Wasserfußabdruck für Innsbruck

Urbane Wasserströme sichtbar machen – das will ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt, an dem auch der Arbeitsbereich für Umwelttechnik am Institut für Infrastruktur beteiligt ist.
Die Wasserströme in Europas Städten will ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt aufzeigen.
Bild: Die Wasserströme in Europas Städten will ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt aufzeigen. (Foto: Photodisc, Inc.)

„Das Projekt Urban Water Footprint will die städtischen Wasserströme darstellen, um das Wassermanagement in Europas Städten zu verbessern“, erklärt Prof. Wolfgang Rauch, der am Arbeitsbereich Umwelttechnik die Forschungsgruppen Urban Water Management und Water Resources Management leitet. „Bisher gibt es vergleichbare Darstellungen nur auf nationaler Ebene“, erklärt er den innovativen Ansatz des Projektes, an dem neben der Universität Innsbruck auch das alpS – Zentrum für Klimawandelanpassung als österreichischer Partner beteiligt ist. Gemeinsam mit sieben weiteren Partnern aus Italien, Polen, Deutschland und Ungarn sollen im Rahmen des zweijährigen Projektes urbane Wasserfußabdrücke für Innsbruck, Vicenza und Warschau erstellt werden. In diesen Städten sollen auch sogenannte Urban Water Footprint Labs eingerichtet werden.

Virtuelle Wasserströme

„Die Methode des Wasserfußabdruckes basiert auf dem Konzept von virtuellem Wasser. Dabei wird jeglicher Art von Konsumation eine komplette Wasserbilanz zugeordnet“, erklärt Wolfgang Rauch. Unterschieden wird dabei zwischen grünem, blauem und grauem Wasser: „Ein Beispiel für grünes Wasser ist Regen, der zur Bewässerung eines Getreidefeldes dient. Blaues Wasser ist Oberflächen- oder Grundwasser, das zur Bewässerung verwendet wird und graues Wasser ist das Wasser, das durch die Produktion verschmutzt wird, wobei hierzu die gesamte Menge zählt, die benötigt wird, um das verschmutzte Wasser wieder so weit zu verdünnen, dass die zulässigen Grenzwerte erreicht werden – je nach Verschmutzungsgrad sind hier relativ schnell große Mengen erreicht.“

Basierend auf diesem Konzept von virtuellem Wasser entsteht dann der Wasserfußabdruck. „Ein Wasserfußabdruck zeigt beispielsweise auf, dass für eine Tasse Kaffee 140 Liter Wasser benötigt werden oder dass die Produktion einer Jeanshose zehn Kubikmeter Wasser verbraucht“, verdeutlicht Rauch. In dem im November gestarteten Projekt geht es darum, die unterschiedlichen Wasserquellen sowie den Verbrauch und die Verschmutzung von Wasser in den einzelnen Städten darzustellen.

Die Erstellung eines urbane Wasserfußabdruckes ist völlig neu, und stellt die Wissenschaftler deshalb auch vor Herausforderungen: „Wasserfußabdrücke funktionieren eigentlich auf einer größeren Ebene, schon allein deshalb, weil die einzelnen dafür benötigten Daten auf urbaner Ebene nur schwer zu bestimmen sind. Unser erster Schritt ist es daher, die Methode entsprechend auf das städtische Gebiet herunterzubrechen“, beschreibt Rauch. Aus diesem Grund fand Mitte Februar unter seiner Leitung ein Workshop in Innsbruck statt, an dem Experten der Universitäten Padua, Wroclaw und Innsbruck die technischen Details für das Projekt erarbeiteten.

Sensibilisieren und Planen

Ziel des vom CENTRAL EUROPE- Programme der EU geförderten Projektes ist es, die Bevölkerung für das Thema Wasser zu sensibilisieren. „Das Wissen um bestimmte Fakten kann dazu führen, dass das eigene Verhalten zu überdacht wird“, erklärt Rauch. So könne eine detaillierte Aufstellung des Wasserkreislaufes dazu anregen, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen und möglicherweise zu ändern. Die städtischen Wasserfußabdrücke sollen aber auch dabei helfen, das Wassermanagement zu verbessern. „Der Klimawandel kann dazu führen, dass unsere Wasserressourcen in näherer Zukunft gezielter gesteuert werden müssen. Mithilfe des Urban Water Footprint werden derartige Entwicklungen auch im städtischen Bereich frühzeitig vorhersehbar und ermöglichen so entsprechende Reaktionen“, so Rauch.