Gute Bilanz trotz finanzieller Sorgen

Zwei Jahre nach Beginn der Amtsperiode informierte das RektorInnenteam im Rahmen eines Pressegespräches über die bisherige Arbeit und weitere Ziele. Im Hinblick auf die Festigung der Stellung der Uni Innsbruck als wichtigste Forschungs- und Bildungseinrichtung Westösterreichs kann Rektor Märk bereits zur Halbzeit auf zahlreiche Erfolge verweisen.
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Bild: Das RektorInnenteam der Universität Innsbruck (v.l.): Vizerektor Roland Psenner, Vizerektorin Anke Bockreis, Rektor Tilmann Märk, Vizerektorin Sabine Schindler und Vizerektor Wolfgang Meixner zogen heute positive Bilanz. Bild: Universität Innsbruck

„Viele der Ziele, die wir als Rektorenteam vor zwei Jahren formulierten, wurden bereits realisiert“, zog Rektor Tilmann Märk ein erfreuliches Resümee über die Arbeit seines Teams seit 2012. „Die Universität Innsbruck konnte ihre Spitzenposition national und international weiter ausbauen, wie das durchwegs sehr gute Abschneiden in verschiedenen Rankings belegt", zeigte sich Märk stolz. „Die Universität Innsbruck zählt zu den 250 besten Universitäten der Welt.“ Insbesondere der Forschungsbereich erfreut sich angesichts seiner weltweiten Vernetzung großer Anerkennung. Von der Attraktivität des Standortes zeugt nicht zuletzt die Eingliederung drei ehemaliger Institute der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in die Universität Innsbruck. „Um diese Spitzenergebnisse aber auch weiterhin erreichen zu können, müssen die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sein“, betonte Märk. Aktuell verfügt die Universität Innsbruck über gesunde Finanzen und kann speziell im Bereich der Drittmittel eine positive Entwicklung verzeichnen. „Sorgenkind bleibt allerdings die Bundesfinanzierung, denn ab 2016 droht eine Unterfinanzierung“, gab Märk zu bedenken.
Um bestmögliche Rahmenbedingungen in den Bereichen Forschung und Lehre nachhaltig gewährleisten zu können, wurde seit 2012 ein Vielzahl wichtiger Maßnahmen getroffen, wie beispielsweise die Schaffung der in Österreich bisher einzigartigen Fakultät für LehrerInnenbildung, der School of Education. Auch im Hinblick auf vermehrte Kooperation am Hochschulstandort oder den Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft gab es durchwegs Positives zu berichten: „Wir haben dank der intensiven Zusammenarbeit im Rahmen der Tiroler Hochschulkonferenz unser gemeinsames Studienangebot noch weiter ausgebaut und konnten in den letzten Jahren nicht weniger als 18 Stiftungsprofessuren einwerben“, betonte Märk. „Wir dürfen uns auf unserem Erfolg allerdings nicht ausruhen, sondern müssen die bevorstehenden Aufgaben weiter aktiv angehen“, so Märk. Zentral sieht Rektor Märk hier die Sicherung einer ausreichenden Finanzierung und die Realisierung der in Aussicht gestellten Bauprojekte.

Lehre: Neuerung, Auszeichnung und Kooperation

Als erste Hochschule Österreichs gründete die Universität Innsbruck am 1. Oktober 2012 die „School of Education“, eine neue, eigenständige Fakultät, um künftigen Lehrerinnen und Lehrern eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen. Neu sind zudem Aufnahmeverfahren, die mit dem kommenden Studienjahr 2014/2015 ausgeweitet werden. Dies betrifft im Besonderen alle Lehramtsfächer sowie einige Bachelor- und Diplomstudien. Mit dem Aufnahmeverfahren wird das Ziel verfolgt, dass sich angehende Studierende bereits vor Studienantritt mit dem Fach auseinandersetzen. Neben Aufnahmeverfahren wurden und werden an der Uni Innsbruck auch neue Studien eingeführt. Seit dem Wintersemester 2013/2014 können angehende Lehrerinnen und Lehrer das Bachelorstudium „Islamische Religionspädagogik“ am Institut für Fachdidaktik studieren. Das Studium qualifiziert Studierende zur Erteilung des Islamischen Religionsunterrichts an Volks-, Haupt- und Neuen Mittelschulen. Auch für eine Neuerung, die es ab kommendem Herbst im Tiroler Oberland geben soll, ist alles vorbereitet und der letzte Schritt liegt jetzt beim Senat: In Landeck soll ein Bachelor-Studium für Wirtschaft, Gesundheit- und Sporttourismus eingerichtet werden. Das Studium wird vom Land Tirol gefördert und von der Universität Innsbruck und der UMIT in Hall gemeinsam durchgeführt.
Die Universität Innsbruck wird für ihre Bemühungen, das Studienangebot transparent, klar, verständlich und international vergleichbar darzustellen, belohnt. Als erste österreichische Universität wurde ihr Ende März diesen Jahres von der EU-Kommission ein Gütesiegel, das ECTS-Label, überreicht, ein deutliches Signal der Anerkennung, gleichzeitig aber auch Ansporn, Curricula „studierbarer“ zu machen, d.h. den Bedürfnissen der Studierenden und ihren Lebensbedingungen anzupassen. Dazu ein paar Zahlen: Im Wintersemester 2013/14 studierten bei uns knapp 28.000 Personen, etwa 15.000 Frauen und knapp 13.000 Männer, etwa 11.000 Studierende kamen aus dem Ausland. 4300 Personen, 48 Prozent davon aus dem Ausland, inskribierten im Wintersemester 2013/14 erstmals eines (oder mehrere) der 125 Studien an den 16 Fakultäten, an denen jedes Jahr mehr als 8000 Lehrveranstaltungen angeboten und knapp eine Viertelmillion Prüfungen abgelegt wurden. Im letzten Studienjahr schlossen mehr als 4100 Personen ihr Studium ab.
Da Weiterbildung immer wichtiger wird, setzt die Universität Innsbruck neue Akzente durch breitere und differenzierte Angebote, die sich am konkreten Bedarf der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und der Gesellschaft orientieren, wie z.B. den Universitätslehrgang Medizinrecht. Neben „klassischen“ Universitätslehrgängen, die zu einem Masterabschluss führen, gibt es zahlreiche kleinere Formate, die auf wichtige Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt reagieren. Gemeinsam mit anderen Instituten Bildungsangebote zu erweitern und zu entwickeln, ist ein großes Ziel der Universität. So wird ein gemeinsames Studium für Lehrerinnen und Lehrer entstehen, das die Uni Innsbruck zusammen mit der PHV (Pädagogische Hochschule Vorarlberg), der PHT (Pädagogische Hochschule Tirol) und der KPH Edith Stein (Kirchliche Pädagogische Hochschule) sowie dem Mozarteum Salzburg vorbereitet. Die Universität Innsbruck kooperiert auch international, um Studierenden eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen. Gemeinsam mit den beiden anderen Euregio-Universitäten, der Freien Universität Bozen und der Universitá degli Studi di Trento, sind mehrere Doktoratsprogramme geplant.

Forschung: Drittmittel, Internationalität und Wissenstransfer

Die Forschungsfinanzierung durch Drittmittel wird immer wichtiger. Die Universität Innsbruck konnte diese zwischen 2011 und 2013 von 35,7 auf 40,7 Millionen Euro steigern, womit auch vermehrt qualitativ hochwertige Arbeitsplätze geschaffen wurden: Ein Viertel aller Forscherinnen und Forscher (763 Personen) wurde 2013 durch Drittmittel finanziert. Bedeutend ist dabei die Förderung durch die Europäische Union: Im 7. Rahmenprogramm (2007-2013) konnte die Universität Innsbruck 104 Projekte einwerben, was insgesamt ca. 50 Millionen Euro an EU-Förderung entspricht. Mit drei ERC-Grants, darunter ein Synergy-Grant, und einem START-Preis seit 2011 waren die Forscherinnen und Forscher der Uni Innsbruck auch in äußerst kompetitiven Förderprogrammen erfolgreich. 2013 ging auch Österreichs größter privater Forschungspreis, der Houska-Preis der B&C Privatstiftung nach Innsbruck.
Der Universität Innsbruck gelang es in den vergangenen Jahren die Publikationen im Web of Science beträchtlich zu steigern: von 786 (2010) auf 1.061 (2013). Weiters wurde der Anteil der Publikationen mit internationalen Co-AutorInnen im Web of Science zwischen 2010 und 2013 von 63 Prozent auf 71 Prozent erhöht. Im Leiden Ranking 2014 belegt die Universität in dieser Kategorie weltweit den sehr beachtlichen 5. Platz. Im Times Higher Education Ranking erreichte die Uni Innsbruck in der Rubrik „Internationalität“ 2013/2014 weltweit der 7. Platz.
Einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Bilanz leistet der wissenschaftliche Nachwuchs, der an der Universität Innsbruck einen hohen Anteil der Forschungsleistung erbringt: 2013 hatten 751 Doktoratsstudierende ein Beschäftigungsverhältnis zur Universität. Ergänzend dazu hat die Universität ein eigenes Stipendienprogramm für NachwuchswissenschaftlerInnen eingerichtet, bei dem jährlich rund 100 Stipendien vergeben werden.
Die Universität Innsbruck ist an acht Forschungs- und Transfereinrichtungen direkt und an zehn kommerziellen Unternehmen über die Universitätsholding beteiligt. Als Miteigentümerin unterstützt sie dabei mehrere junge Start-up Firmen, die aus den Forschungsbereichen der Universität hervorgehen. So wird z.B. durch die neu gegründete Acticell GmbH eine umweltfreundliche Jeansbleiche entwickelt. Der Rückfluss von Forschungsergebnissen aus der Universität in die Gesellschaft kann durch diese Forschungs- und Transferbeteiligungen maßgebend gestärkt werden, wodurch neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen wurden. Die Universität Innsbruck nimmt hier österreichweit eine Vorreiterrolle ein. Die innovative Kraft der Universität Innsbruck lässt sich auch am Erfindergeist seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ablesen: Im Jahr 2012 wurden zwölf und 2013 elf Patente angemeldet. Diese wurden teilweise an heimische Unternehmen übertragen und werden dort zu marktreifen Produkten weiter entwickelt.

Personal: Qualifizierung, Gleichstellung und Gesundheitsmanagement

Die Universität Innsbruck ist eine der größten Arbeitgeberinnen Tirols. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen im Zentrum des Erfolges der Universität. Um diesen zu halten und auszubauen, hat sich das Vizerektorat für Personal zum Ziel gesetzt, optimale Rahmenbedingungen für qualifizierte und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen.
Um die Qualität im Bereich der Betreuungsverhältnisse in der Lehre noch weiter zu verbessern, ist ein konkretes Ziel des Vizerektorats für Personal, den Anteil an Habilitierten zu erhöhen. Mit den anstehenden Berufungen und den im Rahmen der Personalgespräche bereits vereinbarten zusätzlichen Laufbahnstellen wird das Ziel von 500 Habilitierten (Stand 31.12.2013: 436 Habilitierte) im Jahr 2015 erreicht werden.
Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist im Leitbild der Universität verankert und stellt ein zentrales Anliegen der Universitätsleitung dar. Besonders stolz ist die Universität Innsbruck deshalb auf einen sehr niedrigen gender pay gap und die Tatsache, dass es gelingt, die Schere zwischen Frauen- und Männergehältern weiter zu schließen. In ihren Leitungsorganen Rektorat und Universitätsrat erfüllt die Universität die gesetzliche Frauenquote von 40 Prozent. Darüber hinaus erfüllen 71 Prozent der eingesetzten Curricularkommissionen, 50 Prozent der Habilitations-kommissionen und 46 Prozent der Berufungskommissionen die Quote. Im Bereich der Laufbahnstellen ist 2013 ein erheblicher Anstieg des Frauenanteils gelungen, sodass nun 10 Prozent mehr Frauen in dieser universitären Spitzenverwendung tätig sind.
Neben der Einführung eines online-Recruitings 2012 und einer Jobinitiative für Menschen mit Behinderung steht Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements unter dem Slogan „Uni Innsbruck | gut drauf!“ im Zentrum der Bemühungen der laufenden Rektoratsperiode. Im Vorfeld dieser Einführung wurde eine MitarbeiterInnenbefragung durchgeführt, an der über 39 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilgenommen haben. Das Ergebnis dieser Befragung ist sehr positiv: Besonders schätzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Art und Inhalt ihrer Arbeit, die Arbeitszeitregelungen der Universität, die Sicherheit des Arbeitsplatzes, das Betriebsklima sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für die die Universität im Jahr 2013 auch mit dem Gütesiegel „hochschuleundfamilie“ ausgezeichnet wurde.
Aus den Kritikpunkten, die im Rahmen der Umfrage geäußert wurden, ergeben sich die Handlungsfelder für die kommenden zwei Jahre: Durch einen Ausbau des bestehenden Intranets soll die interne Kommunikation verbessert werden, es soll eine Feedback-Kultur gefördert werden und im Bereich der Personalentwicklung ist das Ziel, den bestehenden Führungskräfte-Schwerpunkt weiter auszubauen.

Infrastruktur: Mobilität, Nachhaltigkeit und neue Gebäude

Ein zentrales Projekt im Bereich der Infrastruktur ist die Sanierung der Universitätsgebäude. Die Arbeiten im Universitäts-Hauptgebäude am Innrain, deren Hauptziel brandschutztechnische Adaptierungen und barrierefreie Zugänge ins Gebäude waren, sind bereits weitgehend abgeschlossen. Am Campus Technik werden das Architekturgebäude, das Gebäude der Fakultät für Technische Wissenschaften und deren Nebengebäude generalsaniert, um den Anforderungen aus dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz, der Arbeitsstättenverordnung und dem Behindertengleichstellungsgesetz gerecht zu werden. Im Herbst werden auch diese Arbeiten abgeschlossen sein. Fertiggestellt wurde außerdem ein Gebäude am Mondsee, in dem das Forschungsinstitut für Limnologie der Universität Innsbruck nun untergebracht ist.
Für den Ersatzneubau des Gebäudes der Alten Chemie (Innrain 52a) hat die Universität in Abstimmung mit allen zuständigen Behörden bereits die Unterlagen für einen Architekturwettbewerb erstellt. Sobald das Wissenschaftsministerium zustimmt, kann der Wettbewerb für diesen Neubau gestartet werden. Im Gebäude laufen momentan noch die Dekontaminierungsarbeiten, um es für den Abriss freigeben zu können. Für das Haus der Musik, das alsGemeinschaftsprojekt mit der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol, dem Mozarteum und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft gebaut wird, läuft derzeit der Architekturwettbewerb, der Baubeginn ist für Herbst 2015 geplant. Ein Schwerpunkt des Vizerektorats für Infrastruktur liegt weiterhin auf der Realisierung des Hauses der Physik. Mit dem Haus der Physik sollen moderne und attraktive infrastrukturelle Rahmenbedingungen – unter anderem dringend benötigte, neue Labors – für die Innsbrucker Physiker geschaffen werden.
Momentan liegt das Augenmerk des Vizerektorats für Infrastruktur außerdem auf der Erstellung eines Mobilitätskonzeptes. Ziel ist hier, den öffentlichen Nahverkehr und die Benutzung von Fahrrädern zu fördern und damit zugleich den motorisierten Individualverkehr bei Wegen zu und von den Standorten der Universität zu verringern. Unter dem Schlagwort „Nachhaltige Universität“ laufen außerdem Bemühungen, den Energieverbrauch der Universität mittelfristig signifikant zu senken. Die Bemühungen wurden im Mai mit dem „Sustainability Award 2014“ gewürdigt, den das Wissenschafts- und das Umweltministerium gemeinsam verleihen: Der so ausgezeichnete Energieeffizienzleitfaden enthält Maßnahmen, die den Energieverbrauch an der Universität beispielsweise im Bereich Beleuchtung um bis zu 75 Prozent senken und so auch ganz wesentlich Kosten einsparen.