Datenvielfalt erkennen und nutzen

Das World Wide Web gilt als beispielloser Erfolg, da es die Veröffentlichung, Nutzung und den Austausch von Informationen erleichtert. Wissenschaftler des Forschungsinstituts STI der Univeristät Innsbruck arbeiten nun in einem europaweiten Projekt daran, die Pluralität der vorhandenen Daten zu erfassen und besser nutzbar zu machen.
Informatiker der Uni Innsbruck arbeiten in einem europaweiten Projekt daran, die Datenvielfalt im Netz besser zu nutzen.
Bild: Informatiker der Uni Innsbruck arbeiten in einem europaweiten Projekt daran, die Datenvielfalt im Netz besser zu nutzen.

„Durch seine globale Reichweite enthält das Web eine bisher unbekannte und erstaunliche Vielfalt von Meinungen, Standpunkten, Hintergründen und Kulturen“, beschreibt DI Reto Krummenacher vom Semantic Technology Institute (STI) der Uni Innsbruck. „Eine Vielfalt, die in letzter Zeit auch Unternehmen vermehrt nutzen.“ Die Verwaltung sowie die Bearbeitung dieser Vielzahl an unterschiedlichen Standpunkten sei aber noch immer eine Herausforderung in der Datenverarbeitung, weiß der Informatiker.

Seit Anfang Oktober beschäftigen sich aus diesem Grund Wissenschaftler des STI gemeinsam mit internationalen Partnern mit der Vielfalt des Webs. Das dreijährige von der Europäischen Union geförderte Forschungsprojekt RENDER - Reflecting Knowledge Diversity will die verschiedensten Standpunkte, vor allem in Online-Medien erfassen und auch ihre Veränderung im Laufe der Zeit sichtbar machen. „Die Forschungsergebnisse des Projektes sollen helfen, die Entwicklung und Diversität des Web als eine reichhaltige Quelle von Innovation und Kreativität zu nutzen“, beschreibt Krummenacher. Dabei beschäftigt sich RENDER nicht nur mit Lösungen, die es erlauben die großen Mengen an Daten und Nutzern zu erfassen, sondern insbesondere auch mit Methodiken, Software und Datenmodellen, die es ermöglichen die verschiedensten Standpunkte, die im Web vertreten sind, zu beschreiben, zu verstehen, auszuwerten und so in Wissen und neue Erkenntisse umzumünzen. In drei hochkarätigen Fallstudien unter der Leitung von Wikimedia Deutschland, Goolge Ireland Ltd. und Telefonica I&D werden im weiteren die neu entwickelten Methoden und Werkzeuge genutzt, um neue Erkenntnisse und Perspektiven aus echten Firmendaten zu gewinnen. Die Skalierbarkeit und der Nutzen der Forschungsergebnisse sollen dabei geprüft werden.

„Unsere Aufgabe im Rahmen des Projekts wird hauptsächlich darin liegen, Metaphern und Repräsentationsansätze für die Modellierung und Gewinnung von diversitätstoleranten Wissensstrukturen zu entwickeln“, beschreibt Krummenacher, der darauf verweist, dass das Semantic Technology Institute viele Jahre Erfahrung mit semantischen Technologien, Wissenmoderlierung, Reasoning und Informationsgewinnung mit in das Projekt bringt. „Unsere Arbeit soll dem Enduser helfen, die verschiedensten und gegensätzlichsten Aspekte von Datenobjekten zu verstehen“, so der Informatiker. Eine weitere Aufgabe des Forschungsteams am STI ist die Implementierung von open-source Software, die die Integration von RENDER-Technologien mit bestehenden team-orientierten Web2.0 Platformen vereinfachen soll, z.B. mit MediaWiki, WordPress oder GoogleWave.

Mit einem Kick-off-Meeting am Kalrsruher Institut für Technologie Ende Oktober nahm das Projektkonsortium bestehend aus sieben Partnern aus sechs europäischen Ländern seine Arbeit auf. Neben dem STI sind das Karlsruhe Institute of Technology (Deutschland), das Jozef Stefan Institute (Slowenien), Ontotext AD (Bulgarien), Wikimedia Deutschland e.V, Google Ireland Ltd. sowie Telefonica I+D (Spanien) am Projekt beteiligt. Das Gesamtbudget des dreijährigen Forschungsprojekts beträgt 4,4 Millionen Euro.

„RENDER wird dazu beitragen, die Informationsvielfalt und die Gegensätze des Web zu erfassen und zu erarbeiten. Neue, fortschrittliche Web-Technologien werden entwickelt und genutzt, die Kommunikation und Zusammenarbeit über die Grenzen sozialer, kultureller und professioneler Gemeinschaften hinweg ermöglichen“, ist Krummenacher überzeugt. Dies bringe gerade auch für das Land Tirol Verbesserungen in der Erfassung von multi-kulturellem und vielfältigem Wissen über Trends und Möglichkeiten in Tourismus und Industrie, die es erlauben schneller und zielorientierter auf Wünsche und Anforderungen zu reagieren, so Reto Krummenacher. „Als Gesamtprojekt trifft RENDER ins Herz der Europäischen Gesellschaft und ihrem Gedankengut: United in Diversity`.“

Nach oben scrollen