Gegen die Werte und Normen der Gesellschaft

Mit der Einrichtung des Doktoratskollegs „Figuration ‚Gegenkultur’“ wird sowohl die Förderung des Nachwuchses, als auch die Verknüpfung von Lehre und Forschung garantiert. Im Rahmen einer Summer School werden die KollegiatInnen auf internationaler Ebene Figurationen mit gegenkulturellen Tendenzen von der Antike bis zur Gegenwart nachgehen.
Die „Do-it-yourself“-Bewegung in den 1970er Jahren ist eine gegenkulturelle Figuration, die im Rahmen der Summer School vorgestellt wird. (Fotohinweis: istockphoto.com)
Bild: Die „Do-it-yourself“-Bewegung in den 1970er Jahren ist eine gegenkulturelle Figuration, die im Rahmen der Summer School vorgestellt wird. (Fotohinweis: istockphoto.com)

Gegenkulturelle Figurationen und jugendliche Bewegungen tauchen im Laufe der Geschichte immer wieder auf. Diese reichen von der frühen Arbeiterbewegung, der jugendlichen Reformbewegung Wandervogel, der 68er-Bewegung bis hin zu Antirassismus und Antifa oder den heutigen Gender- und Queer-Bewegungen. „Gegenkulturen definieren sich über das Konfliktmoment, das heißt die gegenkulturellen Gruppierungen, denen wir uns widmen, müssen entweder explizit oder zumindest implizit mit den Werten und Normen der Gesellschaft nicht übereinstimmen. Das muss für eine Parallelkultur nicht gelten, sie muss keinen Anspruch haben, die Gesellschaft verändern zu wollen, da sie hermetisch selbst existieren kann“, erklärt Friederike Wolfrum, eine der beiden Universitätsassistentinnen des Doktoratskollegs. Das Hauptziel der Einrichtung des Kollegs ist die Konzentration auf den Nachwuchs. „Es geht zum einen darum, die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler zu fördern, zum anderen die Bereiche Lehre und Forschung zu verknüpfen“, weiß Eva-Maria Hochhauser, Koordinatorin der Forschungsplattform Cultural Encounters and Transfers (CEnT). Insgesamt beschäftigen sich fünf Personen, davon drei Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie zwei Universitätsassistentinnen, in unterschiedlichen fachlichen Feldern mit dem Phänomen Gegenkultur, das man als Motor gesellschaftlicher Veränderungen betrachten kann. „Über den Begriff der Gegenkultur soll ein Austausch zwischen den Dissertantinnen und Dissertanten stattfinden“, sagt Jennifer Hein, die zweite Universitätsassistentin des Kollegs und ergänzt, dass „der theoretische Rahmen als Gemeinsamkeit dient, der erörtert und ausdifferenziert werden soll.“ Das Anliegen des Kollegs ist vor allem auch die Auseinandersetzung mit der Schärfe des Begriffs und der Tatsache, dass die Grenzen des Begriffs nicht zu eng und auch nicht zu strikt gezogen werden. Dazu sind Forschungsarbeiten aus diversen Disziplinen erforderlich, die vom Altertum bis zur Gegenwart nach Spuren von gegenkulturellen Figurationen suchen, in der Welt der Sprache und der Literatur genauso wie in der Welt der Dinge und der Kunst.

Austausch auf internationaler Ebene

Bisher fand unter der Leitung der DozentInnen des Doktoratskollegs mit Unterstützung der Universitätsassistentinnen eine Lehrveranstaltung zur Methodenreflexion statt, in der es darum ging, eine Methodik bzw. einen theoretischen Ansatz aus der eigenen Fachdisziplin vorzustellen, der möglichst für die eigene Produktionsarbeit gestaltend ist. Ein weiteres Projekt des im Oktober letzten Jahres gegründeten Kollegs stellt die Summer School dar, die von 15. bis 19. Juli 2013 an der Universität Innsbruck stattfinden wird. Die Summer School „Counterculture and ,Counterconcept’“ soll den Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit bieten, ihre Dissertationsprojekte im internationalen Diskurs mit anderen NachwuchswissenschaftlerInnen aus Schweden, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland zu präsentieren und zu diskutieren. Dafür wurde das Thema des Kollegs für die Summer School um den Begriff der Gegenentwürfe erweitert. Die Inhalte der Vorträge erstrecken sich dabei von der "Do-it-yourself"-Bewegung in den 1970er Jahren als ein Gegenvorschlag zum herrschenden Konsumverhalten über Oligarchie im alten Athen als gegenkulturelle Bewegung bis hin zum Komischen und Burlesken als gegenkulturelle Technik. Die Summer School soll für alle Teilnehmenden eine Plattform darstellen, um in Erweiterung und Fortführung der von CEnT initiierten Diskussion um den Kulturbegriff einen Austausch anzukurbeln und somit auch eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Gegenkultur zu erarbeiten. „Mit der Summer School will man die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler vor Ort stärken und ihnen auch ein internationales Forum des Austausches geben“, so Hochhauser.

Einbindung in Forschungsschwerpunkt

Durch den Konfliktmoment stellt der Bereich der Gegenkultur einen Anknüpfungspunkt zur Plattform Politik Religion Kunst dar, die sich als Plattform für Konflikt- und Kommunikationsforschung in den Feldern Politik, Religion und Kunst mit starker historischer Schwerpunktsetzung versteht. Dadurch eröffnet sich ein erstes großes, gemeinsames Kooperationsfeld innerhalb des neuen Forschungsschwerpunktes „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“ der Uni Innsbruck. Seitens der Plattform Politik Religion Kunst wurde mit dem Doktoratskolleg „Arts and Politics“ im Herbst vergangenen Jahres ein weiteres Kolleg eingerichtet. „Beide Doktoratskollegs erhalten eine zentrale Position innerhalb des Forschungsschwerpunktes. Sie sind ein wichtiger Baustein der Kooperation, da die Vernetzung der Doktorandinnen und Doktoranden ein Hauptziel des Forschungsschwerpunktes sein wird“, erläutert Hochhauser. Der erste Schritt der Kooperation wird bereits in der Summer School forciert, da auch ein Vortragender des Doktoratskollegs „Arts and Politics“ anwesend sein und sein Projekt präsentieren wird.