Elementarpädagogik entwächst den Kinderschuhen

Lehrstühle mit elementarpädagogischer Ausrichtung gibt es in Österreich nur zwei, einen davon hat Wilfried Smidt inne. Seit März 2015 ist er an der Universität Innsbruck Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt frühe Bildung und Erziehung.
Wilfried Smidt ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt frühe Bildung und Erziehung.
Bild: Wilfried Smidt ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt frühe Bildung und Erziehung.

Wie gut Kleinst- und Kleinkinder in der Familie, in der Kinderkrippe und im Kindergarten gebildet, erzogen und betreut werden, ist wesentlich für ihre weitere Entwicklung. Dennoch ist die Elementarpädagogik „ein Feld, in dem noch viel brach liegt“, wie der Erziehungswissenschaftler Wilfried Smidt festhält. Das gilt insbesondere für Österreich, wo sie als Forschungsgegenstand im europäischen Vergleich in den Kinderschuhen steckt. Der neue Lehrstuhl ist erst der zweite mit elementarpädagogischer Ausrichtung: „Hier Aufbauarbeit zu leisten, ist natürlich sehr reizvoll“, so der gebürtige Ostfriese über seine neue Herausforderung.
Entsprechend viel vorgenommen hat er sich für die kommenden Jahre: So möchte er grundlagen- und berufsfeldbezogene Forschungsvorhaben initiieren, die sich den spezifischen Aspekten der Elementarpädagogik in Österreich widmen. Sein gutes Netzwerk zu Universitäten und Hochschulen in Deutschland, wo die Elementarpädagogik seit vielen Jahren eine „kleine, aber etablierte Teildisziplin“ der Erziehungswissenschaften ist, will er für Kooperationen aktivieren. „Aufgabe des Lehrstuhls ist natürlich auch, die Einrichtung eines entsprechenden Studiums vorzubereiten“, ergänzt Smidt die Liste seiner Vorhaben.

Empirische Bildungsforschung

Smidt versteht sich als Vertreter der empirischen Bildungsforschung, was sich nicht zuletzt in seiner Doktorarbeit zeigt, in der er anhand einer Stichprobe von 157 Kindern in 51 Kindergärten in Bayern und Hessen über mehrere Jahre hinweg die „zielkindbezogene pädagogische Qualität“ in Kindergärten untersucht hat. Zum Einsatz kam dabei ein standardisiertes Beobachtungs- und Einschätzverfahren zur Feststellung der pädagogischen Qualität auf Kindebene. „Die frühe Förderung in bestimmten Bildungsbereichen ist prädiktiv für die weitere Entwicklung. Um zum Beispiel frühe Mathematik-Förderung in die Bildungsarbeit zu integrieren, müssen die Pädagoginnen und Pädagogen entsprechend qualifiziert sein“, gibt er zu bedenken. Ein weiteres Forschungsthema bezieht sich daher auf Aspekte der Professionalisierung von (früh-)pädagogischen Fachkräften.

Zur Person

Wilfried Smidt studierte ab 1999 Soziale Arbeit an der Fachhochschule Regensburg. Gleich anschließend absolvierte er sein Studium der Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Elementar- und Familienpädagogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, wo er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem DFG-Forschungsprojekt weiter in das Gebiet vertiefte und 2011 mit einer Arbeit über „Zielkindbezogene pädagogische Qualität im Kindergarten“ seinen Doktorgrad erlangte. Nach der Promotion forschte Smidt am Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter an der Universität Koblenz-Landau und war Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen und Universitäten bis er dem Ruf nach Österreich folgte, wo er als Professor an der Universität Innsbruck lehrt und forscht.