Barrieren im Hochschulbereich weiter abbauen

Menschen mit Behinderungen stehen während ihres Studiums vor vielfältigen Herausforderungen, denen sich eine internationale Konferenz zum Themenbereich „Hochschulbildung und Behinderung“ an der Universität Innsbruck widmet. Organisiert wird sie gemeinsam mit der University of New Orleans und findet von 22. bis 25. Juli 2013 in den Räumlichkeiten der Theologischen Fakultät statt.
Studieren mit Behinderung
Bild: Der Themenbereich "Hochschulbildung und Behinderung" steht im Mittelpunkt einer Tagung an der Universität Innsbruck. (Foto: istockphoto.com)

Im Studienjahr 2010/11 nahmen laut EU-Kommission europaweit nur 255 Studierende mit Behinderung – 0,11 Prozent aller ERASMUS-Studierenden – die Gelegenheit wahr, mittels Förderung am wohl bekanntesten europäischen Mobilitätsprogramm ERASMUS teilzunehmen. Die Gründe, warum Studierende mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen insgesamt kaum an Austauschprogrammen teilnehmen, sind vielfältig. Sie reichen von mangelnder Information über Barrierefreiheit bis hin zu unterschiedlichen Umsetzungssituationen völkerrechtlicher Verträge in den jeweiligen Nationalstaaten. Diese Themen stehen unter anderem im Mittelpunkt der bereits 8. Konferenz zu Hochschulbildung und Behinderung (8th Conference on Higher Education and Disability), die von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle eröffnet wurde. Die Mobilität ist aber nur eine von vielen Herausforderungen für Studierende mit Behinderungen. „Nach wie vor sind die Lebens- und Studienbedingungen verbesserungswürdig“, sagt Elisabeth Rieder, Leiterin des Büros der Behindertenbeauftragten der Universität Innsbruck beim Pressegespräch zur Tagung.
Bestätigt wird dies auch vom Behindertenanwalt des Bundes, Erwin Buchinger, der selbst als Keynote-Referent einen zentralen Beitrag zur Tagung liefert. „In den letzten Jahren gab es einige durchaus bemerkenswerte Initiativen der Universitäten zur verbesserten Betreuung von Studierenden mit Behinderungen. Dennoch sind die empirischen Daten zur Einbeziehung behinderter Menschen in die tertiäre Bildung nicht ermutigend. Hier sind weitere Anstrengungen erforderlich, auch in maturaführenden Schulen und im zweiten Bildungsweg, z.B. bei Studienberechtigungslehrgängen“, so Buchinger.
Ein großes Anliegen sind bestmögliche Studienbedingungen für Studierende mit Behinderung auch dem Wissenschafts- und Forschungsministerium: „Das BMWF setzt gezielte Maßnahmen, um die  Rahmenbedingungen für Studierende mit Behinderung zu verbessern“, so Bundesminister Karlheinz Töchterle anlässlich der Eröffnung der Konferenz, bei der auch Aspekte wie die barrierefreie Verwendung neuer Online-Medien sowie der Ausbau und die Weiterentwicklung von universitären Behindertenberatungs- und -servicestellen auf dem Programm stehen. Aktuell sind an 17 Universitäten und an vier Fachhochschulen Behindertenbeauftragte eingesetzt. Ziel ist es, in den kommenden Jahren eine möglichst flächendeckende Unterstützung durch Behindertenbeauftragte zu schaffen, um Studierende mit Behinderung umfassend zu beraten und in ihrem Studienalltag zu unterstützen.

Sicht eines Betroffenen

Eine besondere Innovation erfährt die bereits 8. Konferenz zur Hochschulbildung und Behinderung heuer durch den Beitrag des Physik-Studenten Thomas Gärtner, der die Situation erstmals aus dem Blickwinkel eines betroffenen Studenten in jeder Hinsicht kritisch darstellt. In seinen Augen ist es für Universitäten wichtig, eine Balance zwischen Unterstützung und Erhaltung universitärer Qualitätsstandards zu etablieren. „Betroffene Studierende sollen sich darüber im Klaren sein, dass es Bereiche im Leben gibt, bei denen man beeinträchtigt und zwangsläufig auf Hilfe angewiesen ist. Sie sollten die Hilfe nutzen, die ihnen – im Rahmen des sozial Verträglichen – angeboten wird, keinesfalls aber die Einstellung an den Tag legen, die Behinderung alleine würde einen schon dazu legitimieren, jede Hilfe bis ins Letzte ausnutzen zu können“, meint Gärtner beim Pressegespräch zur Konferenz.

Partnerschaftliche Konferenzorganisation

Die Universität Innsbruck richtet die 8. Konferenz zur Hochschulbildung und Behinderung alle drei Jahre gemeinsam mit der University of New Orleans aus. Letztere hat bereits 1986 mit dem Training, Resource and Assistive-technology Center (UNO TRAC) eine Institution eingerichtet, die sich der Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen im akademischen Umfeld widmet. Der Direktor des UNO TRAC, Ken Zangla, und  der Vizerektor der Universität Innsbruck, Roland Psenner, begrüßten die Tagungsgäste aus der ganzen Welt. „An den Universitäten wurden die vielfältigen Herausforderungen eines Studium oder einer wissenschaftlichen Karriere für Menschen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen lange Zeit übersehen. Umso erfreulicher ist es, dass heuer in Innsbruck bereits die 8. Konferenz zur Hochschulbildung und Behinderung stattfindet. Sie ist Ergebnis einer langjährigen, engen Zusammenarbeit zwischen der Universität Innsbruck und der University of New Orleans“, freut sich Psenner.

(ef)