Vorgestellt: Tausch effizient organisieren

Markus Walzl ist seit Anfang März Professor für Institutionenökonomik am Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte der Universität Innsbruck. Was die Verteilung von Spendernieren und die Organisation von Forschungskollaborationen mit seinem Fachgebiet zu tun haben, erklärte er der iPoint-Redaktion.
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Bild: Markus Walzl ist seit März Professor für Institutionenökonomik.

Nieren von Lebendspendern sind ein sehr knappes Gut, das für viele Menschen lebensrettend sein kann. Wie die Verteilung von Spendernieren fair organisiert werden kann, untersucht der Innsbrucker Volkswirt Markus Walzl. Neben der Klärung grundlegender ethischer und medizinischer Fragen gilt es nämlich auch, akzeptable und funktionierende Verteilungsmechanismen für Spenderorgane zu entwickeln. „Wenn zum Beispiel jemand dem kranken Lebenspartner eine Niere zur Verfügung stellt, diese aber aus medizinischen Gründen für den Kranken nicht geeignet ist, stellt sich die Frage, wie ein Tausch mit anderen Spendern organisiert werden kann“, erklärt Markus Walzl. „Die Entwicklung von Tauschinstitutionen für solche Güter ist eines meiner Arbeitsgebiete. Dabei forsche ich in erster Linie an den mathematischen Grundlagen dieser Tauschbörsen.“ Und manchmal, wenn Mediziner und Philosophen sich über die gerechte Verteilung solcher Güter streiten, kann der Ökonom die Diskussion erleichtern, indem er auf die möglichen (und miteinander zu vereinbarenden) Eigenschaften solcher Verteilungssysteme hinweist.

Zu viele Kooperationen?

Neben solchen zentral gesteuerten Prozessen, untersucht der Volkswirt auch Systeme, in denen sich einzelne Akteure selbst die Spielregeln geben. So geht Walzl etwa der Frage nach, ob Netzwerke beispielsweise zwischen Kreditinstituten oder auch zwischen Wissenschaftlern zu viele oder zu wenige Verbindungen oder Kollaborationen aufweisen. Genauso, wie es bei Kreditinstituten seit der Finanzkrise das Bemühen gibt, sich immer stärker zu vernetzen, entwickelt sich auch die Forschungslandschaft etwa in der Volkswirtschaftslehre zu einem immer größeren zusammenhängenden Netzwerk. „Die für die einzelne Bank oder den einzelnen Forscher optimale Vernetzung ist dabei nicht immer auch die Beste für die Volkswirtschaft oder die Gesellschaft“, sagt Markus Walzl. „Wenn ich eine neue Kollaboration mit einem Kollegen eingehe, berücksichtigen wir die Vorteile, dass der Partner und ich jeweils einen zusätzlichen Kooperationspartner haben. Was wir aber nicht berücksichtigen ist die Tatsache, dass die anderen Kollegen meines neuen Kooperationspartners nun weniger Aufmerksamkeit von diesem erhalten. Weil wir diesen Effekt, den meine Zusammenarbeit auf den Rest der Gesellschaft hat, vernachlässigen, haben wir einen Anreiz, zu viele Kollaborationen einzugehen.“ Walzl negiert dabei keineswegs die Vorteile von Forschungskooperationen – genauso wenig wie die bessere Abfederung bestimmter Risiken in einem vernetzten Finanzsystem–, er fordert aber, dass man unterschiedliche Anreize zur „Übervernetzung“ gerade in globalisierten Zeiten nicht aus den Augen verliert.

Eine europäische Karriere

Der gebürtige Rheinländer Markus Walzl hat in Bonn Mathematik und Physik studiert und eine Diplomarbeit über Quantenfeldtheorie verfasst. Später wechselte er in die Volkswirtschaftslehre und beschäftigte sich ausführlich mit der Spieltheorie. Nach der Promotion an der Technischen Hochschule Aachen war er fünf Jahre lang Assistenzprofessor an der Universität in Maastricht. Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Universität Bozen wurde er als Professor an die Universität Bamberg berufen, wo er zwei Jahre tätig war, bevor er dem Ruf nach Österreich gefolgt ist. Der Volkswirt fühlt sich in Innsbruck sehr wohl: „Man kommt nicht in diese Stadt, wenn man nicht irgendetwas mit den Bergen anfangen kann. Ich genieße die Umgebung hier sehr“, sagt Walzl. „Was ich aber vor allem schätze, ist das sehr aktive Forschungsumfeld gerade im Bereich der experimentellen Wirtschaftsforschung und der Mikroökonomik. Das war auch der entscheidende Grund, warum ich noch einmal von Bamberg nach Innsbruck gewechselt habe.“