Kopf der Woche: Ao. Univ.-Prof. Dr. Georg Kaser

Dr. Georg Kaser, Gletscherforscher am Institut für Geographie der LFU Innsbruck war als einziger Vertreter Österreichs als Lead-Author in der Arbeitsgruppe 1 des 4. IPCC Reports zur Klimaänderung beteiligt.
Dr. Georg Kaser
Bild: Dr. Georg Kaser

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wurde 1988 durch die Weltorganisation für Meteorologie WMO und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP gegründet. Seitdem hat das IPCC drei sogenannte „Assessment Reports on Climate Change“ erstellt. Mit der „Summary for Policy Makers“ der Arbeitsgruppe 1 (Climate Change 2007: The Physical Science Basis) hat am 2. Feber die schrittweise Veröffentlichung des „4th IPCC Assessment Reports“ begonnen.

 

Das IPCC besteht aus verschiedenen Arbeitsgruppen, Georg Kaser wurde als einziger Vertreter Österreichs in das Lead Author Team der Arbeitsgruppe 1 eingeladen. Er hat im Bereich der beobachteten und gemessenen Veränderungen von „Schnee, Eis und gefrorenem Boden“ mitgearbeitet. Im Oktober 2004 wurde Georg Kaser von der LFU Innsbruck von der Lehre freigestellt, um sich diesem Projekt widmen zu können.

 

Am 2. Februar 2007 wurde die Wort für Wort von den Regierungsvertretern aus 150 Ländern genehmigte Summary for Policy Makers der Arbeitsgruppe 1 des vierten IPCC Reports in Paris präsentiert. „“Die Befunde aus Messungen und Beobachtungen zeigen einen deutlichen und außergewöhnlich starken Anstieg des Energieinhaltes im System Erde“ erklärt Kaser. „80% dieser Energie hat bisher zur Erwärmung der obersten Schichten der Weltmeere geführt, ein Teil ist in die Dynamik von Atmosphäre und Ozeanen gegangen und ein Teil hat zum globalen Anstieg der Lufttemperatur um rund 0.8°C im vergangenen Jahrhundert geführt. Der nachgewiesene Anstieg von Treibhausgasen, der Vergleich mit Palaeobefunden und ein verbessertes Prozessverständnis haben es erlaubt, den Großteil des beobachteten Wärmeanstiegs mit grosser Wahrscheinlichkeit (most likely) antropogenen Ursachen zuzuschreiben. Als äußerst unwahrscheinlich (extremely unlikely) wird die Möglichkeit eingestuft, die beobachteten Veränderungen der letzten 50 Jahre ohne das menschliche Zutun zu erklären“. Die gemeinsame Arbeit mit 150 wissenschaftlichen Experten am Bericht beschreibt er als konstruktiv, kreativ, sehr professionell und ohne den sonst oft üblichen Konkurrenzkampf.

 

Neben seiner Arbeit am IPCC ist Georg Kaser Präsident der IUGG Comission for the Cryospheric Sciences. Er ist auch stellvertretender Leiter des LFU Forschungsschwerpunktes Klima und Kryosphäre. Zentrales Thema seiner Forschungen sind Klima - Gletscher – Wasser Beziehungen in den Hochgebirgen der Erde. „Meine Forschungen hatten ursprünglich viel mit meiner Begeisterung für das Bergsteigen zu tun. Heute sind die Erfahrungen aus jener Zeit zwar eine wesentliche Voraussetzung für die Feldarbeiten in großen Höhen, die Begeisterung gilt aber vor allem den wissenschaftlichen Fragen. Dann hab ich noch das Glück, von jungen, hervorragenden Kollegen umgeben zu sein“, beschreibt Dr. Kaser seine Leidenschaft für die Forschung.

 

 

Zur Person:

Gerog Kaser wurde im April 1953 in Meran in Südtirol geboren und begann 1973 das Studium der Meteorologie und Geographie an der LFU Innsbruck, das er 1984 mit einer Dissertation zum Thema „Verdunstung von Schnee und Eis“ abschloss. 1996 folgte die Habilitation zum Thema „Gletscher in den Tropen“. Von 1973 bis 1982 war Kaser Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Kombinierte Studien von Eis-, Wasser- und Wärmehaushalt vergletscherter Einzugsgebiete“ tätig. 1984 arbeitete er im Rahmen eines Stipendiums der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft an der ETH Zürich und forschte als Mitglied des Juneau-Eisfeld-Forschungsprojektes in Alaska. Von 1984 bis 1985 war Georg Kaser als Vertragsassistent am Institut für Meteorologie und Geophysik der LFU Innsbruck tätig, 1985 wechselte er an das Institut für Geographie, wo er zuerst als Universitätsassistent und ab 1997 als Ao. Professor arbeitet. Forschungsarbeiten brachten ihn nach Alaska, ins Rwenzorigebirge, in die Cordillera Real, in den Himalaya, nach Grönland und vor allem in die Cordillera Blanca und auf den Kilimanjaro.