Kopf der Woche: Dr. Clemens Achmüller

Clemens Achmüller, Post-Doc am Institut für Biochemie der Universität Innsbruck wurde kürzlich mit dem Austria Life Science Award (ALSA) 2007 ausgezeichnet.
Dr. Clemens Achmüller
Bild: Dr. Clemens Achmüller

„Diese Auszeichnung bestätigt die hervorragende Leistung des gesamten ACBT-Teams“, freut sich Achmüller über den mit 10.000 Euro dotierten ALSA-Preis, der heuer zum zweiten mal vergeben wurde.

 

Seine Arbeit zum Thema „Npro Fusionstechnologie - Produktion von Proteinen mit authentischen N Termini in E. coli“ und zwei Patentanmeldungen an denen Achmüller mitgearbeitet hat,  überzeugten die hochkarätig besetzte Jury.

 

„Gentechnisch veränderte Colibakterien werden wegen der guten genetischen Charakterisierung und der schnellen Ansammlung von Biomasse seit Jahrzehnten für die industrielle Produktion von therapeutischen Proteinen („Biologicals“) verwendet. Jedoch unterscheiden sich die Proteine aus den Bakterien in Bezug auf ihren sog. "N Terminus" leicht von denen höherer Zellen. Dieser kleine Unterschied kann die Zulassung eines Medikamentes durch die Gesundheitsbehörde blockieren, da es im Patienten zu unerwünschten Immunreaktionen oder zu einer veränderten Pharmakokinetik kommen kann“, erklärt Achmüller die Ausgangslage der Forschungen zu diesem Thema.

 

Das Austrian Center of Biopharmaceutical Technology nutzt Synergismen zwischen universitären Instituten (Institut für angewandte Mikrobiologie der BOKU Wien und Institut für Biochemie der Universität Innsbruck) und Industrie (Sandoz, Boehringer Ingelheim Austria und Ionimed), um effizientere und schnellere biopharmazeutische Produktionsprozesse zu entwickeln. Es sollte u.a. ein neuartiges prokaryotisches Expressionssystem („Npro Fusionstechnologie“) entwickelt werden, mit dem der gewünschte `N Terminus" auf einfache und effiziente Weise erhalten werden kann. „Die Forscher des Kompetenzzentrums versuchten die Autoprotease Npro vom Schweinepestvirus als selbstspaltenden Fusions-Tag für die biotechnologische Anwendung zu zweckentfremden. Jedoch war Npro von Natur aus für die Funktion im Schweinepestvirus optimiert und schien gänzlich ungeeignet für eine biotechnologische Anwendung“, berichtet der Nachwuchswissenschafler.

 

„Wir von der Arbeitsgruppe um Prof. Bernhard Auer vom Institut für Biochemie haben nun versucht, die physiko-chemischen Eigenschaften der Autoprotease  durch ortsgerichtete Mutationen und anschließendem Screening zu verändern („Protein Engineering“). Wir konnten eine für diese biotechnologische Anwendung besser geeignete Npro Mutante mit dem Namen EDDIE generieren“, so Achmüller.

 

Angewendet wird die "Npro Fusionstechnologie" bereits von den Firmen Sandoz und Boehringer Ingelheim Austria. Insgesamt konnten die Firmen auf Anhieb eine bis zu 40-fache Steigerung der Gesamtproduktivität im Vergleich zu einer konventionellen Produktionsstrategie erzielen. Die Arbeit ist jetzt im renommierten Journal "Nature Methods" erschienen (Achmüller et al., Nature Methods. 2007 Dec;4(12):1037-43.). Näheres finden Sie hier. 

 

Zur Person:

Clemens Achmüller wurde 1976 geboren. 1996 begann er ein Physikstudium an der Universität Innsbruck, wechselte 1997 aber zum Studium der Biologie mit Schwerpunkt auf Molekularbiologie und Biochemie, das er 2003 beendete. Die Promotion folgte 2006. Von 2006 bis 2007 war Clemens Achmüller als Post-Doc in der Arbeitsgruppe von Prof. Bernhard Auer am Institut für Biochemie tätig, von 2007 bis 2008 wird er in der Arbeitsgruppe von Prof. Rainer Schneider in selben Institut arbeiten.