Musik und Kultur

Seit Oktober 2011 ist Federico Celestini am Institut für Musikwissenschaft tätig. Ihn interessiert die Tatsache, dass Musik einerseits kulturelle Identität stiftet und andererseits durch die ästhetische Erfahrung eine Verschiebung zwischen Selbst und Anderen ermöglicht.
Federico Celestini ist Professor am Institut für Musikwissenschaft.
Bild: Federico Celestini ist Professor am Institut für Musikwissenschaft.

Die Spannung, die die Musik auf dem Weg zwischen Hören und Denken entstehen lässt, ist Teil der Faszination in Celestinis Fachbereich, der Musikwissenschaft. Seinen Einstieg in die Welt der Musik fand Federico Celestini als Musikproduzent, die eine Seite der Musik. Er studierte Violine als Konzertfach an der Musikhochschule Giulio Briccialdi in Terni, Italien. Mit dem Beginn des Musikwissenschaftsstudium lernte er die andere Seite der Musik kennen und lieben. „Als 19-Jähriger kam ich zu dem Punkt, dass ich mich für eine Seite entscheiden musste. Möchte ich meine Zukunft als Musiker oder als Musikwissenschaftler verbringen. Interessiert hat mich beides“, sagt Celestini heute. Die Entscheidung für die Musikwissenschaft war für ihn eine Möglichkeit die Musik in einer sublimierten Form weiterzuführen.

Kultureller Transfer

Musik schafft kulturelle Identität. „Musik hat aber nicht nur eine identifizierende Wirkung, sondern auch eine Wirkung, die man De-Identifikation nennen kann. Das ist ein Aspekt, der bereits in der Antike thematisiert wurde“, erklärt der Musiktheoretiker. Musik kann als Mittel von kollektiven, kulturellen Identitäten dienen, aber zugleich auch diese Identitäten in der ästhetischen Erfahrung in Frage stellen. Dabei entstehen Spannungsverhältnisse, die im Forschungsinteresse von Federico Celestini liegen. „Es sind Fragen rund um diese Spannung, die mich interessieren. Wie wird diese Spannung in den jeweiligen Kulturen erlebt? Wie ging man mit den jeweiligen Spannungen um?“ Eine Epoche, in der man diese Spannungen klar erkennen kann, ist die Wiener Moderne, über die er auch seine Habilitation verfasst hat. Es geht dabei um Fragen der Pluralität von Kulturen, Sprachen, Religionen und politischen Konzepten. „Es treten in dieser Zeit auch viele Konflikte auch – eine Pluralität, die natürlich nicht nur idyllisch ist. Antisemitismus ist ein Thema, das auch in der Wiener Moderne auftaucht. Es ist eine Zeit, in der man diese Beziehung zwischen Musikproduktion, -rezeption und sozialen sowie kulturellen Aspekten analysieren kann“, erläutert der interessierte Geisteswissenschaftler. Ein Beispiel in der Musikgeschichte, an dem man die kulturellen Spannungen ablesen bzw. abhören kann, ist Gustav Mahler. Er war ein deutschsprachiger Komponist mit jüdischer Herkunft, der in der heutigen Tschechischen Republik geboren wurde. Hier vermischen sich bereits drei Kultursphären, deren Manifestation sich in der Musik widerspiegelt.

Zur Person

Federico Celestini studierte Musikgeschichte an der Universität „La Sapienza“ in seiner Geburtstadt Rom und Violine am Conservatorio in Terni, Italien. Im Jahr 1998 promovierte über die frühen Klaviersonaten Joseph Haydns an der Karl-Franzens-Universität Graz. Celestini war 2002 British Academy Visiting Research Fellow an der University of Oxford und 2004 Research Fellow am Riemenschneider Bach Institute in Cleveland, Ohio. Nach seiner Habilitation ging Celestini als Rezipient eines Humboldt-Stipendiums nach Berlin, wo er zwei Jahre lang an der FU in Forschung und Lehre tätig war. Im Jahr 2010 war er Visiting Professor an der University of Chicago. Seit einem Jahr ist er Mitherausgeber der Zeitschrift „Acta Musicologica“. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Musik des 18. bis 21. Jahrhunderts, Musik und Kultur, Musikästhetik und Mittelalterliche Mehrstimmigkeit.