Das Licht – eine Faszination in der Gestaltung

Das Licht und die optimalen visuellen Gestaltungsmöglichkeiten von Gebäuden sind die thematischen Schwerpunkte von Christian Bartenbach. Über zehn Jahre leitete er einen Universitätslehrgang für Lichtgestaltung in Innsbruck, der heuer geschlossen wird. Bartenbach hat unter anderem mit diesem Lehrgang zur Entwicklung des Berufes der Lichtgestaltung beigetragen.
Bartenbach, Lichtinstallation Shanghai
Bild: Eine Lichtinstallation von Christian Bartenbach am Flughafen in Shanghai. (Bild: Bartenbach)

Licht und Gestaltung – das sind die Kernpunkte der Arbeit, mit denen sich Christian Bartenbach, Spezialist für Beleuchtungstechnik und Lichtgestaltung, beschäftigt. Mehr als zehn Jahre leitete Bartenbach den Lehrgang für Lichtgestaltung im Rahmen der universitären Weiterbildung an der Uni Innsbruck. Das Ziel des Experten war es, die Studierenden bestmöglich für den Beruf des Lichtgestalters zu qualifizieren. „Licht ist das Medium des Sehens und der Seele. Es wirkt auf Lebensrhythmus, Stimmung und Leistungsfähigkeit des Menschen. Richtiges Licht am Arbeitsplatz aktiviert. Dunkelheit in öffentlichen Räumen erzeugt Unwohlsein, Licht ein sicheres Gefühl. Im Spiel von Licht und Schatten wird Architektur und Design in allen Dimensionen erlebbar. Der Umgang damit braucht Professionalität und Passion“, skizziert Bartenbach die Grundzüge seiner Arbeit.

 Alles begann an der Bibliothek der Uni Innsbruck

„Nach meinem Studium habe ich begonnen, im elterlichen Betrieb zu arbeiten. Das Stemmen war jedoch nicht ganz mein Ding, also begann ich, mich intensiver mit den Lichtanlagen zu beschäftigen. Das hat mich damals schon sehr interessiert“, erzählt Bartenbach von den Anfängen seines Interesses. Zu dieser Zeit etwa wurden die Leuchtstofflampen entwickelt, mit denen sich auch neue Möglichkeiten in der Lichtgestaltung ergaben. „Auch damit habe ich mich intensiv auseinandergesetzt und so kam es, dass ich den Auftrag bekam, gemeinsam mit Professor Kohler von der Universität Innsbruck, die dortige Bibliothek zu beleuchten. Darüber, wie wir die Beleuchtung anzulegen gedenken, kamen wir uns furchtbar in die Haare. Aus dieser ersten Reiberei entstand dann später eine wunderbare, langjährige und sehr konstruktive Zusammenarbeit“, so der Lichtexperte. Für Bartenbach begann mit diesem ersten Projekt nicht nur sein Interesse für das Licht im allgemeinen, er begann sich intensiv mit den Einflüssen von Licht auf die Menschen auseinanderzusetzen und Überlegungen zur Selbstständigkeit wurden immer konkreter. „Damals habe ich mich dann entschlossen, ein Ingenieurbüro zu gründen. Ich habe meinen Entschluss meinem Bruder mitgeteilt und ihn gleichzeitig vorgewarnt, dass ich wieder zurückkomme, wenn mein Vorhaben nicht gelingen sollte. Bis heute bin ich ihm für sein Verständnis sehr dankbar, denn dieses Glück mit einer solchen Sicherheit eine Entscheidung zu treffen, hat nicht jeder“, erinnert sich Bartenbach, für den sich sein mutiger Schritt schon bald bezahlt machte, denn sein Unternehmen wurde bald sehr erfolgreich. Mit seiner Überlegung, Licht und die Tageslichtführung bereits in den Gestaltungsprozess von Gebäuden mit einzubauen, nahm Bartenbach eine Vorreiterrolle in diesem Gebiet ein.

 Mehr als Lux

„In meiner Arbeit wurde mir bald bewusst, dass das Licht keine reine Lux-Zahl und eine technische Sache ist, sondern dass hier die Wahrnehmungspsychologie eine tragende Rolle spielt“, so der Ingenieur. Diese Erkenntnis nützte Bartenbach, um Projekte auf der ganzen Welt erfolgreich zu realisieren. Mit Licht Lebensräume nutzbar zu machen, ist für Bartenbach besonders wichtig und oberstes Prinzip in der Umsetzung in der Gestaltung. „Licht ist nicht sichtbar, es macht sichtbar“, zitiert Bartenbach einen seiner Kollegen. Damit möchte er verdeutlichen, dass es nicht reicht, in der Gestaltung von Gebäuden nur willkürlich Öffnungen einzubauen, durch die Licht in den Raum dringen kann. Bartenbach spezialisierte sich auf die sogenannte Tageslichtführung, in der bewusst darauf geachtet wird, möglichst viel Licht in das Gebäude zu bringen und besonders die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer der Gebäude zu berücksichtigen. „Denkt man an Bauten aus lange zurückliegenden Zeiten, dann ist auffallend, dass die damaligen Architektinnen und Architekten ein enormes Wissen über die Führung von Licht gehabt haben müssen. Damals gab es keine Möglichkeiten Kunstlicht zu verwenden und allein deswegen mussten sie sich schon viel mehr Gedanken darüber machen, wie man am besten das Licht in ein Gebäude leitet“, gibt Bartenbach einen Rückblick auf früheres Wissen. Denkt man an die sagenhaften Bauten aus dem Altertum, den alten Kulturen der Römer, Griechen oder der Mayas, dann wird schnell klar, dass hier Licht zu mehr als nur zur Beleuchtung verwendet wurde. Das Mystische sowie ausgeklügelte Lichtsysteme lassen uns heute nur staunen. Der Experte für Licht veranschaulicht: „In der heutigen Architektur sehen wir überall wunderschöne Glasbauten. Kleiner Makel daran ist, dass man im Inneren trotz der großflächigen Lichteinlässe fast nur Kunstlicht verwendet. In einem Bau dürfte eigentlich, wenn er überlegt ausgeführt ist, am Tag überhaupt kein zusätzliches Licht benötigt werden. Hier sollte eine durchdachte Gebäudeform schon viel bewirken.“ Die Forschung spricht davon, dass der Mensch, der, wie Bartenbach es nennt, ein Augentier ist, 70 bis 80 Prozent der Informationen aus der Umwelt, über das Licht vermittelt bekommt. Umso bedeutender ist es auch für den Experten, das Wissen aus der Wissenschaft mit seinen Erfahrungen aus der Praxis zu verbinden.

Wissen auch weitergeben

Für Bartenbach war es auch immer wichtig, sein Wissen an andere, vor allem junge Architektinnen und Architekten weiterzugeben. Im Jahr 2003 startete an der Uni Innsbruck ein Lehrgang für Lichtgestaltung, in dem die Studierenden vom Leiter, Christian Bartenbach, selbst viel Wissen vermittelt bekamen. „Mir war es immer ein Anliegen, den Studierenden die Wichtigkeit der Lichtgestaltung zu vermitteln“, so der ehemalige Lehrveranstaltungsleiter, der bei seinen Vorlesungen und den anschließenden praxisnahen Umsetzungen auch viel gelernt hat. Die Zielgruppe erstreckte sich von Architektinnen und Architekten über Ingenieurinnen und Ingenieuren bis zu Lichtgestaltenden aus Bühne und Medien. Das unterschiedliche Fachwissen führte in der interdisziplinären Auseinandersetzung zu neuen Denkansätzen und Sehweisen im Licht. Heuer, im Jahr 2015, wird der Lehrgang geschlossen. „Ich habe meine Firma der Nachfolge übergeben und leider besteht hier vorübergehend kein Interesse an der Weiterführung eines solchen Lehrganges an der Uni. Es werden hier bei uns, in der Bartenbach Lichtakademie, weiterhin Kurse angeboten. Diese richten sich aber mehr an Interessierte aus der Praxis und Wirtschaft und weniger an Studierende. Ich hoffe aber auch, dass es irgendwann wieder zu einer Kooperation kommt, denn die Uni liegt mir immer noch sehr am Herzen“, so Bartenbach. Der Lehrgang für Lichtgestaltung war ein gegenseitiges Geben und Nehmen an Wissen und Ideen. Lichträume zu gestalten und Lebensräume nutzbar zu machen, das war das Ziel von Bartenbach, der es ich zur Aufgabe gemacht hat, das doch so alltäglich uns umgebende Licht, erlebbar zu machen.

 

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