Vorgestellt: Nah an der Praxis

Die sozialen Fragen der Rechtswissenschaft sind die Themen, die Prof. Gert-Peter Reissner in Forschung und Lehre an der Universität Innsbruck abdeckt. Der gebürtige Steirer, der mit 1. Februar an den Lehrstuhl für Arbeits- und Sozialrecht berufen wurde, ist auch in das DoktorandInnenkolleg Sport und Recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät eingebunden.
Univ.-Prof. Dr. Gert-Peter Reissner
Bild: Univ.-Prof. Dr. Gert-Peter Reissner

Prof. Gert-Peter Reissner ist in seinem Fach ein ausgewiesener Experte: Der von ihm gemeinsam mit dem Hofrat des OGH, Dr. Matthias Neumayr, herausgegebene Zeller Kommentar zum Arbeitsrecht, der 2011 bereits in einer zweiten, aktualisierten Ausgabe erschienen ist, hat sich zum führenden Nachschlagewerk in der österreichischen Arbeitsrechtspraxis entwickelt. „Das österreichische Arbeitsrecht ist historisch gewachsen und deshalb sehr zersplittert; einen Kommentar, der einen großen Kernbereich des Arbeitsrechts umfasst, hat es bis dato nicht gegeben“, erklärt Prof. Gert-Peter Reissner. Ziel der Herausgeber war es auch, durch ein übersichtliches Nachschlagewerk eine gewisse Rechtseinheit zu schaffen.

Eine weitere sehr erfolgreiche Publikation des Juristen richtet sich an die Studierenden: Sein Lern- und Übungsbuch zum Arbeitsrecht soll den Studierenden das Fach mithilfe von Praxisbeispielen näherbringen. In Innsbruck soll nun ein Studienbuch zum Sozialrecht folgen. „Sozialrecht ist nicht das beliebteste Fach bei den Studierenden. Das liegt vor allem daran, dass Krankheit oder Pension für junge Menschen nicht oder nur schwer greifbar sind“, so Reissner, der in seinem Unterricht großen Wert auf den Praxisbezug legt. „Die Studierenden müssen natürlich die Normen lernen und die Dogmatik verstehen. Sie sollen aber auch bereits im Studium ausreichend Bezug zur Praxis erhalten.“ Sein didaktischer Anspruch und das Ziel seiner Lehrveranstaltungen ist es, den Studierenden mehr mitzugeben als theoretisches Wissen.

Europäische Aspekte

In seiner wissenschaftlichen Arbeit will sich Gert-Peter Reissner in Zukunft näher mit dem europäischen Arbeitsrecht auseinandersetzen. Das Arbeits- und Sozialrecht ist eine nationale Angelegenheit, einige Themen wie die Freizügigkeit der ArbeitnehmerInnen oder die diskriminierungsfreie Arbeitswelt sind aber internationalisiert und werden in allen Mitgliedstaaten interpretiert und bearbeitet. „Hier ist es besonders interessant zu beobachten, wie Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes auch die nationale Rechtsprechung beeinflussen“, beschreibt Reissner.

Diese Forschungsarbeit fließt auch in das neu gegründete DoktorandInnenkolleg Sport und Recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät ein. Gert-Peter Reissner deckt dort als einer der sechs zugeordneten Habilitierten hauptsächlich die Bereiche ab, die Sportler als ArbeitnehmerInnen betreffen. „Wenn zum Beispiel ein Sportler den Verein wechseln will, spielt das europäische Arbeitsrecht eine wesentliche Rolle“, erklärt der Jurist und verweist auf eine im Clubsport wegweisende Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes: Dieser stufte im berühmten „Bosman“-Fall grenzüberschreitende Ablösesummen bei abgelaufenen Verträgen als rechtswidrig ein, da sie die Freizügigkeit behindern. „Auch wenn derartige Ablösesummen bis dahin bereits auch von einigen nationalen Gerichten als rechtswidrig bezeichnet wurden, sind diese erst seit der „Bosman“-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes Geschichte.“

Zur Person

Gert-Peter Reissner studierte Rechtswissenschaften an der Universität Graz, wo er 1992 sein Doktoratsstudium beendete. Anschließend war er am Grazer Institut für Arbeits- und Sozialrecht erst als Vertragsassistent und dann als Universitätsassistent tätig. Nach einem Forschungsaufenthalt als Humboldt-Stipendiat an der Universität Trier habilitierte sich Gert-Peter Reissner 2001 mit einer Arbeit zu den arbeitsrechtlichen Auswirkungen des Betriebsübergangs. Im Februar 2012 wurde er an die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Innsbruck berufen.