CSI bei Lebensmitteln

Hochwertige Lebensmittel aus der Tiroler Landwirtschaft werden von Konsumenten in zunehmendem Ausmaß geschätzt. Mit Hilfe der Nah-Infrarot-Spektroskopie sollen Herkunft und Qualität heimischer Produkte in Zukunft schnell und kostengünstig überprüft werden.
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Bild: Qualitätsprodukte wie das Nordtiroler Grauvieh sollen künftig noch genauer kontrolliert werden können. (Foto: BMLFUW/Rita Newman)

Am Institut für Analytische Chemie und Radiochemie setzen Prof. Christian Huck und sein Team die Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIR) auf innovative Weise zur Analyse von Lebensmitteln ein. Mit ihrer Hilfe können sowohl physikalische als auch chemische Parameter in regionalen Lebensmitteln schnell und in einer einzigen, die Probe nicht zerstörenden Messung identifziert werden. „Die Nah-Infrarot-Spektroskopie kann sowohl in der Erzeugung als auch zur Überprüfung des Endproduktes eingesetzt werden und ist wesentlich effizienter und kostengünstiger als herkömmliche Verfahren“, skizziert Huck die Vorteile des Verfahrens. Neben einer qualitativen Identifizierung der Sorte und des Ursprungs kann auch die Konzentration der einzelnen Inhaltsstoffe bestimmt werden. „Das Spektrometer enthält eine Lichtquelle, die kurzwelliges (Nah-)Infrarotlicht aussendet. Über einen Leiter trifft das Licht direkt auf die zu untersuchende Probe und regt bestimmte vorhandene Moleküle zum Schwingen an. Jener Anteil des Infrarotlichts, der zurückreflektiert wird, gelangt in einen Detektor. Dort wird das optische Signal in ein elektronisches verwandelt und man erhält ein Spektrum, welches am Computer weiterverarbeitet wird“, erklärt Huck die Arbeitsweise dieser Methode. „Somit steht nun ein hochmodernes Messverfahren zur Verfügung, welches eine sehr schnelle Abgrenzung von Tiroler Qualitätsprodukten gegenüber billiger produzierenden Konkurrenten erlaubt.“

Der Wert regionaler Produkte

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, Nord- und Südtiroler Partner aus Forschung und Landwirtschaft für das Projekt OriginAlp zu gewinnen. Uns verbindet das gemeinsame Interesse, die Qualität der hochwertigen Produkte unserer Landwirtschaft auch wissenschaftlich zu belegen“, so Dr. Michael Oberhuber, Direktor des Land- und Forstwirtschaftlichen Versuchszentrums Laimburg in Südtirol. „Wir wollen dem Konsumenten den Wert der Bergprodukte vermitteln und damit den Bauern den Absatz ihrer Produkte zu fairen Preisen ermöglichen. Das Versuchszentrum Laimburg hat Qualität zu einem Schwerpunkt des hauseigenen Forschungsprogramms gemacht. Das Projekt OriginAlp ist ein Meilenstein für unsere Forschung zur Qualität landwirtschaftlicher Produkte, von dem wir uns wertvolle Erkenntnisse erhoffen – für unsere Forschung und die Landwirtschaft in den Alpen.“

Forschung für mehr Qualität

Der geschäftsführende Rektor Tilmann Märk steht voll und ganz hinter dem Projekt OriginAlp: „Dieses Projekt basiert auf der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der Agrarmarketing Tirol, der Universität Innsbruck und dem Land- und Forstwirtschaftlichen Versuchszentrums Laimburg/Südtirol, mit dem die Universität erst vor kurzem einen Kooperationsrahmenvertrag unterzeichnet hat. Ich bin überzeugt davon, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse den Tiroler Agrarbetrieben helfen werden, auf dem Markt weiter mit erhöhter Qualität zu punkten. Ein Anspruch, den wir als führende Forschungsuniversität in Österreich, auch an unsere eigene Arbeit stellen, und der sich in dieser Kooperation ideal verbinden wird."
Am Institut für Analytische Chemie und Radiochemie sammelt man bereits seit Langem Erfahrungen mit Nah-Infrarot-Spektroskopie in verschiedensten Anwendungsgebieten. Für die Erstellung der Kalibrationen stehen neuwertige und hocheffiziente Referenzanalysenverfahren basierend auf Trenntechnologie und Probenaufkonzentrierung zur Verfügung. Darüber hinaus hat das Institut in den vergangenen Jahren mehrere Patentrechte erhalten, die bei dem Originalp-Projekt zum Tragen kommen und eine bedeutende Rolle spielen. „Unser Institut beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung neuer Analysetechnologien. Verfahren die empfindlicher, selektiver und schneller anwendbar sind, werden hier in Innsbruck entwickelt und weltweit in vielen Bereichen bereits eingesetzt“, verdeutlicht Leiter Prof. Günther Bonn die herausragende Expertise auf diesem Gebiet.

Herkunfts- und Qualitätsnachweis wird billiger und schneller

Die Herkunftsgarantie gibt vielen Konsumenten bei ihrem Griff zu regionalen Lebensmitteln Sicherheit. „Wir sind jenen Konsumenten verpflichtet, die den heimischen Lebensmitteln den Vorzug geben. Ebenso gilt es, die ehrlichen Produzenten und Händler zu unterstützen, die Regionalität wirklich leben. Bereits 2006 hat die Agrarmarketing Tirol die Initiative ergriffen und in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Laimburg in Südtirol erste Schritte zur Bestimmung der Herkunft von Lebensmitteln durch die Isotopenanalyse gestartet. In Fortführung dieser Zusammenarbeit wurde das Projekt OriginAlp als Projekt im Rahmen des Interreg IV Italien Österreich Programms der EU eingereicht“, berichtet DI Wendelin Juen, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol. „Der Isotopennachweis ist teuer und dauert verhältnismäßig lange. Mit der Uni Innsbruck und der neuen Nah-Infrarot-Methode von Professor Huck ist jetzt ein Quantensprung möglich. Der Herkunfts- und Qualitätsnachweis wird billiger und schneller“, freut sich Juen über die Genehmigung des EU-Projekts sowie auf eine spannende und fruchtbare Zusammenarbeit der Partner in diesem Projekt. „Das Gütesiegel ‚Qualität Tirol’ und das Herkunftsversprechen ‚gewachsen und veredelt in Tirol’ werden durch dieses Vorhaben ganz im Sinne der Erwartungen der Konsumenten gestärkt.“

Kompetente Partner

Landesrat Anton Steixner, Obmann der Agrarmarketing Tirol, richtet seinen besonderen Dank an alle engagierten Partner in diesem Projekt und gratuliert zu dieser Initiative und dem Start des Projekts. „Allen voran danke ich dem Land- und Forstwirtschaftlichen Forschungszentrum Laimburg, mit dem die Agrarmarketing Tirol seit vielen Jahren bestens zusammenarbeitet. Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist Grundlage für die Förderung dieses Projektes durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der EU“, weiß Steixner. Die Agrarmarketing Tirol und das Forschungszentrum Laimburg verbindet der Schutz der klein strukturierten alpinen Landwirtschaft mit ihren hochwertigen Lebensmitteln, die eine erfrischende Alternative zur Agro- und Lebensmittelindustrie bietet. Besonders dankt Steixner der Universität Innsbruck, die in diesem Projekt ihre Kompetenz bei der Nah-Infrarot-Methode einbringt und den Leadpart bei der Koordination und Abwicklung des Projekts übernimmt. Die Freie Universität Bozen und der Südtiroler Sennereiverband vervollständigen das kompetente Projektteam.
Maßgeblich unterstützt wurde das Antragsstellerteam vom universitären Transferzentrums transidee, das vor knapp zwei Jahren auf Initiative des damaligen Rektors Töchterle damit begonnen hat, das Konsortium zusammenzustellen und dann auch die Koordination und Ausgestaltung der Einreichung übernommen hat.