgekehrt: Bereits seit 40 Jahren besteht zwischen der Universität Innsbruck und der University of New Orleans (UNO) eine intensive Partnerschaft. Der rege Austausch zwischen den beiden Städten findet sowohl auf akademischer als auch auf kultureller Ebene statt. 2015 werden die runden Jubiläen dieser Zusammenarbeit gefeiert.
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Bild: Im Sommer des Jahres 1976 kamen erstmals Studierende aus New Orleans an die Universität Innsbruck. Foto: The University of New Orleans

 Innsbruck ist ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt, dementsprechend vielfältig ist das „Angebot“ verschiedener Sprachen, die auf Innsbrucks Straßen zu hören sind. Im Sommer allerdings, genauer gesagt von Anfang Juli bis Anfang August, ist eine Sprache besonders stark präsent: Sei es auf der Seegrube oder vor dem Goldenen Dachl – an vielen Stellen ist das „American English“ zu hören. Der Besuch junger Leute aus Amerika gehört zum sommerlichen Innsbrucker Stadtbild dazu. Mehr als 270 Studierende aus den USA nehmen in diesen Wochen an der „UNO-Innsbruck International Summer School“ an der Uni Innsbruck teil. Der Besuch aus New Orleans hat Tradition: Auf Initiative des Historikers Prof. Gordon „Nick“ Müller kamen bereits im Jahr 1976 erstmals amerikanische Studierende nach Innsbruck und eine bis heute andauernde, internationale Erfolgsgeschichte nahm vor 40 Jahren ihren Anfang. 1983 wurde aus einer informellen Partnerschaft eine offizielle Universitätspartnerschaft, die durch die Gründung eines „Center New Orleans“ und eines „Center Austria“ an den beiden Universitäten auch institutionell verankert ist.

Österreich - USA und USA - Österreich

Die Partnerschaft zwischen der University of New Orleans und der Universität Innsbruck ist mit ihrer Ausrichtung sowohl auf den wissenschaftlichen als auch auf den Studierendenaustausch nicht nur eine der ältesten sondern auch eine der erfolgreichsten Partnerschaften Österreichs. Etwa 70 Studierende der Uni Innsbruck nehmen das Angebot eines Aufenthalts in der Stadt am Mississippi in Anspruch und absolvieren jährlich ein Auslandssemester oder -jahr an der University of New Orleans. Ebenso verbringen auch einige amerikanische Studierende ein Jahr an der Universität Innsbruck. Die Stadt Innsbruck und das Land Tirol sponsern gemeinsam eines der beiden fellowships, das es Innsbrucker Studierenden erlaubt, ein Jahr an der University of New Orleans an ihrer Diplomarbeit oder Dissertation zu arbeiten. Koordiniert wird dieser Austausch im „Center New Orleans“ an der Uni Innsbruck von Ass.-Prof. Dr. Christina Antenhofer, die als Rektoratsbeauftragte alle Belange der Universitätspartnerschaft von österreichischer Seite leitet und ebenfalls an der University of New Orleans forschte und lehrte. Ermöglicht wurde dies durch das Programm der Gastprofessuren. Lehrende der Universität Innsbruck können darüber hinaus ein Semester an der University of New Orleans tätig sein, während im Gegenzug Lehrende aus New Orleans an der Universität Innsbruck forschen und lehren. Um den wissenschaftlichen Austausch weiter voranzutreiben, hat Rektor Tilmann Märk in diesem Jahr erstmals ein Forschungsstipendium für einen Guest scientist ins Leben gerufen: Die Stadtforscherin Prof. Renia Ehrenfeucht war im Juni als erste Gastwissenschaftlerin an der Fakultät für Architektur tätig. Darüber hinaus finden jährlich Symposien mit Forscherinnen und Forschern beider Universitäten sowie Gästen aus Europa und den USA statt, denen zahlreiche Publikationen folgten. In diesem Jahr war das Symposium den beiden Städten Innsbruck und New Orleans gewidmet. Um der positiven Zusammenarbeit mit New Orleans auch buchstäblich ein Denkmal zu setzen, wurde anlässlich der beiden Jubiläen an der Uni Innsbruck ein Kunstwerk realisiert: Ein 9 Meter hohes Reagenzglas steht sinnbildlich für die Universität als Ort, in dem täglich Neues entsteht – vergleichbar mit den Vorgängen in einem Reagenzglas. Das mit Menschen „gefüllte“ Objekt symbolisiert das Zusammenwirken zwischen Mensch und Wissenschaft. „Es steht als dynamisches Zeichen am Univorplatz, für die Arbeiten, die 'hinter den verschlossenen Türen' der Universität Tag für Tag vor sich gehen. Wie das Reagenzglas ist auch die Universität ein Ort, an dem Neues entwickelt wird. Das Kunstwerk macht dies anschaulich und soll zu Diskussionen anregen“, sagt Antenhofer. Für die Zukunft soll insbesondere der wissenschaftliche Austausch zwischen den Universitäten über Gastprofessuren und Gastwissenschaftler weiter gefördert und ein eigenes Programm für Doktoranden ins Leben gerufen werden. Die Partnerschaft zwischen beiden Universitäten entspricht damit in Lehre und Forschung dem idealen Profil eines wissenschaftlichen Netzwerkes.

40 Jahre – 10.000 Teilnehmer

Das amerikanisch-österreichische Austauschprogramm ist mit seiner 40-jährigen Geschichte eine der ältesten und größten akademischen Sommerschulen, die von einer Universität in den USA im Ausland angeboten wird. „Etwa 10.000 Studierende haben an diesem Programm bisher teilgenommen“, sagt Dr. Irene Ziegler. Als Studentin an der Uni Innsbruck absolvierte Ziegler in den 90er Jahren ein Auslandsjahr in New Orleans, seit 2009 ist sie Leiterin der UNO-Innsbruck Summer School und bereits seit vielen Jahren an der University of New Orleans in der Koordination von Auslandsaufenthalten und -programmen tätig. „It changed my life“, sagt Irene Ziegler über ihre Zeit in Amerika, die nicht nur berufliche Weichen stellte, sondern auch im Privatleben vieles änderte (mehr dazu im Radiobeitrag). Die Teilnahme an der Summer School in Innsbruck beschreiben viele amerikanische Studentinnen und Studenten als wertvoll und horizonterweiternd: Neben dem akademischen Kursangebot aus verschiedenen Bereichen der Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften legen die Organisatoren des Programms auch auf das kulturelle „Lernen“ großen Wert. „Die Studierenden können je nach Fachrichtung aus verschiedenen Kursangeboten wählen. Diese Kurse sind zwischen Montag und Donnerstag Vormittag angesetzt, damit an den Nachmittagen und an den Wochenenden Zeit für Aktivitäten bleibt, die ein Kennenlernen Tirols und seiner Nachbarländer ermöglicht“, verdeutlicht Ziegler. „Für amerikanische Studierende ist das Erleben Europas mit seinen kulturellen und gesellschaftlichen Unterschieden ein großes Abenteuer.“ Seit einigen Jahren ist es zudem auch für Innsbrucker Studierende möglich, an der Summer School teilzunehmen und Innsbrucker Lehrende unterrichten einige der Kurse. Ein „Buddy Programm“ ermöglicht es Innsbrucker und New Orleaner Studierenden, bereits vorab in Kontakt zu treten und Freundschaften zu schließen. Innsbrucker Studierende zeigen auf diese Weise ihren Kolleginnen und Kollegen aus New Orleans Innsbruck und Tirol aus ihrer persönlichen Perspektive.

Universitäts- und Städtepartner

Die langjährige und konstruktive Verbundenheit der beiden Universitäten blieb allerdings bei weitem nicht nur auf den akademischen Bereich beschränkt. In diesem Jahr wird ein weiteres Jubiläum in diesem Zusammenhang begangen: 1995 unterzeichnete die Stadt Innsbruck ein Städtepartnerschaftsabkommen mit New Orleans. Das musikalische Angebot im Rahmen des jährlichen „New Orleans Festivals“, das seinen Höhepunkt mit Konzerten am Innsbrucker Marktplatz Mitte Juli findet, ist nur eines der Ergebnisse dieser jahrelangen Verbundenheit und allen Innsbruckerinnen und Innsbruckern bestens bekannt. „Die Austauschstudierenden aus New Orleans verfolgen dieses  Stück ‚Heimat’ vor der Kulisse der Nordkette übrigens sehr gerne mit“, erzählt Ziegler.