Vorgestellt: Neue Ansätze im Fremdsprachenunterricht

Den Bedarf für eine gemeinsame Ausrichtung der Fremdsprachendidaktik in den Lehramtsstudien erkannte Barbara Hinger bereits vor rund 12 Jahren. Deshalb initiierte sie an der Uni Innsbruck das Innsbrucker Modell der Fremdsprachendidaktik, das sie seit rund 10 Jahren koordiniert und leitet. Im Juni 2012 trat sie die dort eingerichtete Professur für Fremdsprachendidaktik an.
Barbara Hinger
Bild: Barbara Hinger

Die Spracherwerbsforschung beschäftigt Barbara Hinger bereits seit ihrer Dissertation, in der sie die Unterschiede zwischen Intensivsprachkursen und dem Regelunterricht untersuchte. Auch ihre Habilitation widmete die gebürtige Steirerin der Spracherwerbsforschung unter besonderer Berücksichtigung des schulischen Fremdsprachenunterrichts im Spanischen. In ihrer Forschungsarbeit konzentriert sich Hinger auf die morphosyntaktischen Entwicklungsstufen, die Schülerinnen und Schüler beim Erlernen von Fremdsprachen durchlaufen und stellt diese im Unterricht vermittelten und überprüften Strukturen gegenüber. „Leider geht man im Unterricht derzeit gar nicht oder zu wenig auf Erwerbsprozesse ein – u.a. auch weil die mentalen Prozesse, die beim Spracherwerb ablaufen, noch zu wenig erforscht sind“, erklärt Barbara Hinger.
„Forschungen zum Spracherwerb haben gezeigt, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen rezeptiven und produktiven Sprachkenntnissen gibt. Grammatikstrukturen werden von den Schülerinnen und Schülern zwar explizit sehr schnell verstanden und etwa für die rezeptive Fertigkeit Lesen rasch genutzt. Bis diese Kenntnisse aber implizit beim Sprechen und Schreiben angewendet werden können, ist ein viel längerer Lernprozess nötig“, erklärt sie. Als konkrete Handlungsanweisungen für den Unterricht ergibt sich daraus die Forderung nach Entschleunigung: „Es geht dabei auch um eine Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler für unterschiedliche Entwicklungszeiten der verschiedenen sprachlichen Fertigkeiten“, beschreibt Hinger, die in der universitären Lehre den zukünftigen FremdsprachenlehrerInnen adäquates Handwerkszeug dazu mitgeben will.

Brücken schlagen

Ein weiterer zentraler Bereich für den Fremdsprachenunterricht, den man am Innsbrucker Modell der Fremdsprachendidaktik (IMOF) forcieren möchte, ist die Mehrsprachigkeit. „Wir integrieren die Prinzipien und Theorien des Lehrens, Lernens und Bewertens, die dem Unterricht aller Fremdsprachen zugrunde liegen, in gemeinsame Ausbildungsmodule. Damit möchten wir auch schon hier an der Universität eine Basis schaffen, die den künftigen Lehrpersonen einen fächerübergreifenden und multilingual ausgerichteten Sprachunterricht erleichtert“, so Barbara Hinger. Das Konzept mehrsprachigen Unterrichts und insbesondere dessen Umsetzung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, hat der Romanistin zufolge aber erfolgreiche Zukunftsaussichten. „Besonders im rezeptiven Spracherwerb liegen große Vorteile im mehrsprachigen Unterricht. Wörter müssen zum Beispiel nicht völlig neu gelernt werden sondern können einfach vom selben Basiswortstamm abgeleitet werden“, erklärt Hinger. „Wenn diese Brücken bereits im Unterricht geschlagen werden, kann das für die Schülerinnen und Schüler sehr hilfreich sein.“. Die Mehrsprachigkeit hat aber nicht nur Vorteile: „Beim Sprechen und Schreiben kann es bei nahe verwandten Sprachen auch zu Schwierigkeiten kommen. Auch hier gilt es im Unterricht darauf hinzuweisen und die Lernenden dafür zu sensibilisieren. Wenn man ein gewisses Sprachniveau erreicht hat, profitiert man jedoch auch in diesem Bereich von der Mehrsprachigkeit“, ist Hinger überzeugt.

Zur Person

Barbara Hinger studierte Lehramt Spanisch und Geschichte an der Universität Graz. Sie war als Lektorin für Deutsch und Österreichische Geschichte an der Universität Sevilla tätig und unterrichtete fünf Jahre als Lehrerin an einer AHS in der Steiermark. Bereits während dieser Zeit lehrte Hinger als externe Lektorin an der Universität Graz im Bereich der Fremdsprachendidaktik. 1997 begann sie als Universitätsassistentin am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck, wo sie den Bereich spanische Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik abdeckte. 2012 habilitierte sich Barbara Hinger mit einer Arbeit zum schulischen Fremdsprachenunterricht.
Seit 2002 leitet und koordinierte sie zudem das Innsbrucker Modell der Fremdsprachendidaktik, das 2009 als eigene Organisationseinheit an der Universität Innsbruck etabliert wurde. Im Juni 2012 übernahm Barbara Hinger die dort eingerichtete Professur für Fremdsprachendidaktik.