Vorgestellt: Über Märkte und Literatur

Thomas Wegmann ist seit Herbst 2011 Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik. Seine Forschung umfasst Bereiche wie das Verhältnis von Literatur und Ökonomie, die Inszenierung von Autorschaft und – aktuell – die Literaturgeschichte des Hauses und des Wohnens.
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Bild: Thomas Wegmann ist seit Oktober 2011 Professor am Institut für Germanistik.

Für Thomas Wegmann stand die Richtung, die er später beruflich einschlagen würde, schon in der Schule fest: „Ich wollte immer schon professionell mit Lesen und Schreiben zu tun haben.“ Er ist seit Oktober 2011 Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik. Den Grundstein für diese Karriere hat der gebürtige Bochumer mit dem Studium von Germanistik, Anglistik und Philosophie in Essen, Dublin und Berlin gelegt. „Bei der Auswahl meiner Fächer war mir durchaus bewusst, dass das nicht zwingend zu einer Anstellung führt“, sagt er heute augenzwinkernd. „Ich bin aber der Meinung, jeder sollte das machen, was er oder sie gut kann und seinen oder ihren Interessen entspricht, und das habe ich getan.“

Forschung zu Autorschaft

Nach dem Magister Artium 1992 arbeitete Thomas Wegmann einige Jahre bei einem Verlag, ehe er in die Wissenschaft zurückkehrte: Es folgten Promotion an der FU Berlin 2000 und Habilitation an der Berliner Humboldt-Universität 2007. Danach hatte er Gast- und Vertretungsprofessuren an der University of Virginia und den Universitäten Greifswald und Kiel inne, ehe er dem Ruf nach Innsbruck folgte. „Mir gefällt die Vielfalt, die ein wissenschaftlicher Beruf an einer Universität bietet: Die Möglichkeit, eigenständig zu forschen, dazu der Austausch mit Studierenden einerseits und Fachkolleginnen und -kollegen andererseits ist äußerst spannend.“ Ein Forschungsinteresse Thomas Wegmanns gilt Autorinnen und Autoren: „Ich arbeite schon länger über Autorschaft – warum interessieren wir uns so sehr dafür, wer Literatur verfasst? Wie inszenieren sich Autoren und mit welcher Absicht?“

Damit konzentriert sich Thomas Wegmann nicht nur auf das literarische Werk eines Autors oder einer Autorin, sondern auch auf das Beiwerk, den Paratext: Wie äußern sich Autoren etwa in Interviews zu ihrem Werk, und welches Bild versuchen sie, von sich selbst und ihrem Werk zu vermitteln? „Im Moment arbeite ich besonders zu Paratexten in Literaturzeitschriften des 18. Jahrhunderts. Damals gab es einen enormen Anstieg an literarischen Zeitschriften – überspitzt gesagt: Wer etwas auf sich hielt, war Herausgeber von einer literarischen Zeitschrift“, erklärt Thomas Wegmann. In diesen Zeitschriften rezensierten beispielsweise Autoren ihr eigenes Werk und reagierten wiederum auf Rezensionen in anderen Zeitschriften: „Da kam es teils zu heftigen wechselseitigen Polemiken zwischen einzelnen Autoren.“ Fest steht: Schon damals war schwer zwischen werblichen und nicht-werblichen Texten zu unterscheiden. Das Forschungsfeld ist jedenfalls breit und lohnend: „Diese Paratexte wurden in ihrer Funktion für Werk und Autorschaft bisher kaum in den Blick genommen.“

Literatur und Ökonomie

Mit diesem Forschungsthema hängt auch ein weiteres Interesse von Thomas Wegmann eng zusammen: Das Verhältnis von Literatur und Ökonomie, von Kunst und Reklame, zugleich Hauptthema seiner Habilitation. „Gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird Aufmerksamkeit immer stärker zum Rohstoff, der gehandelt wird. Literatur muss auch hier mitspielen, um gelesen zu werden“, sagt er. Aktuell beschäftigt sich der Germanist mit der Literaturgeschichte des Hauses und Wohnens und mit juristischen Fallgeschichten und Kriminalerzählungen des 18. Jahrhunderts. An Innsbruck gefällt Thomas Wegmann besonders die wichtige Stellung, die die Universität als Impulsgeberin im öffentlichen Leben spielt, und – „natürlich“, wie er sagt – die landschaftliche Umgebung.