Sprache als Fenster der menschlichen Interaktion

Gabriella Mazzon ist seit März Professorin für Englische Linguistik. Sie war schon immer an Sprachen interessiert, hat sich aber als Studentin nicht vorstellen können, dass sie ihre berufliche Reise dorthin führen wird. Ausschlaggebend war für sie die Entdeckung des Feldes der Linguistik. Das hat ihr Leben verändert. Und man spürt ihre Passion für ihr Forschungsfeld.
Gabriella Mazzon ist seit März dieses Jahres Professorin für Englische Linguistik am Institut für Anglistik.
Bild: Gabriella Mazzon ist seit März dieses Jahres Professorin für Englische Linguistik am Institut für Anglistik.

Die Welt der Sprache und der Sprachwissenschaften ist ein breites Feld. Für Gabriella Mazzon hat diese Welt ihr Leben verändert und bereichert. Die gebürtige Italienerin studierte „Foreign Languages and Literatures“ an der Universität Neapel Federico II und lernte während ihres Studiums zwei Sprachen, Englisch und Französisch. Früh hat sie entdeckt, dass man Sprache als ein Fenster betrachten kann und zwar in der Form, wie Menschen miteinander interagieren.

Gegenwart und Vergangenheit

Der signifikanteste Bereich war für sie die Soziolinguistik. Diese beschäftigt sich im engeren Sinn mit Sprache im Bezug auf soziale Größen wie Alter, Geschlecht und Gesellschaftsschicht. „Man vermittelt durch die Art und Weise, wie man spricht, wer man ist“, sagt Gabriella Mazzon über die Soziolinguistik. Auch die Philologie – die Liebe zum Disputieren – und die Tatsache, dass alte Dokumente, Schriftstücke, Briefe eine ganze Epoche wiederbeleben können, haben es der Italienerin angetan. „Da waren wirklich Menschen, die vor vielen Jahrhunderten gelebt und etwas geschrieben haben, und man versucht schließlich, diese Zeit anhand des Geschriebenen zu rekonstruieren“, erzählt Mazzon enthusiastisch. „Es waren immer diese beiden Bereiche, die mich interessiert haben. Also einerseits das Zeitgenössische, sehr Reale und Unmittelbare und andererseits das Distanzierte und Historische, basierend auf den Studien der Vergangenheit.“

Variationen einer Sprache

Ein Schwerpunkt in Ihrer Forschungstätigkeit ist das Feld der Varietätenlinguistik als einer Teildisziplin der Soziolinguistik. Im Rahmen dieses Bereiches befasst sich Mazzon mit den vielfältigen Formen und Variationen innerhalb der englischen Sprache. Die Faszination hierfür entwickelte sich bereits während ihrer Zeit als Studentin. In den Lehrveranstaltungen in Soziolinguistik erfuhr sie das Ausmaß der Variationen einer einzelnen Sprache und es war ihr klar, dass es schwierig sein wird, eine Sprache objektiv zu definieren. „Man fügt zu der Art und Weise, wie jemand Englisch spricht, soziale und persönliche Werte hinzu. Ich meine hier zum Beispiel eine spezielle Betonung oder ein spezieller Akzent. Das muss beobachtet werden, vor allem auch unter einem kritischen Gesichtspunkt, weil es zu Vorurteilen führen kann und das auch tut. Man muss sich nur überlegen, welche Klischees über Amerikanisches, Britisches oder Nigerianisches Englisch herrschen.“ Hierzu hat Mazzon im Zuge ihrer Dissertation „The Englisch Language in Malta“ eine Feldstudie über die Variationen der englischen Sprache in Malta durchgeführt. Die Republik Malta war lange Zeit eine britische Kolonie. Aufgrund dessen beherrschen fast alle Einwohner die englische Sprache, die als zweite Amtssprache gilt. „Für mich geht es darum, wie Menschen Sprachen und Varietäten definieren. Was bedeutet ihnen die unglaubliche Menge an Variationen, sehen sie diese als Bedrohung oder Bereicherung? Sind sie stolz auf ihr Englisch?“ Mazzon organisiert gerade eine Konferenz über einen Aspekt der Grammatik in den Varietäten von Englisch, die im nächsten Jahr stattfinden wird. Zudem wurde bereits vor ihrer Zeit als Professorin an der Uni Innsbruck ein Austausch zwischen Malta und Innsbruck angeregt. Dieser besteht gegenwärtig aber nur im Bereich Literatur; Mazzon wird versuchen, diese Kooperation auch auf den Bereich der Linguistik auszudehnen.

Universität Innsbruck als internationale Schnittstelle

Der Grund für Gabriella Mazzon, nach Innsbruck zu gehen, war die Tatsache, dass es in Österreich viel mehr Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung gibt, als das in Italien der Fall ist. „Innovation wird genauso groß geschrieben wie Kontinuität.“ Ein weiterer Faktor, der Mazzons Entscheidung beeinflusste, war die Größe der Universität Innsbruck als auch der Stadt selber. „An einer größeren Universität tauchen so viele Probleme und Schwierigkeiten zur gleichen Zeit auf. Das macht alles komplizierter. Hier ist alles überschaubar.“ In ihren Augen zeichnet sich die Universität Innsbruck vor allem auch aufgrund ihrer Funktion als Schnittstelle aus. „Österreich, Deutschland und Italien treffen hier aufeinander. Sowohl das Personal als auch die Studierendenpopulation sind gemischt und kommen von den angrenzenden Nachbarländern hierher.“ Beeindruckt hat sie insbesondere die herzliche Aufnahme ihrer Kollegen und des gesamten Teams der Uni Innsbruck. „Mir war klar, dass ich eventuell ein Risiko eingehe, weil ich Zeit meines Lebens am Meer gelebt habe. Innsbruck stellt für mich eine ganz andere Lebensumgebung dar. Ich bin aber glücklich, sagen zu können, dass es sich bisher als guter Entschluss kristallisiert hat. Ich liebe es, hier zu sein. Ich liebe die Szenerie, die Stadt und die Universität. Es ist großartig.“