Innovation als Familiensache

Innovation in Familienbetrieben: Damit beschäftigt sich die Wirtschaftswissenschaftlerin Viktoria Veider. Familienbetriebe gelten als risikoavers – diese Einschätzung bestätigt sich auch bei ihren Investitionen in Neuerungen.
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Bild: Rund 90 Prozent aller Betriebe in Österreich sind Familienbetriebe, darunter auch große Unternehmen. (Foto: berggeist007 / pixelio.de)

Wer bei Familienunternehmen zuerst an den Bäcker um die Ecke und den Autowerkstätte des Vertrauens denkt, liegt nicht ganz falsch, denkt allerdings zu kurz: In Österreich sind rund 90 Prozent aller Unternehmen Familienunternehmen, abzüglich der vielen Ein-Personen-Unternehmen immer noch 54 Prozent. „Viele wissen nicht, wie viele auch sehr große Betriebe und sogar internationale Konzerne Familienunternehmen sind bzw. von Familien kontrolliert werden“, sagt Viktoria Veider, MSc vom Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus. Sie beschäftigt sich wissenschaftlich mit Familienunternehmen und besonders mit deren Innovationskraft.

Familien-Konzerne

Tatsächlich sind mehrere international erfolgreiche und bekannte Unternehmen in der Hand der Gründerfamilien: Bekannte Beispiele sind etwa der Möbelkonzern Ikea, der US-Einzelhandels-Riese WalMart oder Samsung, das als Mischkonzern aus einer ganzen Reihe von Tochterfirmen besteht. „Was mich besonders interessiert, ist die Innovation in Familienbetrieben: Investitionen in Forschung und Entwicklung sind ein bedeutender Faktor bei der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen“, erklärt Viktoria Veider. „Familienunternehmen zeichnen sich besonders durch zwei Eigenschaften aus: Einerseits sind sie risikoavers und scheuen Unerprobtes, andererseits sind sie sehr langfristig orientiert – das Unternehmen soll künftigen Generationen erhalten bleiben.“ Diese beiden Eigenschaften widersprechen sich allerdings: Um am Markt langfristig zu bestehen, sind Innovationen und damit ein gewisses Risiko unvermeidbar.

Insgesamt vergleicht die Wirtschaftswissenschaftlerin rund 500 größere Firmen aus Deutschland, sowohl Familienbetriebe als auch andere, und vergleicht dabei unterschiedliche Ausmaße von Familieneinfluss: „Wir unterscheiden, ob die Familienmitglieder nur passive Anteilseigner sind oder selbst in Management und/oder im Aufsichtsrat sitzen. Außerdem scheint die aktive Involvierung des Firmengründers im Management oder Aufsichtsrat ebenfalls einen Unterschied in der Innovationstätigkeit zu haben.“ Die unterschiedlichen Einflussgrößen von Familie auf das Unternehmen vergleicht Viktoria Veider mit messbaren Finanz- und Innovationsdaten: Die Höhe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung und die Anzahl der angemeldeten und zitierten Patente eines Unternehmens.

Messbare Innovation

„Ein Ergebnis ist eindeutig: Familienunternehmen scheuen vor Investitionen in Forschung und Entwicklung zurück, ihre Ausgaben dafür sind signifikant niedriger als bei Nicht-Familienbetrieben“, erläutert die Forscherin. Einen bedeutenden Unterschied innerhalb der Familienunternehmen gibt es allerdings: Wenn Familienmitglieder selbst Teil des Managements sind, ist die Umwandlung dieser Investitionen in tatsächlichen Output deutlich höher. „Das heißt, die Firmen investieren zwar wie auch andere Familienunternehmen nur sehr zögerlich in Forschung und Entwicklung, der Output in Form von Patenten ist für den Mitteleinsatz aber deutlich höher“, sagt Viktoria Veider. Diese Daten decken sich mit den Grundwerten eines Familienunternehmens: „Wenn sich die Familie zu solchen Investitionen durchringt, liegt das Augenmerk darauf, dass dabei etwas herauskommt.“

Als nächstes will sich Viktoria Veider ansehen, wie Familienbetriebe mit „Open Innovation“ umgehen – also mit Innovation und neuen Ideen von außen, wie sie mehrere Unternehmen bereits zur Unterstützung der eigenen Forschung und Entwicklung heranziehen. Das Projekt wird vom Tiroler Wissenschaftsfonds gefördert.

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