Erfolgsgeschichte Informatik

In einer gemeinsamen Initiative mit dem Land Tirol wurde vor zehn Jahren an der Universität Innsbruck innerhalb sehr kurzer Zeit ein neuer Informatik-Schwerpunkt gegründet. Mit 130 Mitarbeitenden und über 600 Studierenden stellt die Innsbrucker Informatik heute einen Grundpfeiler der Tiroler IT-Welt dar.
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Bild: Dieter Fensel, Leiter Forschungsinstitut sti, Rektor Tilmann Märk, Landesrat Bernhard Tilg und Thomas Fahringer, Leiter des Instituts für Informatik, zogen gestern Bilanz über zehn Jahre Informatik-Offensive.

Im Herbst 2000 stellte der Senat der Universität Innsbruck die Weichen für die Gründung eines Instituts für Informatik und die Einrichtung einer entsprechenden Studienrichtung an der damaligen Naturwissenschaftlichen Fakultät. Schon ein Jahr später konnten die ersten Studierenden mit dem Studium der Informatik an der Universität Innsbruck beginnen. „Entscheidend dafür war der gemeinsame Wille von Universität, Land Tirol und Bund in Tirol in diesem zukunftsträchtigen Bereich einen neuen Schwerpunkt zu setzen“, so Tilmann Märk, geschäftsführender Rektor der Uni Innsbruck. „Insbesondere die tatkräftige Unterstützung des Landes machte diesen raschen und erfolgreichen Start möglich“, erklärt Märk. „Die Informatik an der Universität ist eine Erfolgsgeschichte und ein Beispiel dafür, was ein Land für den Wissenschafts- und Forschungsstandort leisten kann“, freut sich auch der Tiroler Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg anlässlich des Jubiläums. Über die Standortagentur Tirol hat das Land das Institut in den ersten vier Jahren mit neun Millionen Euro unterstützt. Heute ist die Innsbrucker Informatik eng mit Unternehmen vernetzt. Die Gründung zahlreicher Spin-offs unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung dieses Erfolgsprojekts. „Die Informatik-Offensive mit der Universität Innsbruck ist ein Paradebeispiel für gelungene Standortpolitik. Der Ausbau des Wissensstandortes Tirol kann nur mit leistungsstarken Universitäten gewährleistet werden“, sagt Bernhard Tilg.

40 Millionen Euro aus Projekten

Heute besteht die Innsbrucker Informatik aus einem Institut mit sechs Forschungsgruppen mit den Schwerpunkten Computational Logic (Aart Middeldorp), Databases and Informationsystems (Günther Specht), Distributed and Parallel Systems (Thomas Fahringer), Intelligent and Interactive Systems (Justus Piater), Quality Engineering (Ruth Breu) und Technische Informatik (Falko Dressler) sowie dem Forschungsinstitut Semantic Technology Institute (Dieter Fensel). Die Studienrichtung Informatik bietet Abschlüsse als Bachelor, Master, PhD/Doktorat und für das Lehramt. Mehr als 600 Studierende sind derzeit in die verschiedenen Studiengänge im Bereich Informatik eingeschrieben. Mit fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde der Schwerpunkt im Jahr 2001 eingerichtet. Zehn Jahre später sind an beiden Instituten 130 Angestellte beschäftigt. Viele dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden über Projektgelder finanziert, die im harten wissenschaftlichen Wettbewerb in nationalen und internationalen Ausschreibungen eingeworben werden. In den zehn Jahren konnte die Innsbrucker Informatik insgesamt 40 Millionen Euro an Drittmitteln lukrieren. „Diese Zahlen machen deutlich, dass sich die Anfangsinvestitionen mehr als gelohnt haben“, sagt Prof. Thomas Fahringer, Leiter des Instituts für Informatik.

Enger Kontakt zur Wirtschaft

Die Innsbrucker Informatik beschäftigt sich neben grundlegenden Fragen der Informationsverarbeitung auch mit konkreten Anwendungen. Die Forscherinnen und Forscher pflegen dabei enge Kontakte mit der Wirtschaft in der Region, aber auch mit international tätigen Unternehmen. Aus verschiedenen Forschungsprojekten heraus wurden bereits zehn Spin-off-Unternehmen (arctis, E-SEC, InfPro, Nasubia, playence, seekda, semsphere, sengaro, Softgress und STI International) gegründet, die Ideen aus der universitären Forschung zu vermarktbaren Produkten weiterentwickeln. Im Informatikstudium wird großer Wert auf Praxisnähe gelegt: Etwa ein Viertel der Lehrveranstaltungen ist diesem Bereich gewidmet.

„Meet Informatik“ - Nachwuchspflege groß geschrieben

Neben Forschung und Lehre sowie dem Austausch mit der Wirtschaft ist die Informatik an der Universität Innsbruck auch um regen Kontakt mit der Bevölkerung bemüht. Egal ob im Rahmen der Langen Nacht der Forschung, der Jungen Uni oder der Aktion Frauen in die Technik, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stets darum bemüht, das Interesse für Informationstechnologien und die angebotenen Ausbildungen zu wecken. Schulbesuche, Praktikumsplätze für Schülerinnen und Schüler sowie die Teilnahme an Berufsinformationsmessen sollen schon junge Menschen für die Chancen, die in diesem zukunftsweisenden Wissenschafts- und Wirtschaftsbereich liegen, interessieren.

10-Jahres-Feier am Technik Campus

Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen der 10-Jahres-Feier der Innsbrucker Informatik. Schon zu Mittag strömten über 300 Zuhörerinnen und Zuhörer in die Aula des Architektur-Gebäudes, um dem Gründer der Freien Software-Bewegung, Richard Stallman, zuzuhören. Die Studierenden feierten dann bei einer LanParty und einer Hackers Competition weiter, während sich bei der offiziellen Feier im ICT-Technologiepark Gäste aus Politik, Wirtschaft und Universität versammelten. Nach den Begrüßungen und einem kurzen Rückblick in die Geschichte der Innsbrucker Informatik führte Rektor Tilmann Märk durch eine Expertendiskussion mit den Arbeitsgruppenleitern. Den Festvortrag über die Rolle der Information in einer vernetzten Welt hielt Manfred Broy von der TU München. Der Abend klang mit einer Studentenparty im Architektur-Gebäude aus.