„Beißt“ das Klima ins Gras?

Weniger Schnee, mehr Regen im Winter, geringerer Niederschlag und erhöhte Temperatur im Sommer – so lauten Prognosen für die klimatisch bisher kaum erforschten Wiesen unserer Alpen. Wie sich Klimaänderungen auswirken und wie sich Landwirte darauf einstellen können, erforscht das Projekt „GrassClim“ mit beteiligten Landwirtschaftsschülern sowie Forschern aus Österreich und Südtirol.
Das Projekt "GrassClim" unterscucht die Auswirkungen von Klimaänderungen auf Wiesen.
Bild: Das Projekt "GrassClim" unterscucht die Auswirkungen von Klimaänderungen auf Wiesen.

Für die Landwirtschaft im Alpenraum sind Wiesen zentral wichtig. Rund jede zweite von Österreichs Bauern bewirtschaftete Fläche ist Grünland. Im gesamten Alpenbogen liegt der Anteil an Wiesenökosystemen in drei Vierteln aller Gemeinden bei über 85 Prozent. „Die prognostizierten Klimaänderungen, vor allem die Temperaturerhöhung und die Reduktion der Sommerniederschläge, werden die Erträge in der Grünlandwirtschaft beeinflussen. Sehr vereinfachend und bildhaft erklärt, gehen wir daher erstmals der Frage nach, ob das Klima ins Gras ´beißt`, ob sich Klimaänderungen z.B. auf den Heuertrag auswirken“, sagt der Leiter von GrassClim, Univ.-Doz. Dr. Georg Wohlfahrt vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck.

Jüngste Klimaforscher Österreichs

Das Tiroler Team erforscht gemeinsam mit dem Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz sowie der Europäischen Akademie in der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen bis 2012 die Auswirkungen des Klimawandels auf Grünlandökosysteme. GrassClim ist ein vom österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung finanziertes „Sparkling-Science-Projekt“. „Neu und im Sinne von Nachhaltigkeit äußerst wichtig ist, dass wir als Forscher von Landwirtschaftsschülerinnen und Landwirtschaftsschülern Nachhilfe bekommen“, sagt Wohlfahrt schmunzelnd. Der Grund: 90 Schülerinnen und Schüler der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt in Rotholz in Tirol im Alter von 14 bis 15 Jahren arbeiten mit den Experten im Team.

Konkret führen die Schülerinnen und Schüler auf den Grünflächen ihrer Bauernhöfe unter Anleitung der Wissenschaftler Feldmessungen durch und untersuchen auch Schnittmaterial von Wiesen. Die angehenden Landwirte erhalten dabei Einblicke in die komplexen Wechselwirkungen zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Klima. Das Projekt wird ins Schulfach „Pflanzenbau“ auch direkt eingebaut. „Vom Projekt nehmen die Schülerinnen und Schüler nachhaltig dienliches und praktisch einfach umsetzbares Wissen mit. Wir entwickeln regionalisierte Klimaszenarien, simulieren mögliche Klimaänderungen und erarbeiten auf dieser Basis gemeinsam mit den angehenden Bauern Strategien für die zukünftige Bewirtschaftung ihrer Grünlandökosysteme“, erklärt Wohlfahrt.

Mit GrassClim wollen die Forscher außerdem einen Beitrag zur klimatischen Erforschung von Wiesen liefern. Wälder oder Weizenanbauflächen sind gut erforscht. Grünland in den Alpen, insbesondere der Einfluss des Klimawandels auf Erträge sowie Landnutzung und Rückkoppelungseffekte auf das Klima gelten derzeit zum Großteil als wissenschaftliches Neuland. In Abhängigkeit von klimatischen Gegebenheiten, Standortfaktoren und vor allem der Bewirtschaftungsintensität können Grünlandökosysteme sowohl als Senken wie auch als Quellen für das Treibhausgas Kohlendioxid fungieren, denn Grasflächen können so wie Wälder durch den Austausch von Spurengasen Kohlenstoff speichern oder freisetzen. Im Kohlenstoffkreislauf unseres Planeten, damit für die Erdatmosphäre und das Klima spielen sie daher eine große Rolle.

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