Die Natur als Apotheke

In einem nun für weitere drei Jahre geförderten Nationalen Forschungsnetzwerk (NFN) sind Innsbrucker Forscherinnen und Forscher natürlichen Heilstoffen auf der Spur. Dafür untersuchen sie Pflanzen aus unseren Breiten, aus China und Südamerika. Koordiniert wird das NFN von Prof. Hermann Stuppner vom Institut für Pharmazie.
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Bild: Foto: Das Edelweiß (Leontopodium alpinum) ist eine der auf ihre heilenden Kapazitäten untersuchten Pflanzen. (Bild: Wikimedia Commons/Michael Schmid, cc-by-sa)

Rund sechzig Prozent aller derzeit auf dem Markt befindlichen Arzneimittel gehen direkt oder indirekt auf Naturstoffe zurück; sie kommen in ihrer Ursprungsform in Pflanzen oder Tieren natürlich vor. „Dennoch sind über 85 Prozent aller Pflanzenarten dieser Welt noch gar nicht erforscht“, sagt Prof. Hermann Stuppner vom Institut für Pharmazie. Genau hier setzt ein von ihm geleitetes Nationales Forschungsnetzwerk (NFN) an: Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen forschen an neuen, von Naturstoffen abgeleiteten Heilmitteln für Entzündungskrankheiten.

Entzündungen

Entzündliche Prozesse sind Teil zahlreicher Erkrankungen, etwa der Arteriosklerose, dem Metabolischen Syndrom oder auch von Krebserkrankungen. Grund genug, hier vertieft nach Heilmitteln zu suchen. Forschergruppen von der Universität Innsbruck, der Universität Wien, der Universität Graz, der TU Wien und der Medizinischen Universität Wien arbeiten an der Identifizierung und Nutzbarmachung von Arzneimitteln.

Das NFN besteht bereits seit drei Jahren und beginnt dieses Jahr seine zweite dreijährige Forschungs-Periode. „In der ersten Periode haben wir uns besonders auf die Identifikation aktiver Naturprodukte und Wirkungsklassen konzentriert, jetzt geht es verstärkt an die Charakterisierung und die vertiefte pharmakologische und biologische Untersuchung dieser Naturprodukte“, erklärt Hermann Stuppner. Die Forscherinnen und Forscher arbeiten dabei in der zweiten Phase in insgesamt sechs Gruppen an Pflanzenmaterial aus unseren Breiten, aus China und Südamerika und überprüfen auch aus der Volksmedizin überlieferte Heilpflanzen auf ihre Wirksamkeit. Das interdisziplinäre Konsortium ergänzt sich dabei gut: „Die einzelnen Institute profitierten gegenseitig enorm vom Know-How der jeweils anderen“, ist sich Hermann Stuppner sicher.

Heilendes Edelweiß

Die Zusammenarbeit von Pharmakologen, Biologen, Medizinern und Botanikern hat sich bereits bezahlt gemacht: Eine natürlich im Edelweiß (Leontopodium alpinum) vorkommende Verbindung verhindert die Wiederverengung (Restenose) von Venen-Bypässen, wenn das transplantierte Gefäßstück damit imprägniert wird, bevor es eingesetzt wird. Diese Substanz soll demnächst auch synthetisch hergestellt werden um damit die Voraussetzung für einen weitere intensive pharmakologische Charakterisierung zu gewährleisten.

Insgesamt wurden seit 2008 rund 700 Extrakte aus 206 Pflanzenspezies gewonnen und rund 100 Einzelverbindungen untersucht. Das NFN wurde vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) zunächst für drei Jahre gefördert; nach einer erfolgreichen Evaluierung wurde die Förderung nun auf eine zweite Periode bis März 2014 ausgedehnt. Neben dem FWF mit 1,8 Millionen Euro beteiligen sich auch die einzelnen Universitäten und andere Institutionen am Projekt, etwa die Tiroler Standortagentur. „Das NFN ist auch für unser Fach enorm wichtig und steigert die Reputation österreichischer Arzneimittel-Forschung im Ausland. Auch von unserer besseren Vernetzung innerhalb Österreichs profitieren wir enorm, das wird auch nach Ende der Förderperiode bestehen bleiben“, freut sich Hermann Stuppner. „Und nicht zuletzt ist die erneute Zuerkennung der Förderung eine Bestätigung für unsere Arbeit.“

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