Architektur erforschen

Marjan Colletti, seit Beginn des Jahres Professor für Hochbau und Konstruktives Entwerfen, will die Architekturforschung an der Universität Innsbruck forcieren.
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Bild: Marjan Colletti (Foto: Andreas Friedle)

Für Marjan Colletti ist es eine Rückkehr – quasi ein Schritt in die Vergangenheit, aber auch ein Blick in die Zukunft. Anfang der 90er-Jahre hatte der Architekt in Innsbruck studiert, bei Volker Giencke seinen Abschluss gemacht und danach in dessen Grazer Architekturbüro gearbeitet, ehe es ihn nach England verschlug. Dort absolvierte er an der Bartlett School of Architecture (UCL), eine der besten und renommiertesten Architekturschulen weltweit, einen postgraduate MArch und erhielt ein „Research by Design“ PhD in Digital Design and Theory. Gleichzeitig gründete er im Jahr 2000 in London gemeinsam mit Marcos Cruz das Atelier marcosandmarjan, ein experimentelles Architekturstudio, das architektonische Praxis und Lehre mit experimenteller Forschung verbindet. Ebenfalls seit dem Jahr 2000 unterrichtet er an der Bartlett, war aber auch unter anderem Gastprofessor an der TU Wien, der UCLA Los Angeles und der UTA Arlington Texas. Seit Jänner 2012 ist Colletti sozusagen wieder am Ausgangspunkt, gemeinsam mit Professor Patrik Schumacher leitet er den
Hochbau-Lehrstuhl an der Fakultät für Architektur der Universität Innsbruck. „Natürlich hat sich die Universität und die Architekturfakultät in diesen Jahren verändert. Aber auch die Architektur hat sich – etwa durch Globalisierung und Digitalisierung, aber auch durch handelnde Personen – gewandelt“, sagt Colletti.

Research by design

Diese Veränderung heißt es nun, in die Lehre für die praktische Ausbildung einzubringen, aber auch in die theoretische Arbeit. Colletti: „Mir geht es darum, z.B. mit dem neuen Robotik-Labor, welches ich aufbauen werde, die Architekturforschung zu forcieren.“ In seinem Fall bedeutet dies „Research by Design“, Forschung, die empirische (erklärende), hermeneutische (verstehende) und vor allem entwerfende (entwickelnde) Methoden verbindet. Und so, wie es bei „Research by Design“ um Überschneidungen und gegenseitiges Befruchten geht,
sieht Colletti auch seine Position als „halber Professor“: „Ich bin in Innsbruck zu 50 Prozent angestellt, die anderen 50 Prozent meiner Arbeitszeit werde ich weiter an der UCL und in meinem Atelier in London verbringen.
Ich glaube, dass diese 50-50-Situation für meine Arbeit und die Studierenden sehr befruchtend sein kann.“

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins zukunft forschung erschienen.