Neuberufung: Breites Feld der Sportpsychologie

Martin Kopp ist seit Herbst 2010 Professor für Sportpsychologie. In diesem breiten Feld beschäftigt er sich unter anderem mit Lebensqualitäts-Forschung, den psychologischen Grundlagen von Risikoverhalten bei Extremsportlern und dem „Fachklassiker“ Wettkampfangst bei Leistungssportlern.
Martin Kopp
Bild: Martin Kopp ist seit vergangenem Semester Professor für Sportpsychologie an der Universität Innsbruck.

Sportpsychologie: Spontane Assoziationen dazu sind Studien zu Wettkampfangst und der psychischen Bewältigung des Drucks, der auf Sportlern lastet. „Das ist natürlich ein wichtiger Forschungsgegenstand in der Sportpsychologie, aber bei weitem nicht unser alleiniges Interesse“, sagt Prof. Martin Kopp. Er ist seit Herbst 2010 Professor für Sportpsychologie am Institut für Sportwissenschaft. „Sportpsychologie geht weit in den Gesundheitsbereich hinein. Neben der Motivation zu Bewegung sind zum Beispiel Integrationsversuche durch Sport, etwa in Gefängnissen oder bei Migranten, Thema der gegenwärtigen Forschung.“

Vor seiner Berufung an die Universität war Martin Kopp Leiter des Forschungsschwerpunktes Gesundheitspsychologie/Verhaltensmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck. „Mein Interesse richtet sich auch aufgrund meiner Zeit an der Medizin-Uni auf Sport und Bewegung als Mittel zur Steigerung der psychischen Befindlichkeit und Lebensqualität von Patienten“, erklärt Martin Kopp. Etwa zur Abfederung von Nebenwirkungen bei Behandlungen: Bei Krebspatienten, die eine Chemotherapie durchlaufen, ist Erschöpfung eine verbreitete Nebenwirkung. „Wir wissen, dass bei gesunden Menschen Sport gegen Mattheit hilft. Jetzt wollen wir gemeinsam mit den behandelnden Ärzten an der Uniklinik durch Studien herausfinden, ob das etwa auch auf Krebspatienten zutrifft und wir ihnen so helfen können.“

Risikoverhaltensforschung

Martin Kopp hat in Innsbruck Psychologie studiert. Die Verbindung seines Faches mit dem Sport realisiert er auch persönlich über Laufen, Skitouren und Tennis und bezeichnet sich als „Befindlichkeitssportler“. Mit Risikosport beschäftigt er sich lieber theoretisch: „Wir erforschen derzeit persönlichkeitsbezogenes Risikoverhalten. Wir wollen Persönlichkeitszüge und situative Variablen dechiffrieren, die Risikoverhalten im Sport befördern.“ Früher habe man geglaubt, dass besserer Schutz vor Gefahren automatisch zu riskanterem Verhalten führt, etwa auf der Schipiste. „Das ist nicht so, heute wissen wir, dass das Verhalten stark von der Persönlichkeit, der aktuellen Stimmung und Umgebungsfaktoren abhängt.“ Um der Risikobereitschaft auf die Spur zu kommen, führen die Innsbrucker Sportwissenschaftler Umfragen unter Kletterern oder Paragleitern durch. „Wir wissen heute auch, dass Extremsportler sehr risikobewusste Menschen sind und die Gefahren in ihrer Sportart genau einkalkulieren – weniger die ‚verrückten Waghalsigen‘, als die sie häufig von außen gesehen werden.“

Diese risikobezogene Forschung ist auch Teil eines weiteren Projekts, an dem Martin Kopp beteiligt ist: Der Nutzen von Schutzkleidung im Sport, etwa Helmen und Rückenprotektoren auf der Schipiste. „Hier interessieren uns auch Faktoren wie die mögliche Beeinträchtigung der Reaktionszeit auf äußere Reize durch Schihelme“, erläutert Martin Kopp. Vor wenigen Wochen hat seine Forschungsgruppe ein Editorial im angesehenen „British Medical Journal“ zu diesem Thema veröffentlicht.

Natürlich ist auch der „Klassiker“ der Sportpsychologie Teil von Martin Kopps Forschungen: Das Verhalten von Spitzensportlerinnen und –sportlern unter Stress und die Frage danach, wie sie mit Wettkampfdruck und verfehlten Zielen umgehen. „Hier gibt es kein Patentrezept für Erfolg oder Misserfolg.“ Die Wissenschaftler müssen auf die individuelle Veranlagung und das psychologische Profil des jeweiligen Sportlers eingehen. Derzeit läuft ein Projekt mit den ÖSV-Schisprungdamen: „Hier können wir schon in der frühen Wettkampf-Karriere der Sportlerinnen mit ihnen arbeiten und sehen, wie sie mit Erfolgsdruck umgehen“, erklärt Martin Kopp.