Coaching-Lehrgänge auf dem Prüfstand

Dr. Arthur Drexler vom Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung der Uni Innsbruck entwickelte gemeinsam mit Dr. Heidi Möller von der Universität Kassel ein Evaluationsmodell für Coaching-Lehrgänge.
Arthur Drexler entwickelte ein Evaluationsmodell für Coaching-Lehrgänge. (Foto: istockphoto.com)
Bild: Arthur Drexler entwickelte ein Evaluationsmodell für Coaching-Lehrgänge. (Foto: istockphoto.com)

„Bei 98% der Weiterbildungen finden wir bereits Ansätze zur Evaluation. Es werden Fragebögen verteilt, anhand derer TrainerIn, Didaktik, Kursunterlagen, Lehrinhalte und ihre Vorbereitung sowie das Seminarhotel bewertet werden“, erklärt Dr. Arthur Drexler. Da die auf diese Weise erhobenen Daten allerdings keinerlei objektive Aussagekraft bezogen auf den Lernerfolg oder die Kompetenzerweiterung der AusbildungskandidatInnen haben, erarbeitete er gemeinsam mit Dr. Heidi Möller ein Evaluationsmodell für Weiterbildungslehrgänge. „Anhand von drei Coaching- Lehrgängen wollten wir ein Modell entwickeln, das zeigt, ob in der Weiterbildungspackung auch das drin ist, was draufsteht“, so Drexler.

Coaching-Lehrgänge evaluiert

Evaluiert wurden dazu ein Coaching-Lehrgang an der Universität Innsbruck sowie der Lehrgang „Supervision und Coaching“ von Schloss Hofen und ein Coaching-Lehrgang für BildungsmanagerInnen. „Wir wollten Bildungseffekte sowohl quantitativ als auch qualitativ erfassen, um ausgehend von einem Zukunftsbild, das die Soll-Kompetenzen der ausgebildeten Coaches beinhaltet, ein praktikables Evaluationsmodell zu entwickeln“, beschreibt Drexler.

Dazu erarbeiteten die Erziehungswissenschaftler folgende Evaluationsfragen:

  • Wie verändert sich das theoretische Wissen der Ausbildungskandidaten im Verlauf der Ausbildung?
  • Welche Unterschiede an Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen weisen AnfängerInnen und AbsolventInnen auf?
  • Welchen Stellenwert haben subjektive Selbsteinschätzungen der TeilnehmerInnen im Vergleich zu Ergebnissen, die mittels anderer Tests (z.B. „Arbeitsproben“) gewonnen wurden?

Zur Untersuchung der Bildungseffekte wurden mehrere Messzeitpunkte festgelegt. „Es erfolgten eine ausführliche Eingangsmessung, prozessbegleitende Erhebungen und Messungen am Ende der Ausbildung“, beschreibt Arthur Drexler. „Nach jedem Seminartermin wurde von den TeilnehmerInnen auch eine Selbsteinschätzung des eigenen Ausbildungsfortschritts vorgenommen.“

Multimethodischer Zugang

Bei der Auswertung der am Beginn gestellten Evaluationsfragen kamen die Erziehungswissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Coaching-Kurse das theoretische Wissen der TeilnehmerInnen für die Bearbeitung von Coaching-spezifischen Fragestellungen adäquat erweiterten. Zudem ergab die Untersuchung, dass Persönlichkeitsveränderungen stattfanden, die zum Anforderungsprofil eines Coaches passen. „Es ließen sich auch Tendenzen einer verbesserten Fähigkeit zur Emotionserkennung feststellen“, so Drexler. Interessant an der Studie ist auch, dass sich die Ergebnisse der Selbsteinschätzungen der TeilnehmerInnen mit den Ergebnissen der anderen Erhebungsverfahren weitgehend deckten. „Damit diese aber unterstützend für ein Controlling brauchbar sind, ist es notwendig, dass sich die Fragen auf konkrete Seminarthemen beziehen und mehrmals gestellt werden“, erklärt Arthur Drexler. „Letztendlich zeigte unsere Studie, dass nur ein multimethodischer Zugang adäquate Aussagen über die Auswirkungen und Effizienz von Aus- und Weiterbildungen erlaubt.“

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