Vorgestellt: Gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen

Menschen werden immer älter. Diese demografische Entwicklung stellt die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Beatrix Grubeck-Loebenstein, Leiterin des Forschungsinstituts für Biomedizinische Alternsforschung der Universität Innsbruck, versucht diesen zu begegnen, indem sie die Biologie des Alterns erforscht.
Univ.-Prof. Dr. Beatrix Grubeck-Loebenstein
Bild: Univ.-Prof. Dr. Beatrix Grubeck-Loebenstein

„Wir versuchen an unserem Institut nicht, das Leben zu verlängern, sondern die Qualität des Lebens im Alter zu erhöhen. Um mit den demografischen Herausforderungen der Zukunft umgehen zu können – vor allem was die Erhaltung des hohen Standards in der Pflege betrifft – wird es nötig sein, dass alte Menschen möglichst lange gesund bleiben und eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Beatrix Grubeck-Loebenstein das klare Ziel ihrer Forschungsarbeit. „Auch wenn wir uns hauptsächlich mit Grundlagenforschung beschäftigen, gelingt uns auch oft die Übersetzung unserer Erkenntnisse in die anwendungsorientierte Forschung.“ Insgesamt fünf Forschungsgruppen beschäftigen sich an dem von ihr geleiteten Forschungsinstitut, das 2012 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in die Universität Innsbruck eingegliedert wurde, mit biologischen Änderungsprozessen im Alter – der sogenannten Biogerontologie.

Ermüdende Zellen

In ihrer Forschungsgruppe beschäftigt sich die studierte Medizinerin Grubeck-Loebenstein mit dem alternden Immunsystem. Im Fokus stehen dabei besonders die T-Lymphozyten. Diese werden wie alle Blutzellen im Knochenmark gebildet, verlassen dieses aber als unreife Zellen und wandern in ihr Reifungsorgan – den Thymus. Dieses Organ des lymphatischen Systems, das bei Kindern noch sehr groß ist, entwickelt sich im Lauf des Lebens zurück, sodass es im Alter von 40 bis 50 Jahren nicht mehr möglich ist, neue T-Lymphozyten zu bilden. „Diese Tatsache hört sich schlimmer an, als sie ist, denn es sind ja genügend T-Zellen im Körper vorhanden“, beschreibt Grubeck-Loebenstein. „Das Problem ist eher, dass diese Zellen durch die ständige Wiederverwendung ermüden und Mediatoren produzieren, die Entzündungsprozesse stimulieren.“ Diese Entzündungen des Alters – auch ‚inflammaging’ genannt – verursachen keine Symptome, es wird aber vermutet, dass sie zum Fortschreiten altersassoziierter Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Arteriosklerose führen. „So konnte ich zeigen, dass Nervenzellen, die kein Alzheimer-Eiweiß enthalten, nach Zugabe einer entzündungsfördernden Substanz dieses toxische Stoffwechselprodukt produzieren“, erklärt Grubeck-Loebenstein. „Die Zugabe eines entzündungshemmenden Medikaments wie beispielsweise Ibuprofen konnte diesen Prozess wieder stoppen.“

Impfstoffentwicklung

Ein weiteres Forschungsgebiet von Beatrix Grubeck-Loebenstein ist das immunologische Gedächtnis. „Die Entwicklung eines immunologischen Gedächtnisses, das für die Wirksamkeit von Impfungen sehr wichtig ist, ist im Alter um ein vielfaches schwieriger als in der Jugend “, beschreibt die Medizinerin. Gerade im Bereich der Reiseimpfungen oder bei der Grippeimpfung, die vor allem alten Menschen empfohlen wird, stellt dies ein Problem dar. Im Rahmen eines großen EU-Projekts versucht Grubeck-Loebenstein nun, ihr Wissen um die biologischen Abläufe im Immunsystem bei der Entwicklung von Impfstoffen für alte Menschen einzubringen. „Wir arbeiten auch mit der Pharmaindustrie zusammen. Ich lege aber Wert darauf, dass die Auftragsforschung unsere Grundlagenforschung sinnvoll ergänzt.“

Bewusstseinsbildung

Für den Bereich der Lehre sieht Grubeck-Loebenstein noch einiges an Aufholbedarf. „Das Gebiet der Biogerontologie ist sehr jung und deshalb in den biologischen Curricula noch nicht vertreten. Die Biologie der Entwicklung stellt bis jetzt einen Schwerpunkt an der Universität Innsbruck dar, der durch zusätzliche Lehrveranstaltungen zum Thema „Biologie des Alterns“ sinnvoll und interessant ergänzt wird“, so Grubeck-Loebenstein, die sich für die Zukunft auch eigene Module zur Biologie des Alterns im Curriculum wünscht.

Zur Person

Beatrix Grubeck-Loebenstein studierte Medizin an der Universität Wien, wo sie sich 1984 im Fach Innere Medizin habilitierte. Von 1985 – 1988 war sie Erwin-Schrödinger-Stipendiatin am Charing Cross Sunley Research Centre in London. 1989 übernahm Beatrix Grubeck-Loebenstein die Leitung einer Forschergruppe am Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität Wien, bis sie 1992 Leiterin der Abteilung Immunologie am Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck wurde. 1994 habilitierte sie sich an der Universität Innsbruck im Fach Pathophysiologie und 2003 übernahm Beatrix Grubeck-Loebenstein als Direktorin die Leitung des Instituts für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das sie auch seit dessen Eingliederung in die Universität Innsbruck leitet. Seit 1. August ist Beatrix Grubeck-Loebenstein Universitätsprofessorin für Immungerontologie (§ 99) an der Universität Innsbruck.