Ungeduldige Raucher

Ungeduldige Jugendliche geben eher Geld für Zigaretten und Alkohol aus als geduldige Jugendliche: Was bei Erwachsenen schon längere Zeit als erwiesen gilt, haben Innsbrucker Ökonomen nun auch für Jugendliche nachgewiesen. Ihre Erkenntnisse werden im Lauf des Jahres im Fachjournal „American Economic Review“ publiziert.
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Bild: Ungeduldige Jugendliche fangen eher zu rauchen an als geduldige, zeigen Innsbrucker Forscher. (Bild: flickr.com/Kari Söderholm)

Je ungeduldiger, desto eher neigen Menschen dazu, zu rauchen oder zu trinken: Dieser Zusammenhang ist für Erwachsene schon seit längerem nachgewiesen. „Wir zeigen nun erstmals, dass dieser Konnex auch schon bei Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren nachweisbar ist“, sagt Prof. Matthias Sutter, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft. Mit Experimenten sind Ökonomen schon seit mehreren Jahren dem Verhalten von Menschen, insbesondere deren Umgang mit Geld, auf der Spur – eine der Stärken der Innsbrucker Volkswirtschaft. Matthias Sutter und Daniela Rützler haben in einer Studie nun erstmals das Verhalten von Jugendlichen und Kindern erhoben: „Wir wussten bisher sehr wenig darüber, ob sich das ökonomische Verhalten, das Erwachsene an den Tag legen, bereits in der Jugend entwickelt – und wenn, in welchem Alter diese Entwicklung stattfindet“, erklärt Matthias Sutter die Motivation für seine Forschung.

Geduld und Risiko

Um Geduld zu messen, wenden die Wissenschaftler ein Forschungsdesign an, wie es auch bei Erwachsenen zum Einsatz kommt: Jugendliche müssen sich zwischen einem Geldbetrag, den sie sofort bekommen, und einem etwas höheren Geldbetrag in der Zukunft entscheiden. „Stark vereinfacht: Ein Jugendlicher, der bereit ist, drei Wochen für zwölf Euro zu warten anstatt zehn Euro sofort zu nehmen, wird als geduldiger eingestuft als ein Jugendlicher, der die zehn Euro sofort will“, erklärt Matthias Sutter. Das Experiment wurde insgesamt mit unterschiedlichen Geldbeträgen und Zeitspannen durchgeführt, über 600 Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren aus Innsbrucker und Schwazer Gymnasien nahmen daran teil. Neben der Geduld erhoben die Wissenschaftler in einem zweiten Experiment auch die Risikobereitschaft der Jugendlichen, außerdem mittels Fragebogen deren Bereitschaft, für unterschiedliche Dinge Geld auszugeben – dabei wurde auch nach der Bereitschaft gefragt, Geld für Alkohol und Zigaretten auszugeben. Daneben verfügten die Forscherinnen und Forscher über Daten zum Body Mass Index (BMI) der einzelnen Jugendlichen und über deren Betragensnoten in der Schule – natürlich jeweils anonymisiert.

„Wir konnten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Risikobereitschaft oder BMI und dem Kaufverhalten feststellen – allerdings gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Geduld und dem Kaufverhalten, insbesondere der Bereitschaft, Geld für Alkohol und Zigaretten auszugeben“, hält Prof. Sutter fest. Einen weiteren Zusammenhang konnten die Forscherinnen und Forscher zwischen der Betragensnote in der Schule und der Geduld feststellen: Je ungeduldiger, desto schlechter diese Note. In einer Folgestudie haben die Wissenschaftler um Matthias Sutter ihre Ergebnisse nochmals verifiziert: Die ursprünglichen Befragungen fanden Ende 2007 und Anfang 2008 statt; 2011, drei Jahre später, wurden die Jugendlichen erneut befragt. „In dieser Folgerunde konnten wir sehen, dass von den als ungeduldig eingestuften Jugendlichen in der Zwischenzeit signifikant mehr begonnen haben zu rauchen als von den geduldigeren“, erklärt der Ökonom.

Folgerungen

Der nächste Schritt für die Forscherinnen und Forscher ist der Dialog mit Pädagoginnen und Pädagogen, um den Gründen für diesen Zusammenhang auf die Spur zu kommen. „Natürlich ist es nicht so, dass jeder, der ungeduldig ist, automatisch zu rauchen beginnt. Aber der statistische Zusammenhang ist klar genug, und man muss bedenken, dass sich auch geringe Wahrscheinlichkeiten für gesundheitsschädlicheres Verhalten über die Jahre summieren, sodass ungeduldigere Jugendliche eine schlechtere Perspektive haben“, sagt Matthias Sutter. Das macht die Erkenntnisse der Innsbrucker Ökonomen letztlich auch gesundheits- und bildungspolitisch relevant.