Vorgestellt: Sprachliche Varietäten an der Universität

Seit März diesen Jahres hat Monika Dannerer eine Professur für Germanistische Sprachwissenschaft am Institut für Germanistik inne. Ihre Forschungsinteressen bewegen sich im breiten Feld der synchronen und angewandten Sprachwissenschaft. In einem aktuellen Forschungsprojekt beschäftigt sie sich mit dem Umgang mit Mehrsprachigkeit an der Universität.
Monika Dannerer
Bild: Monika Dannerer ist seit März 2014 Professorin am Institut für Germanistik. (Foto: Universität Innsbruck)

„In Innsbruck habe ich die Möglichkeit, wieder neu anzufangen und merke gleichzeitig, an wie viele Punkte ich auch anknüpfen kann. Mich neu zu vernetzen – am Institut und darüber hinaus – bietet mir die Chance, einen neuen Blickwinkel auf Fragestellungen zu gewinnen“, ist Dannerer begeistert. Anknüpfen an frühere Forschungen kann die aus Salzburg stammende Germanistin in dem auf drei Jahre angelegten Projekt zum Umgang mit Mehrsprachigkeit an der Universität. Dafür bildet sie eine Kooperation mit ihrem Kollegen Prof. Peter Mauser von der Universität Salzburg. Mit dem Projekt „Verknüpfte Analyse von Mehrsprachigkeiten am Beispiel der Universität Salzburg“ (gefördert vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank) hat sich das wissenschaftliche Team viel vorgenommen. Die aktuelle gesamtgesellschaftliche Situation ist vor dem Hintergrund von Migrationsprozessen, (Bildungs-)Mobilität und Globalisierung geprägt von vielfältigen Formen der Mehrsprachigkeit.

Von Äußerer und Innerer Mehrsprachigkeit

„Dies ist ein komplexer Titel, der auch ein komplexes Forschungsvorhaben umreißt“, erklärt Dannerer. Ziel des Projektes ist es, zu analysieren, wie an der Universität mit Mehrsprachigkeit von Studierenden, Lehrenden und dem Verwaltungspersonal umgegangen wird. Zum einen interessiert die Germanistin die sogenannte äußere Mehrsprachigkeit. Diese bezeichnet die Verwendung von unterschiedlichen Sprachen, also das, was traditionellerweise unter „Mehrsprachigkeit“ verstanden wird. Dannerer macht darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um Personen handelt, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben. „Es kommen Erasmus-Studierende für ein Semester, aber auch Studierende, die für einen längeren Zeitraum an der Uni bleiben“, sowie Studierende mit anderen Erstsprachen, die in Österreich die Schule besucht haben, so die Germanistin. „Im Hinblick auf die internationalen Studierenden sind das Formen von Mehrsprachigkeit, die die Universität zur Kenntnis nimmt und fördert – manchmal mit sehr viel Geld“, erklärt die Wissenschaftlerin. Dannerer weist auch darauf hin, dass die Nutzung einer Lingua franca immer schon klassisch war für die Universität: „Zuerst mit Latein und jetzt forciert mit Englisch ist die Uni klar auf Mehrsprachigkeit ausgerichtet.“ Die Germanistin beschäftigt sich in ihren Forschungen jedoch nicht nur mit der äußeren Mehrsprachigkeit. Ihr Anliegen ist es, auch der inneren Mehrsprachigkeit, jenen sprachlichen Varietäten innerhalb einer Sprache, Raum und wissenschaftliche Aufmerksamkeit zu schenken. „Die Wissenschaftssprache ist immer Standardsprache. Regionalismen und Dialekte werden von der Uni offiziell nicht zur Kenntnis genommen“, erläutert die Germanistin. Dannerer deutet an, dass an der Universität nicht nur Standarddeutsch, sondern Varietäten der Sprache verwendet werden. Menschen können in einem Kontinuum von Standardsprache zu Dialekt, auch situationsbedingt, variieren. „Dies gilt nicht nur für Studierende und Lehrende mit Deutsch als Muttersprache. Varietäten der Sprache kommen auch durch Menschen mit Deutsch als Zweitsprache in den Unterricht“, so Dannerer. Im Projekt wollen die Wissenschaftlerin und ihr Kollege aus Salzburg diese beiden Forschungsfelder, die bisher getrennt voneinander betrachtet wurden, verbinden und im Bereich der mündlichen Kommunikation an der Uni erforschen.

Analysieren und dokumentieren

In einem ersten Schritt analysieren Dannerer und Mauser die Rahmenbedingungen für Sprachenpolitik an der Universität. Dafür sollen die Universitäten in Innsbruck, Salzburg, Wien und Bozen miteinander verglichen werden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei auch die Analyse der Kommunikation der Universitäten nach außen über Homepages und Printprodukte. „Mittlerweile ist es schon ganz selbstverständlich, dass Broschüren zweisprachig, in Englisch und Deutsch, gedruckt werden“, stellt Dannerer dar. In Gesprächen mit Leitenden der Unis soll weiteres ermittelt werden, welche Schritte zur Unterstützung der Mehrsprachigkeit unternommen werden bzw. geplant sind. Dannerer betont, dass der Wunsch nach Lehrveranstaltungen auf Englisch immer größer würde: „Die Sinnhaftigkeit dafür muss für jede einzelne Fachrichtung überprüft werden. Die Lektüre von Fachtexten auf Englisch – wie auch in anderen Fremdsprachen – ist jedoch notwendig“, erläutert Dannerer. Für die Germanistin ist es wichtig, die Situation an den Universitäten auch in Bezug auf die innere Mehrsprachigkeit zu analysieren und zu dokumentieren. Dafür sind u.a. Aufnahmen in den Lehrveranstaltungen geplant, um die tatsächlich verwendeten Varietäten der Sprachen zu ermitteln. „Unser Ziel ist das Zusammenführen von der Makro- und der Mikroperspektive“, präzisiert Dannerer.

Nachwuchsförderung

„Ein wichtiger und wesentlicher Nebeneffekt solcher Projekte ist, dass junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Möglichkeit bekommen, mitzuarbeiten und ihre Abschlussarbeiten in einem praxisorientierten Feld zu verfassen“, freut sich Dannerer. Im Rahmen des Projektes sind bereits mehrere Diplomarbeiten und zwei Dissertationen geplant. „Als Studentin hätte ich mir gewünscht, direkt in einem Projekt mitarbeiten zu können“, erzählt Dannerer, die ihren Studierenden jetzt diese Möglichkeit bieten kann.

Zur Person

Nach einem Diplomstudium in Germanistik und Geschichte beschäftigte sich Monika Dannerer in ihrer Dissertation an der Universität Bielefeld mit Deutsch als Fremdsprache und Sprachwissenschaft. Die Germanistin hat für ihre Fächer zusätzlich das Lehramt absolviert und hat ein Jahr in einer Schule unterrichtet. „Diese Zeit dort habe ich sehr genossen“, berichtet Dannerer. Anschließend übersiedelte die Wissenschaftlerin nach Ungarn, wo sie zunächst als Lektorin und später als Beauftragte für Bildungskooperation tätig war. „Für diese nicht-durchgängigen Laufbahn bin ich sehr dankbar, denn es war eine unglaublich interessante und spannende Zeit“, freut sich die Germanistin. Ihre Perspektiven auf Europa und die eigene Muttersprache wurden besonders durch ihren Aufenthalt in Ungarn geprägt. Nachdem sie zuletzt als assoziierte Professorin in Salzburg tätig war, ist Monika Dannerer nun in Innsbruck. „Es ist ein so unglaublich schöner Beruf!“