Vorgestellt: Wissenschaftliches Neuland betreten

Das Universum gibt der Wissenschaft noch immer Rätsel auf. Norbert Przybilla, Professor für Astrophysik am Institut für Astro- und Teilchenphysik der Uni Innsbruck, will mit seiner Forschungsarbeit dazu beitragen, diese zu lösen.
Univ.-Prof. Dr. Norbert Przybilla
Bild: Univ.-Prof. Dr. Norbert Przybilla

„Die Arbeit meiner Forschungsgruppe spannt von der Beobachtung über Modellentwicklung bis zur quantitativen Analyse, das heißt der Bestimmung aller physikalischen Parameter diverser Himmelskörper“, erklärt der Astrophysiker Norbert Przybilla. Die Professur am Institut für Astro- und Teilchenphysik, die Przybilla seit 1. März 2013 inne hat, wurde von der Universität Innsbruck geschaffen, um die Möglichkeiten, die der Beitritt Österreichs zur Europäischen Südsternwarte (ESO) mit sich brachten, optimal zu nützen. „Die Großteleskope der ESO ermöglichen uns spektroskopische Beobachtungen leuchtkräftiger Sterne bis zu Entfernungen von 20 Millionen Lichtjahren – damit können wir eine Vielzahl von Galaxientypen im lokalen Universum untersuchen“, so Przybilla. „Doch auch wenn die technischen Möglichkeiten der Beobachtungen bereits sehr weit sind, sind noch längst nicht alle Vorgänge im Universum verstanden.“

Woraus besteht ein Stern?

Der derzeitige Fokus der Forschungsgruppe von Norbert Przybilla liegt bei der Untersuchungen von massereichen Sternen. „Diese Sterne sind circa 10 bis 20 mal so schwer wie unsere Sonne und über ihre Entstehung ist noch lange nicht alles bekannt. Durch unsere Beobachtungen und die physikalische Parameterbestimmung - insbesondere der Häufigkeiten der chemischen Elemente - liefern wir den Theoretikern präzise Daten. Diese stellen eine wichtige empirische Basis für den Vergleich mit Modellen zur Entwicklung von Sternen und Galaxien dar“, erklärt der Astrophysiker. Die von seiner Forschungsgruppe entwickelte Expertise in der Beschreibung der Wechselwirkung von Strahlung mit Materie lässt sich auch zur Untersuchung des interstellaren Mediums nutzen. Im Licht der untersuchten Sterne finden sich auch die spektroskopischen Fingerabdrücke des interstellaren Gases. „Das eröffnet interessante Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit den Innsbruckern Labor-Astrophysikern“, so Przybilla.

Pionierarbeit

Seine Entscheidung die Professur an der Universität Innsbruck anzunehmen, begründet der Deutsche mit der Möglichkeit, wissenschaftliches Neuland zu betreten: „Durch den Beitritt Österreichs zur ESO habe ich die Möglichkeit an der nächsten Generation der Großteleskope – speziell dem europäischen Extremly Large Telescope mit seinen 39 Metern Spiegeldurchmesser – mitzuarbeiten“, zeigt sich der Astrophysiker begeistert. „Die in die Entwicklung investierte Arbeit wird dann mit garantierter Zeit am Teleskop vergütet, das heißt, dass man einer der ersten sein wird, die am neuen Teleskop arbeiten dürfen – eine große Herausforderung, denn hier kann wirklich Pionierarbeit geleistet werden.“ Doch an Innsbruck begeistern den Wissenschaftler nicht nur die Möglichkeiten, die Österreichs ESO-Mitgliedschaft mit sich bringt: „So oft und gut, wie ich in meinem ersten Sommer hier in Innsbruck die Milchstraße aus meinem Garten beobachten konnte, habe ich sie mein gesamtes Leben lang noch nicht gesehen“. Der Grund dafür liegt in der geografischen Lage: Tirol gehört zu den dunkelsten Gebieten Europas, weil die Alpen Lichtglocken naher Großstädte sehr gut abschirmen. „Für uns Astrophysiker, aber auch für Hobbyastronomen perfekte Bedingungen“, so Przybilla. Seine Begeisterung für die Beobachtung möchte er auch seinen Studierenden mitgeben. „Die Arbeit in der modernen Astrophysik verlangt gute Kenntnisse über weite Bereiche der Physik – wenn man diese mit der beobachtenden Astronomie vereinen kann, eröffnen sich Möglichkeiten zur Spitze der modernen Forschung vorzustoßen.“

Zur Person

Norbert Przybilla studierte Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er 2002 im Fach Astrophysik promovierte. Nach einer 1 ½-jährigen Postdoc-Zeit an der University of Hawaii wechselte er an die Dr. Remeis-Sternwarte Bamberg der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo er sich 2009 habilitierte. Am 1. März 2013 trat Norbert Przybilla die Professur für Astrophysik an der Universität Innsbruck an.