Vorgestellt: Konjunkturen auf der Spur

Seit Februar 2012 ist Johann Scharler als Professor für Wirtschaftstheorie mit dem Schwerpunkt Empirische Makroökonomik an der Uni Innsbruck tätig. Er untersucht unter anderem die Frage, warum die Entwicklung von Volkswirtschaften starken Konjunkturzyklen unterworfen ist und unternimmt auch Vorstöße in ein neues Forschungsfeld: die experimentelle Makroökonomik.
scharler_johann.jpg
Bild: Neuer Professor für Wirtschaftstheorie: Johann Scharler

Der Ökonom Johann Scharler interessiert sich für die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge. „Wir blicken nicht auf einzelne Akteure, sondern untersuchen die gesamte ökonomische Entwicklungen eines Landes“, erklärt Scharler. Ganz grundlegend geht es dabei um die Frage, wie sich der Wohlstand eines Landes im Laufe der Zeit entwickelt. „Wir untersuchen zum Beispiel, warum manche Länder reich werden und andere arm bleiben“, erläutert der Volkswirt. „Wir wissen auch, dass solche Entwicklungen nicht geradlinig verlaufen und fragen uns, warum Konjunkturzyklen entstehen, wie wir sie charakterisieren können und welche Folgen sie haben.“ Dabei suchen die Makroökonomen auch nach Möglichkeiten, negative Konsequenzen solcher Konjunkturschwankungen abzufedern.
In der aktuellen Krise ist oft der Vorwurf zu hören, die modernen ökonomischen Theorien würden wenig zur Erklärung der gegenwärtigen Entwicklungen beitragen. Dem widerspricht Johann Scharler vehement: „Ich weiß gar nicht, woher dieser Vorwurf kommt. Er ist jedenfalls falsch. Wir können mit unseren Ansätzen die aktuellen Entwicklungen gut beschreiben.“ Damit kommt die Wissenschaft allerdings auch an ihre Grenze, treffsichere Aussagen über zukünftige Entwicklungen lassen sich nur sehr schwer daraus ableiten. „Unsere Aufgabe ist es, Zusammenhänge zu verstehen. Das können wir auch bis zu einem gewissen Grad. Das heißt aber nicht, dass wir auch gute Prognosen für die Zukunft ableiten können.“ Seiner Meinung nach werden Zukunftsprognosen deshalb generell überbewertet.

Experimentelle Forschung

Einen ganz neuen Forschungszweig erschließt Johann Scharler gemeinsam mit seinen Kollegen mit der experimentellen Makroökonomik. „Hier an der Fakultät finde ich ideale Voraussetzung für diese Forschung“, sagt Prof. Scharler. „Innsbruck ist ein Mekka der experimentellen Ökonomik und verfügt über eine hervorragende Infrastruktur für solche Forschungsansätze.“ So führt Scharler im Labor zum Beispiel gerade ein Experiment durch, in dem Freiwillige auf einem fiktiven Markt ein bestimmtes Gut handeln. „Wir analysieren dabei, welchen Unterschied es macht, ob ein Preis fix vorgegeben wird oder sich der Preis nach Angebot und Nachfrage richtet.“ Damit soll eine volkswirtschaftliche Standardtheorie überprüft werden, wonach starre Preise zu starken wirtschaftlichen Schwankungen führen.
In der Lehre vermittelt Johann Scharler den Studierenden in diesem Semester Grundlagen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Außerdem engagiert er sich im PhD-Programm, das die Fakultät vor einigen Jahren gemeinsam mit der Universität Linz gegründet hat. Mit diesem Angebot wird die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden an das internationale Niveau angepasst.

Auf Umwegen nach Innsbruck

Johann Scharler stammt aus Mittersill in Salzburg und hat in Wien Volkswirtschaftslehre studiert. Nach dem Doktoratsstudium im kanadischen Vancouver kehrte er nach Wien zurück und arbeitete hier mehrere Jahre in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Oesterreichischen Nationalbank. 2007 wurde er Assistent an der Universität Linz, wo er bis zu seiner Berufung an die Universität Innsbruck tätig war. Eine Gastprofessor führte ihn in dieser Zeit auch an die Universität Zürich. Seit Februar 2012 ist Johann Scharler Professor für Wirtschaftstheorie mit dem Schwerpunkt Empirische Makroökonomik an der Universität Innsbruck.