Vorgestellt: Die Geschichte von Medien und Diplomatie

Harriet Rudolph ist seit Februar 2011 Professorin für die Geschichte der Neuzeit am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie. Ihre Forschungsgebiete liegen in der Erforschung politischer Kulturen sowie der Medien- und der Rechtsgeschichte im frühneuzeitlichen Europa; außerdem arbeitet sie an einem breiter angelegten Projekt zur Geschichte der Diplomatie.
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Bild: Harriet Rudolph ist Professorin für die Geschichte der Neuzeit.

Für Geschichte hat Harriet Rudolph sich ursprünglich eher notgedrungen als aus voller Überzeugung entschieden: „Ich wollte Kunstgeschichte studieren und brauchte noch ein zweites Fach dazu. Die Entscheidung ist dann auf Geschichte gefallen.“ Aus dem Zweit- wurde schließlich aber doch das Hauptstudium in Tübingen, Dissertation und Habilitation in Trier folgten. Seit Februar 2011 ist die gebürtige Dresdnerin Professorin für die Geschichte der Neuzeit in Innsbruck.

Politische Kulturen

In ihrer Forschung kann Harriet Rudolph ihre kunsthistorische Ausbildung dennoch sehr gut gebrauchen, denn sie beschäftigt sich mit der Geschichte der politischen Kommunikation und mit der Frage, wie sich das Auftauchen neuer Kommunikationsformen auf die politische Kultur in einer Gesellschaft auswirkt. „Die vielfältigen und ambivalenten Bedeutungsebenen von Illustrationen und Symbolen auf Flugblättern aus der frühen Neuzeit bleiben Laien häufig verschlossen – man muss den Bildkanon aus dieser Zeit kennen und verstehen, um diese auf Visualität ausgerichteten Medien und ihre komplexen Botschaften richtig interpretieren zu können“, erklärt die Professorin. Im Zentrum ihrer Untersuchungen stand bislang das Heilige Römische Reich:  „Eine spannende Frage ist, was vergleichsweise riesige Herrschaftsgebiete zusammenhält – zum Beispiel das Alte Reich, das trotz innerer Spannungen und äußerer Bedrohungen über 800 Jahre bestand.“ In ihrer Habilitationsschrift untersuchte Harriet Rudolph die Inszenierung von Kaisereinzügen im Reich und deren Bedeutung für die Stabilisierung der kaiserlichen Herrschaft.

Mediengeschichte

Die Wissenschaftlerin interessiert sich dabei auch für die Entwicklung von Medienkompetenz und den Zugang zu Medien. „Wer waren die Medienkonsumenten und wer die Medienmacher? Die Forschung zeigt: Es gab schon in der frühen Neuzeit ein zunehmend auf Profitmaximierung ausgerichtetes Mediensystem, Flugblätter wurden verkauft, sie dienten keineswegs allein oder primär als Instrument von Propaganda. Die Entwicklung von ‚Massenmedien‘ lässt sich mit ihrer instrumentellen Funktion für politische Eliten nur unzureichend beschreiben. Sie folgte vielmehr auch einer inneren Logik von Ausdifferenzierung, Spezialisierung und Adressatenorientierung, die langfristig die Entstehung moderner Mediengesellschaften ermöglichte.“

Die Wurzeln der Diplomatie

Aktuell arbeitet Harriet Rudolph an einem Antrag für ein Forschungsprojekt zur Entwicklung von Diplomatie und internationalen Beziehungen in der Neuzeit. „Es hat verhältnismäßig lange gedauert, bis die europäischen Monarchen begriffen haben, dass sie nicht nur für den Krieg, sondern auch für dessen Vermeidung durch diplomatische Mittel Geld in die Hand nehmen müssen“, sagt sie. Zwar gab es schon früh Gesandte, die wurden aber punktuell für bestimmte Aufträge, etwa Vertragsverhandlungen, entsandt und kehrten danach wieder an ihren Heimathof zurück. „Erst in der Neuzeit entstehen institutionalisierte und dauerhafte Gesandtschaften und das Berufsfeld des Diplomaten beginnt sich zu entwickeln.“ Die Historikerin will besonders der Frage nachgehen, wie Diplomaten von ihren Herrschern materiell ausgestattet wurden und welche Rolle dies für Erfolg oder Misserfolg ihrer politischen Missionen besaß. Ab wann residierten die Botschafter zum Beispiel in prunkvollen Palais oder welche Rolle spielten die vielfach nachweisbaren Geschenke im Rahmen der diplomatischen Kommunikation?

Berge und Geschichte

Auch Innsbruck kann mit architektonischen und künstlerischen Werken aus der frühen Neuzeit aufwarten. „Ich liebe das 16. Jahrhundert, und Innsbruck bietet historisch so viel“, sagt Harriet Rudolph. „Die Kunstsammlungen und Archive sind in Innsbruck sehr gut ausgestattet, das ist für eine Historikerin natürlich sehr wichtig.“ Und noch ein weiterer Punkt trägt dazu bei, dass die Historikerin sich in Innsbruck wohlfühlt: „Ich bin ein großer Bergfan, schon seit meiner Kindheit.“