Vorgestellt: Schnittstelle Unternehmensrecht

Alexander Schopper ist seit September 2011 Professor für Unternehmensrecht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Er forscht derzeit insbesondere in den Bereichen Kapitalmarkt- und Aktienrecht, außerdem beschäftigt er sich mit Leasingrecht und Werkvertragsrecht im Bauwesen. Alexander Schopper ist Sprecher des neuen DoktorandInnen-Kollegs zu Sport und Recht.
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Bild: Alexander Schopper ist seit September 2011 Professor an der Universität Innsbruck.

„Auslegungsfragen und Diskussionen über Texte haben mich schon in der Schulzeit fasziniert, besonders im Deutschunterricht“, erzählt Alexander Schopper. Diese Lust am Definieren und Interpretieren hat ihn letztlich dazu gebracht, Rechtswissenschaften zu studieren – heute ist der gebürtige Wiener Professor für Unternehmens- und Steuerrecht an der Uni Innsbruck. Nach dem Studium an Universitäten in Wien, Brüssel und London war er zunächst ab 1999 Assistent an der Universität Wien, die Promotion folgte nach einem Forschungsaufenthalt in China 2001, die Habilitation für die Fächer Bürgerliches Recht, Unternehmens- und Gesellschaftsrecht und Wirtschaftsrecht 2008. Vor seiner Berufung an die Universität Innsbruck im September 2011 war er als Of Counsel bei einer renommierten Wirtschaftskanzlei in Wien tätig. In Innsbruck fühlt der gebürtige Wiener sich sichtlich wohl: „Mein Vater hat hier Medizin studiert und immer in höchsten Tönen von der Stadt und der Universität gesprochen. Ich bin also gewissermaßen väterlichen Wurzeln gefolgt und habe es nicht bereut.“

Banken und Kapitalmarkt

Ein Forschungsschwerpunkt von Alexander Schopper sind die praktischen Aspekte im Bank- und Kapitalmarktrecht. „Ich bin auch immer wieder als Experte in Haftungsprozesse involviert, etwa Prozesse gegen Anlageberater und Banken oder gegen Aktiengesellschaften, die beschuldigt werden, Anleger falsch beraten oder gar getäuscht zu haben“, sagt er. Hier gilt es, Fragen nach der Haftung von Anlageberatern und Aktiengesellschaften bei möglichen Fehlinformationen ihrer Anleger und mögliche Schadenersatzansprüche dieser Anleger zu klären. „Gerade in diesem Bereich ist die Verzahnung des Unternehmensrechts mit dem Zivilrecht und dem Europarecht sehr spannend“, erklärt Schopper. „EU-Recht regelt sehr genau, wann Aktiengesellschaften Geld an ihre Aktionäre auszahlen dürfen – etwa in Form einer Dividende“, sagt er. Diese sehr strengen Bestimmungen stehen möglicherweise in Widerspruch zu zivilrechtlichen Schadensersatz-Forderungen einzelner Aktionäre, wenn diese sich von der AG getäuscht fühlen. „Klarheit wird hier erst eine Vorabentscheidung des EuGH bringen, über die derzeit beraten wird.“

Leasing

Außerdem beschäftigt sich der Jurist mit Leasinggeschäften als Finanzierungsgeschäfte von Banken. „Dazu gibt es sehr wenig aktuelle und übergreifende Literatur, und gerade der Leasingbereich steckt voller Detailprobleme – das drückt sich unter anderem darin aus, dass der OGH vor kurzem eine ganze Reihe von Bestimmungen in gängigen Leasing-AGB unterschiedlicher Anbieter als rechtswidrig aufgehoben hat“, erläutert Alexander Schopper. Außerdem befasst sich Schopper mit Baurecht und Werkvertragsrecht im ABGB, ein Forschungsinteresse, das sich auch in seiner Ko-Herausgeberschaft und Mitgliedschaft in der Schriftleitung der „Zeitschrift für Recht des Bauwesens“ ausdrückt. Im Rahmen eines ab Sommer 2012 für zwei Jahre von der Österreichischen Nationalbank geförderten Projekts arbeitet Schopper an der Frage, ob das Gesellschaftsrecht angesichts neuer Herausforderungen für freie Berufe – insbesondere den Anwaltsberuf – novelliert werden sollte.

Sportrechts-Kolleg

Alexander Schopper ist außerdem Sprecher eines neuen DoktorandInnenkollegs der Universität Innsbruck, das sich mit Sportrecht im Allgemeinen und Bergsportrecht im Besonderen beschäftigt. Erstmals in Österreich wird im Rahmen eines von der Universität finanzierten DoktorandInnenkollegs (sechs Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler haben vor kurzem ihre Arbeit aufgenommen) das – bislang selten untersuchte – Themenfeld Sport und Recht aus dem Blickwinkel rechtswissenschaftlicher Disziplinen beleuchtet. „Durch die Bündelung der Forschungsfragen und Erkenntnisse wird das Thema in Innsbruck nun ganzheitlich behandelt, wodurch der Wert der Forschungsergebnisse nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Praxis besonders hoch einzuschätzen ist“, sagt Schopper. Langfristig soll sich dieser neue Schwerpunkt als eines der weltweit führenden Zentren für sportrechtliche Fragen etablieren.