Neues Modell für die Gesundheitsakte

Bereits seit längerem wird an der Elektronischen lebenslangen Gesundheitsakte (ELGA) gearbeitet. Innsbrucker Informatiker haben nun ein Modell vorgestellt, das die ELGA technisch leicht implementierbar macht und das Potenzial einer elektronischen Verknüpfung von Gesundheitsdaten für Ärzte und Patienten voll ausschöpft.
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Bild: Die Verschreibung von Medikamenten ist ein Punkt, der mittels genauerer Informationen über das System von Michael Borovicka und seinem Team erleichtert werden soll. (Foto: flickr.com/Philippa Willitts, CC by NC 2.0)

An der Elektronischen lebenslangen Gesundheitsakte (ELGA) wird bereits seit einigen Jahren gearbeitet, auch politisch wird sie heiß diskutiert. Sie soll, unter Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben, alle medizinischen Daten eines Patienten enthalten und auf elektronischem Weg abrufbar sein. Der Prozess der Umsetzung wird aber unter anderem durch die Vielzahl der Daten erschwert, die alle in unterschiedlichen Formaten und häufig gar nicht digital vorliegen – und wenn, dann als Scan von Papierseiten und damit ebenfalls nicht brauchbar: „Sie können sich das wie einen hohen Papierstapel vorstellen, in dem Gesundheitsdaten enthalten sind – für einen Arzt ist dieser Stapel unbrauchbar, weil er erst recht wieder mühsam nach der gewünschten Information suchen muss“, erklärt DI Michael Borovicka, Forscher am Institut für Informatik der Universität Innsbruck. Die Daten sind auch nicht maschinenlesbar und können so auch nicht elektronisch – etwa zur genaueren Auswertung über längere Zeit hinweg – weiterverarbeitet werden.

Innovative Lösung

Genau bei diesem Problem setzt eine neue Entwicklung von Michael Borovicka und seinem Team an: Patientendaten werden gleich elektronisch in einem einheitlichen Format erfasst und übermittelt – so fallen Interpretationsschwierigkeiten weg und der reibungslose Austausch von Patientendaten auch über mehrere Labors, Arztpraxen oder Krankenhäuser hinweg wird erst ermöglicht. Das ergibt Vorteile für Ärzte, Patienten und auch das Gesundheitssystem ganz allgemein: „Patienten sparen sich zum Beispiel die zahlreichen Überweisungen, die sie von einem Arzt zum nächsten tragen müssen – außerdem gehen auf dem Weg alle Befunde mit, die Patienten müssen nicht unnötig mehrmals die gleiche Untersuchung machen lassen“, sagt Michael Borovicka. Durch die digitale Erfassung lassen sich Befundwerte auch einfach mit älteren Befunden vergleichen und sogar grafisch darstellen.

In der Praxis

Die Wissenschaftler um Michael Borovicka und seine beiden Studenten Hannes Marth und Florian Rhomberg haben dabei ein komplettes, browserbasiertes System entworfen, das mit allen zugrundeliegenden EDV-Lösungen, die an Krankenhäusern oder in Labors und Arztpraxen eingesetzt werden, funktioniert – Ärzte und Personal müssen also kein neues System anschaffen oder gar ihre gesamte EDV umstellen. „Unser System begleitet einen Patienten vom ersten Arztbesuch bis zur Diagnose mit Hilfe von Befunden.“ Die Daten des Patienten werden bei seinem Besuch mittels E-Card in der Praxis erfasst, der Arzt kann so gleich schon vorhandene Befunde sehen und mögliche Untersuchungen bei einem Labor seiner Wahl bestellen. „Das alles funktioniert modular: Labors können bis hinunter zum kleinsten möglichen Auswertungsschritt genau definieren, welche Untersuchungen sie anbieten können. Zudem können die Labors auch festlegen, welche zusätzlichen Informationen sie für bestimmte Untersuchungen brauchen – etwa ob Medikamente genommen werden oder ob eine Patientin schwanger ist“, beschreibt Michael Borovicka den Vorgang. Der Arzt wird bei der „Bestellung“ gleich auf solche benötigten Zusatzinformationen hingewiesen. Für Ärzte ergibt sich der Vorteil, dass sie umfassender über einen Patienten informiert sind: Dadurch, dass die Daten leicht gefiltert werden können, findet ein Arzt auf Anhieb die für die jeweilige Behandlung notwendige Information. Das steigert die Effizienz und erleichtert Ärztinnen und Ärzten die Arbeit.

Und nicht nur schriftliche Befunde mit Werten, sondern auch grafische Informationen wie etwa Röntgenbilder werden so einheitlich gespeichert und übertragen. „Zum tatsächlichen Einsatz fehlen uns noch die Bezeichnungen der medizinischen Messdaten – davon gibt es tausende, die müssen medizinische Profis eingeben und festlegen“, sagt Michael Borovicka. Prinzipiell gehe es um einen „Proof of Concept“ und darum, mittels dieser Grundlagenforschung zu zeigen, wie die ELGA funktionieren könnte. „Unser System operiert streng nach den Vorgaben der ELGA, was die Speicherung und auch die Auswertungsformate betrifft“, erklärt Michael Borovicka, „aber prinzipiell wäre es auch in andere Länder mit anderen Vorgaben übertragbar und anwendbar. Die Simulationsumgebung umfasst den gesamten Gesundheitsakten-Datenzyklus des Prozesses von Anforderung, Erstellung und Archivierung sowie Visualisierung von medizinischen Dokumenten“, sagt Michael Borovicka.