Vorgestellt: Baustelle Mathematik

Die tschechische Mathematikerin Eva Kopecka ist seit kurzem Professorin an der Universität Innsbruck. Der akademische Austausch ist für sie wichtiger Bestandteil der Forschung.
kopeca_eva.jpg
Bild: Mathematikerin Eva Kopecka

Was Eva Kopecká besonders an der Mathematik fasziniert, ist das Nichtvorhersehbare. Dadurch ist auch viel Flexibilität gefordert. „Ein gutes Problem erkennt man daran, dass sich daraus interessante neue Probleme ergeben. Das kann auch dazu führen, dass man andere, neue Gebiete tangiert“, erklärt die neuberufene Professorin am Institut für Mathematik der Universität Innsbruck. Eva Kopeckás Interessenschwerpunkt
liegt im Bereich der mathematischen Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Funktionalanalysis. Hierbei beschäftigt sie sich vor allem mit der Geometrie von Banach- und Hilberträumen. In späteren Phasen werden Erkenntnisse aus diesen Forschungsbereichen als Grundlage für Entwicklungen zum Beispiel in der Medizintechnik bei der Herstellung von Computertomographen genutzt.

Erfolg durch Kooperation

Im Jahr 2011 forschte die Professorin am Mathematical Sciences Research Institute in Berkley in den USA, einem der renommiertesten Stützpunkte für mathematische Grundlagenforschung in der Welt. Ein Anliegen ist der Mathematikerin die Durchführung von Forschungsseminaren, wo Masterstudierende, Doktoranden und Lehrende gemeinsam an Problemstellungen arbeiten. Der direkte Bezug zu und der Austausch zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist dabei der zentrale Erfolgsfaktor. „Das Forschungsseminar ist eine gute Sache für alle Teilnehmer. Man lernt sich kennen, lernt Vorträge zu halten und interagiert miteinander. Zudem ziehen alle an einem Strang, und Hierarchien spielen dabei keine Rolle“, sagt Eva Kopecká.

Wie auf der Baustelle

Überhaupt ist es der Mathematikerin wichtig, sich mit anderen über die laufende Forschung auszutauschen. Das erweitert nicht nur das Wissen sondern erhöht auch die Motivation. „Mathematik ist nicht experimentell im Sinne von ,Ich gehe ins Labor, messe und am Ende des Tages sehe ich mein Ergebnis.‘ Unter Umständen vergehen Monate, in denen man viel nachdenkt und mit Kollegen diskutiert, bis man greifbare Resultate erhält. Das kann manchmal frustrierend sein. Aber umso größer ist die Freude, wenn etwas schlussendlich gelingt“, erzählt Kopecká. „Darum kann man die Mathematik wohl ein wenig mit einer Baustelle vergleichen, auf der man den Fortschritt erst deutlich vor Augen geführt bekommt, wenn die Wände hochgezogen werden.“

Zur Person

Eva Kopecká, geboren 1967 in Bratislava, studierte Mathematik an der Karls-Universität Prag. Sie habilitierte sich 2000 an der Johannes-Kepler-Universität Linz und leitete dort drei FWF-Projekte. Die Mathematikerin war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und wurde 2003
mit dem Otto-Wichterle-Preis ausgezeichnet. 2011 wurde sie Professorin am Mathematical Sciences Research
Institute in Berkley, Kalifornien. Seit 1. Oktober 2012 ist Kopecká Professorin für Mathematik an der Universität
Innsbruck.

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins "zukunft forschung" erschienen.