Eisenzeitlicher Brandopferplatz in weiblicher Hand

In drei Grabungskampagnen untersuchten Archäologinnen und Archäologen unter der Leitung von Gerhard Tomedi das Demlfeld in Ampass. Mit Förderungen des TWF und der Aktion Swarovski können unzählige Fundstücke bearbeitet und analysiert werden. Simon Hye, Dissertant am Institut für Archäologien, befasst sich mit etwa 10.000 Einzelfragmenten aus Keramik.
Eisenzeitlicher Brandopferplatz_Hye
Bild: Das Bild zeigt einen in Ampass ausgegrabenen Verbrennungsplatz oder Altar. (Bild: Institut für Archäologien)

„Beim Pflügen eines länger brach liegenden Feldes entdeckte ein Anrainer, zufälligerweise Mitglied des Vereins ArchaeoTirol, im Jahr 2002 kleine verbrannte Knochen und verständigte daraufhin das Bundesdenkmalamt, das den Auftrag zur weiteren Untersuchung der Fläche erteilte“, erklärt Simon Hye den Anfang der Grabungen in Ampass. In weiteren Grabungskampagnen in den Jahren 2006 und 2007 wurde eine Fläche von 875 m2 untersucht. Die Archäologinnen und Archäologen legten hier die gesamte erhaltene Fläche eines eisenzeitlichen Heiligtums frei.

Verbrannte Knochen und tausende Fundstücke

Bei den Grabungen, bei denen zeitweise bis zu 20 Archäologinnen und Archäologen gleichzeitig beteiligt waren, wurden tausende Artefakte aus Keramik, Bronze und Eisen gefunden. Aufgrund der entdeckten verbrannten Knochenreste und den Analysen der Artefakte konnten die Expertinnen und Experten sehr schnell feststellen, dass es sich bei dem untersuchten Platz um einen Brandopferplatz aus der Eisenzeit handelt. „Ein solcher Platz ist eigentlich nichts Ungewöhnliches für die Gegend. Zudem ist Ampass eine Gemeinde mit besonders vielen archäologischen Fundstellen und so hat es uns nicht gewundert, dass dort ein solcher Platz gefunden wurde“, schmunzelt Hye. Besonders interessant an der Untersuchung ist für die Forschenden auch, dass dies erst der dritte Brandopferplatz in Tirol ist, neben einem am Piller Sattel und dem Trappeleacker, der vollständig untersucht wurde. „Wir haben im Inntal ein sehr dichtes Netz an eisenzeitlichen Siedlungsstellen. Die bekannten davon liegen meist auf Hügelkuppen, wie etwa Fritzens oder das Himmelreich bei Volders. In den letzten Jahren hat man durch Forschungen herausgefunden, dass es auch im Tal offene Siedlungen oder Werkstättenareale gegeben hat“, so Hye. Die gefundenen Tierknochen, die beim Verbrennen bei über 800 Grad ganz weiß werden, geben den ersten Aufschluss darüber, dass es sich bei dem Platz am Demlfeld um ein Heiligtum und einen Brandopferplatz handelt. Hye erklärt, dass solche Plätze im gesamten Alpenraum keine Seltenheit waren: „Solche religiösen Stätten gab es im Alpenraum und im Alpenvorland ab der frühen bis mittleren Bronzezeit. In den Alpen selbst wurden solche Plätze besonders in der Eisenzeit, die sich durch Tier- und Sachopfer auszeichnen, gefunden.“ Die Archäologinnen und Archäologen sind bereits mitten in den Arbeiten, die Artefakte zu dokumentieren und zu analysieren. Bereits untersucht wurden der gesamte Ringschmuck, die Blechgürtel sowie Gewandspangen, die sogenannten Fibeln. „Was noch größtenteils aussteht und aus deren Analysen wir uns noch interessante Ergebnisse versprechen, ist die Untersuchung von etwa 10.000 Keramikfragmenten. Diese Analysen wurden uns jetzt mit der Förderung der Aktion Swarovski möglich. Von den tausenden Fragmenten werden in etwa 2.000 gezeichnet und fotografiert. Aus diesen Zeichnungen können wir dann Rückschlüsse auf verwendete Gefäße und deren Datierung ziehen“, so Hye, der in seiner Diplomarbeit die gefundenen Fibeln, die Gewandspangen, untersucht hat. Begonnen wurde mit den gut datierbaren und verzierten Fragmenten. Darunter befanden sich auch einige Bruchstücke einer speziellen Form, der sogenannten Fritznerschale. „Die Fritzens-Sanzeno-Kultur ist eine inneralpine eisenzeitliche Kultur, die von Tirol über Südtirol bis ins Trentino und weiter bis in die Ostschweiz reicht. Man spricht hier von einer einheimischen Kulturgruppe, die mehr oder weniger umgeben war von Kelten“, erklärt Hye.

Ein sehr weiblicher Platz

Die große Fülle und Vielseitigkeit der Funde liegt laut dem Experten an der sehr schönen Lage des Platzes auf einer sonnigen Terrasse im Mittelgebirge sowie an der guten verkehrsgeographischen Lage mit der Verbindung in Richtung Wipptal. Alte Wegeverbindungen seien bis heute erhalten. Der Brandopferplatz am Demlfeld ist aber nicht nur wegen des besonders umfangreichen Spektrums an Funden, die freigelegt werden konnten, interessant. Besonders wird der Platz zudem durch einen außergewöhnlichen Aspekt, den die Untersuchungen gezeigt haben: „Nach den bisherigen Analysen der Fundstücke konnten wir feststellen, dass von den Sachen, die man einem Geschlecht zuordnen kann, der überwiegende Teil der Artefakte eine weibliche Komponente aufweist. Auch die gefundenen Schmuckstücke können zu einem sehr großen Teil Frauen zugeordnet werden. Hier kann man vor allem auf die gefundenen Gürteln oder Fibeln verweisen, wie sie sonst in Frauengräbern auftreten. Dieser Aspekt ist ungewöhnlich und macht die Untersuchungen noch interessanter.“ Nicht festzustellen sei, ob an diesem Brandopferplatz nur Frauen ihre Opfer dargebracht haben. Die Archäologinnen und Archäologen können nur Vermutungen anstellen, worauf dieser hohe Anteil an weiblichen Fundstücken zurückgeführt werden kann: „Wir können nur mutmaßen, ob hier eine weibliche Macht oder Gottheit verehrt wurde und das der Grund ist, warum hier hauptsächlich Trachbestandteile von Frauen gefunden wurden. Beweisen lässt es sich aber nicht. Natürlich haben wir auch einige wenige eindeutig männliche Fundstücke sicherstellen können, der weibliche Anteil überwiegt aber auffallend“, präzisiert Hye die Ergebnisse. Der Experte und sein Team hoffen, mit den noch ausstehenden Analysen der Keramikfragmente noch detailliertere Hinweise auf die Bedeutung des Platzes und seine Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen.