Tirols Natursteinschätze heben

Für Bautätigkeiten werden große Mengen an Natursteinen benötigt. Tirol deckt seinen Bedarf vorwiegend aus heimischen Lagerstätten. Damit das so bleibt, müssen neue Ressourcen erschlossen werden. Forscher vom Arbeitsbereich Materialtechnologie erproben in einem Interreg-IV-Projekt Methoden für die effiziente Erkundung möglicher Abbauplätze.
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Bild: Für Bautätigkeiten und die Erzeugung von Baustoffen werden große Mengen an Natursteinen benötigt. Symbolfoto: istockphoto.com

Der Pro-Kopf-Verbrauch an mineralischen Baurohstoffen beträgt in Tirol jährlich rund 10 Tonnen, die fast ausschließlich im Land gewonnen werden. Um diese Import-Unabhängigkeit aufrecht zu erhalten, müssen jedoch in naher Zukunft neue Abbaustätten identifiziert und raumordnerisch gesichert werden. – Das legt auch der österreichische Rohstoffplan nahe, der in Abstimmung mit den Bundesländern erstellt und umgesetzt werden soll.

Stein ist nicht gleich Stein

Rohstoffe müssen bestimmte Eigenschaften aufweisen, damit sie für die Herstellung von Beton, Asphalt, Estrich oder Putz verwertet werden können, wie Dr. Andreas Saxer vom Arbeitsbereich Materialtechnologie der Universität Innsbruck erklärt. „Gesteinskörnungen, die für Beton verwendet werden, müssen in Hinblick auf Korngröße, Kornfestigkeit und Frostbeständigkeit ganz bestimmte Kriterien erfüllen“, verdeutlicht der Wissenschaftler, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Alexander Grill das dreijährige, an der Universität Innsbruck angesiedelte EU-Interreg-IV-Projekt „Georesources“ leitet. Im Rahmen dieses grenzübergreifenden Forschungsvorhabens, das bis 2013 läuft, soll die Aussagekraft neuartiger Verfahren zur systematischen Erkundung von Abbaugebieten überprüft werden. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Europäischen Union, dem Land Tirol und der Autonomen Provinz Bozen mit insgesamt 700.000 Euro.

Fünf Standorte

Geeignete Naturstein-Lagerstätten zu erkennen, erfordert derzeit aufwändige Bohrungs- und Analysemaßnahmen: Zunächst werden mögliche Rohstofflager auf Basis geologischer Kartierungen definiert, es folgen Bohrungen und schließlich wird das gewonnene Material analysiert. Zeit und Kosten sparen könnten in Zukunft geophysikalische Erkundungsmethoden, die allerdings noch nicht weitreichend erprobt sind. „In unserem Projekt testen wir, inwieweit diese Methoden brauchbare Daten zur Bewertung von Gesteinsqualitäten liefern“, schildert Saxer. Dazu werden an vier verschiedenen Standorten in Nord- und Südtirol Bohrungen durchgeführt. Zusätzlich werden mittels Georadar, Geoseismik und Geoelektrik Daten gewonnen und mit den Ergebnissen der konventionellen Erkundungen verglichen. An vier Standorten wird mit Lockergesteinen experimentiert, an einem mit Festgesteinen. Bei Georadarmessungen werden Radarwellen in den Untergrund geschickt, aus den zurückreflektierten Wellen lassen sich Schlüsse über die Beschaffenheit und den Aufbau des Untergrundes ziehen. Die Geoseismik arbeitet mit seismischen Wellen, die Geoelektrik mit Spannungen und Strömen. „Die große Herausforderung ist die Interpretation der Messdaten, die Auskunft über Schichtungen, Einschlüsse, Kornverteilung und vieles mehr geben können, wenn man sie richtig zu lesen weiß“, sagt Saxer. „Unser Ziel ist, jene Verfahren zu identifizieren, die mit möglichst geringem Aufwand zu einer möglichst präzisen Aussage über die Qualität und Verwertbarkeit führen“, ergänzt er. Diese fließen dann neben Aspekten wie Erreichbarkeit, Umweltverträglichkeit oder Raumordnung in neue Abbaukonzepte von Land und Bund ein.

Mit dem Einsatz der geophysikalischen Methoden wird im Frühjahr 2012 begonnen, man will sich dafür auch externes Know-how holen. Die Bohrungen in Südtirol sind bereits abgeschlossen, in Nordtirol sind die letzten im Laufen. „Wir profitieren sowohl von der länderübergreifenden Zusammenarbeit als auch von der Kooperation mit den zuständigen Landesbehörden“, betont Saxer.