Gletscherforschung in Südtirol

Seit zehn Jahren erforschen Innsbrucker Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Geographie mittels Laserscanning Veränderungen im Ötztaler Hochgebirge. Nun wird die Forschung auf das Ortlergebiet und das Schnalstal in Südtirol ausgedehnt.
Blockgletscher
Bild: Die Innsbrucker Forscher haben gezeigt, dass Blockgletscherveränderungen mit „Airborne Laserscanning“-Methoden gemessen werden können.

„Gletscher und Permafrost-Böden sind sehr sensible Klimaindikatoren“, erklärt der Geograph Dr. Rudolf Sailer. An ihnen können Änderungen im Gebirgsklima sehr verlässlich abgelesen und gemessen werden. Zu diesem Zweck arbeiten Forscherinnen und Forscher am Institut für Geographie der Universität Innsbruck bereits seit zehn Jahren mit „Airborne Laserscanning“-Methoden (ALS): Ein in einem Flugzeug eingesetztes Instrument misst die darunter liegende Topografie mittels Laserstrahlen – die Punkte, an denen die Strahlen reflektiert werden, lassen Rückschlüsse auf die Oberflächenbeschaffenheit und den Abstand zum Flugzeug zu und werden im Nachhinein zu einer äußerst exakten Karte der Oberfläche zusammengesetzt. „Diese Methode ist derart genau, dass wir damit auch normalerweise nur sehr schwer messbare Veränderungen im Permafrost-Bereich flächenhaft nachvollziehen und darstellen können“, erläutert Rudolf Sailer.

Sailer ist wissenschaftlicher Leiter des MALS-Projekts („Multitemporal Airborne Laserscanning Südtirol“), das in Südtirol im Ortler-Gebiet und im Schnalstal über die nächsten drei Jahre Laserscanning-Messungen vornehmen wird. Insgesamt sind zusätzlich zu einem bestehenden Basisflug aus dem Jahr 2006 zwei Mess-Flüge, 2011 und 2012 jeweils im Herbst, geplant, das Gebiet umfasst insgesamt rund 96 Quadratkilometer. In den vergangenen Jahren haben Geographen der Universität Innsbruck mit auf diesem Weg gewonnenen Daten eine Quantifizierung der Veränderung von Blockgletschern – einem Gemisch aus gefrorenem Geröll und Eis – durchführen können. Blockgletscher sind ein Element der alpinen Permafrost-Gebiete, bei denen Änderungen traditionell nur schwierig und meist nur punktweise nachvollzogen werden können, die mittels ALS aber flächig sehr detailliert erforscht werden können. Auch Veränderungen von Toteis-Flächen können dank der ALS-Methode genau gemessen werden: „Toteis ist Gletschereis, das nicht mehr mit dem Gletscher verbunden und mit Gesteinschutt bedeckt ist“, erklärt Rudolf Sailer. Veränderungen dieser Flächen, wenn etwa das Eis schmilzt, können im zeitlichen Abstand nur durch Vergleich der Oberflächenhöhen nachvollzogen werden – eine Möglichkeit, die die Laserscanning-Methode bietet.

Große Datenbasis

Das Institut für Geographie verfügt durch eine Vielzahl von ALS-Messungen aus den vergangenen Jahren über eine ausgesprochen große Menge an Daten über die Tiroler Gebirgslandschaft, die durch MALS noch erweitert wird. „Wenn wir sehen, dass sich Gletscher- und Permafrostgebiete in verschiedenen Teilen der Alpen ähnlich entwickeln, haben wir eine sehr aussagekräftige Basis für eine Modellrechnung zu dieser Entwicklung“, erläutert Rudolf Sailer. Zudem dient die Datenerhebung als exaktes Monitoring-Instrument – die Wissenschaftler können genau nachvollziehen, wie sich Gletscher und Permafrostböden im Klimaeinfluss verändern. Die ausgewerteten Daten haben auch unmittelbare Relevanz für Wirtschaft und Tourismus: Wenn etwa Liftstützen auf den Permafrost-Boden gebaut werden, sind verlässliche Aussagen über die Entwicklung des Bodens unabdingbar.

MALS wird von der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol mit rund 300.000 Euro gefördert. Neben Rudolf Sailer sind mehrere Diplomanden und Dissertanten des Instituts für Geographie, Prof. Johann Stötter als Institutsleiter, Prof. Georg Kaser vom Institut für Meteorologie, Dr. Karl Krainer vom Institut für Geologie und Paläontologie und Prof. Oliver Sass, ein Geograph von der Universität Graz, beteiligt. „Bei uns am Institut sowie am alpS-Centre for Climate Change Adaptation Technologies laufen außerdem mehrere ähnliche Projekte, mit denen sich in der Datensammlung und –auswertung große Synergien ergeben“, erklärt Rudolf Sailer. Letztlich sollen die gesammelten Daten auch Aussagen über die künftige Entwicklung von Hochgebirgsregionen erlauben. „Aber das wird die Zukunft zeigen, bei allen Unwägbarkeiten, die sich bei Vorhersagemodellen ohnehin immer ergeben“, ergänzt Rudolf Sailer.

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