Kopf der Woche: Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka

„Regierung und Gesellschaft brauchen Kritik“, so lautet das Leitmotiv von Univ.-Prof. Dr. Pelinka. Dieses zog sich bisher durch alle Arbeiten des Politikwissenschafters. Nach 31 Jahren am Institut für Politikwissenschaft verlässt er die LFU Innsbruck und folgt dem Ruf an die Central European University in Budapest. Ein Abschied, der dem Politologen und der LFU sicher nicht leicht fällt.
Kopf der Woche: Dr. Anton Pelinka
Bild: Kopf der Woche: Dr. Anton Pelinka

„Es war vor allem eine Zeit des Aufbaus!“, zieht Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka nach 31 Jahren an der LFU Innsbruck sein Resümee. „Als ich 1975 nach Innsbruck berufen wurde, bestand die Politikwissenschaft aus einem wissenschaftlichen Mitarbeiter, einer Sekretärin und mir. Wenn ich nun die Universität Innsbruck verlasse, hat das Institut für Politikwissenschaft 12 habilitierte, dauernd beschäftigte MitarbeiterInnen. Aus einem Orchideenfach wurde eine der großen Studienrichtungen der Universität.“ An die vielen Beispiele kollegialer, freundschaftlicher Kooperation am Institut für Politikwissenschaft denkt Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka gerne zurück.

 

Ein „Orchideenfach“ blüht auf

1985 konnte die Studienrichtung Politikwissenschaft - nicht zuletzt durch Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka - an der LFU Innsbruck etabliert werden und dies, wie er selbst sagt „gegen nicht unerheblichen Widerstand“. Als er in diesem Jahr die Studienkommission Politikwissenschaft konstituieren konnte, sagte er spontan: „Es ist schön, dass es uns gibt.“ Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka hat sich immer für die Internationalisierung österreichischer Wissenschaften eingesetzt. Er war selbst durch seine Tätigkeit als erster Senatsbeauftragter für die Kontakte mit der University of New Orleans zwischen 1982 und 1990 an der LFU Innsbruck an der Internationalisierung der Universität beteiligt. In diese Zeit fällt die Beschlussfassung über den Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Universitäten New Orleans und Innsbruck und der Auf- und Ausbau vieler gemeinsamer Programme, wie etwa des Austrian Student Program in New Orleans. Zwischen 1993 und 2006 war er auch Mitherausgeber der von beiden Universitäten herausgegebenen Publikationsreihe „Contemporary Austrian Studies“. „Trotz der regionalen Verankerung - oder, besser, neben dieser - ist die Universität Innsbruck sehr international.“, liegt dem gebürtigen Wiener die LFU Innsbruck und deren hoher akademischer Standard auch noch nach 31 Jahren sehr am Herzen.

 

Forschungsinteresse hat sich internationalisiert

Rund 420 Artikel in diversen Fachzeitschriften und über 30 Bücher zu den Themen Demokratietheorie, Politisches System und Politische Kultur in Österreich, Vergleichende Parteien- und Verbändeforschung und natürlich Politikwissenschaftliche Nachschlagewerke, wurden von Univ.-Prof. Dr. Pelinka veröffentlicht.

In vielen Publikationen setzt sich Univ.-Prof. Dr. Pelinka mit seinen Forschungsschwerpunkten auseinander, allen voran mit dem politischen System seiner Heimat. So zeichnet er den Wandel der österreichischen Gesellschaft auf historischer Ebene nach. Im Kontrast dazu analysiert er ebenfalls jeweils herausragende Etappen der Politik Österreichs, wie etwa den Aufschwung der FPÖ und ihres damaligen Vorsitzenden Jörg Haider, in The Haider Phenomenon in Austria (2002). In anderen Veröffentlichungen verdeutlicht er den Einfluss von Parteien sowie wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Faktoren auf die Gesellschaft. Nicht zuletzt ist er Österreich betreffend ein gefragter Experte für die Themen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft.

„Mein Forschungsinteresse hat sich allerdings in den 31 Jahren europäisiert und internationalisiert.“, verrät der Politologe. Sein Aufenthalt in Neu Delhi motivierte ihn zur Hinterfragung der Demokratie Indiens (Demokratie in Indien. Subhas Chandra Bose und das Werden der politischen Kultur, 2005). Diese analysiert er mit Blick auf die Geschichte des Landes, insbesondere seit der Unabhängigkeit, sowie den Einfluss durch die vielfältigen kulturellen Strömungen.

 

Der Blick über Grenzen hinaus versetzt Berge

Den Studierenden in Innsbruck möchte Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka noch etwas mit auf den Weg geben: „Was ein Studium vor allem erfolgreich macht, das ist eine nicht stillbare Neugier - nach Erkenntnissen, nach Erfahrungen. Und: Der Blick über Grenzen - jede Art von Grenzen - ist die Voraussetzung für die intellektuelle Entwicklung.“ Diese unstillbare Neugier ist es nun, die Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka nach 31 Jahren an der LFU Innsbruck selbst weiter zieht.

 

Zur Person

Anton Pelinka wurde 1941 in Wien geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Politikwissenschaft in Wien war er zwei Jahre Redakteur bei der Wiener Wochenzeitung „Die Furche“.1968 begann er seine wissenschaftliche Karriere am Institut für Höhere Studien in Wien.1971 folgte er einem Ruf als Universitätsassistent an die Universität Salzburg, wo er sich 1972 im Fach Politikwissenschaft habilitierte. Nach Professuren in Essen und Berlin übernahm Pelinka 1975 eine Professur für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck. Lehr- und Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Neu Delhi, New Orleans, Harvard, Budapest und Stanford. Von 1987 bis 1989 war er Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der LFU Innsbruck. Mit Wirkung 1. Oktober 2004 wurde Professor Pelinka zum Dekan der per 1. Januar 2005 neu gegründeten Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck ernannt. Anton Pelinka ist Vorsitzender der Gesellschaft für politische Aufklärung und häufiger Kommentator im ORF. Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler vertrat er Österreich in den 1990er Jahren in einer EU-Kommission zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. 2005 erhielt Anton Pelinka den Preis der Stadt Wien für Geistes- und Sozialwissenschaften. Mit September 2006 folgt er nun dem Ruf als Professor an die Central European University in Budapest.

 

Nach oben scrollen