Slawistik braucht Geschichte

Andrea Zink ist seit Anfang Oktober 2011 Professorin für Slawische Literatur- und Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Russisch. Sie arbeitet gerne an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Disziplinen.
Andrea Zink
Bild: Andrea Zink ist Professorin für Slawische Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Slawistik.

Die Rolle der Literatur in politischen Umbruchszeiten ist ein großes Thema in Andrea Zinks Forschung: Für die neue Universitätsprofessorin für Slawische Literatur- und Kulturwissenschaft gehören die Slawische Philologie und die Geschichte Ost- und Südosteuropas untrennbar zusammen. „Literatur und politische Geschichte sind in der Slawistik besonders eng verwoben. Keine Ahnung von Land und Leuten zu haben, geht gar nicht“, sagt Zink.
In ihrer Habilitationsschrift mit dem Titel „Wie aus Bauern Russen wurden“ hat sie sich ausgehend von den großen russischen Romanen des 19. Jahrhunderts mit der Konstruktion von Volk und Nation auseinandergesetzt. Aktuell beschäftigt sich Zink mit Raumkonzepten sowohl in der russischen als auch in der bosnisch-kroatisch-serbischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Zwar liegt der Schwerpunkt ihrer Professur auf Russland, dennoch möchte sie auch die jugoslawischen Nachfolgestaaten, ihre Sprachen und Kulturen wieder stärker in den Mittelpunkt von Lehre und Forschung an der Universität Innsbruck rücken.

Blick in eine andere Welt

Nach Innsbruck kam Andrea Zink über mehre Stationen: Nach Abschluss ihres Studiums verbrachte die gebürtige Deutsche ein Forschungsjahr in Leningrad und Moskau, dann arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin. Bis zu ihrer Berufung an die Universität Innsbruck im Oktober 2011 hatte sie am Slawischen Seminar der Universität Basel verschiedene Funktionen inne. Über mehrere Jahre war sie dort wissenschaftliche Assistentin. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit, arbeitete sie unter anderem als Journalistin sowie als Russischlehrerin an Schweizer Gymnasien.
Für das Studium der Slawistik hat Andrea Zink sich unter anderem entschieden, weil dem Fach „etwas Exotisches anhaftete“. Sie habe noch nicht in der Wiege gewusst, dass sie Professorin werden wolle, erzählt Zink mit einem Augenzwinkern. „Die Slawistik eröffnete mir immer wieder den Blick in eine andere Welt. Das hat mich sehr stark motiviert und inspiriert. So kam ich zu meiner ersten Stelle, auf der ich dann auch Gefallen am Unterrichten gefunden habe. Schließlich hat sich alles so ergeben“, schildert sie ihren Werdegang.

Zur Person

Andrea Zink studierte Slawische Philologie mit den Sprachen Russisch und Serbokroatisch sowie Philosophie und Ost- und Südosteuropäische Geschichte in München, Berlin und Leningrad. 2006 habilitierte sie sich an der Universität Basel, im Oktober 2011 folgte sie dem Ruf an die Universität Innsbruck. Zu ihren Themen in Forschung und Lehre gehören auch die russische Literaturtheorie und die Epoche von Moderne und Avantgarde.