Kopf der Woche: Dr. Andrea Fischer

Seit 1. April 1999 ist Dr. Andrea Fischer am Institut für Meteorologie und Geophysik an der LFU Innsbruck beschäftigt. Bis 2003 war sie bei Projekten in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv. Jetzt hat sie selbst ein Projekt mit dem Titel „Entwicklung eines integralen Gletscher-Monitoringsystems“ eingereicht, welches vom Hertha-Firnberg-Programm unterstützt wird.
Kopf der Woche: Dr. Andrea Fischer
Bild: Kopf der Woche: Dr. Andrea Fischer

Gletscher sind sehr sensible Indikatoren für Klimaveränderungen. Die Wechselwirkung zwischen Gletscher und Klima wird in der glaziologischen Massenbilanz erfasst, die durch die Witterung verursachte Veränderungen des im Gletscher enthaltenen Wassers beschreibt. Die direkte Messung der Massenbilanz ist sehr aufwendig und erfordert viel Feldarbeit. Deshalb sind weltweit nur wenige langjährige Datenreihen verfügbar, die zudem auf leichter zugängliche geografische Regionen konzentriert sind. 

Um weltweite Datensätze zu Gletscherveränderungen zu erheben, muss man auf andere Meßmethoden, die auf  Fernerkundung basieren, zurückgreifen. Das beantragte Projekt hat zum Ziel, diese Meßmethoden miteinander zu vergleichen und darauf basierend ein Monitoringsystem zu entwerfen, das durch die Verbindung dieser Methoden die Messgenauigkeit erhöht und Informationen für die konsistente Erweiterung der bestehenden Massenbilanzreihen auf andere geografische Regionen liefert. Die Ergänzung der bestehenden Datenreihen ist ein Schlüssel zum besseren Verständnis des globalen Klimawandels und der Erforschung der Interaktion zwischen Gletscher und Klima.

Ermöglicht wird diese Arbeit durch die weltweit einzigartigen langjährige Datenreihen, die in den letzten 50 Jahren von der LFU Innsbruck auf den Gletschern des hinteren Ötztals erhoben wurden.   Der Forschungsschwerpunkt Klima und Kryosphäre der LFU Innsbruck, in dem Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete interdisziplinär zusammenarbeiten, bietet ein hervorragendes Umfeld für diese Arbeiten. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Salzburg, Swansea (GB) und dem Science Institut der Universität Island durchgeführt.

 

Pionierarbeit an der LFU soll weitergehen

Das Zusammenspiel von Feldforschung und Theorie an einem Institut mit ausgezeichnetem Arbeitsklima, großer Tradition und großem Potential ist das, was Dr. Fischer an ihrer Arbeit besonders schätzt.

Für die LFU Innsbruck würde sie sich wünschen, auch in Zukunft eine Vorreiterrolle in der glaziologischen Forschung innezuhaben. „Es gibt wenig Arbeitsgebiete, in denen es noch möglich ist, alle Facetten des Fachgebietes – von Theorie, über Grundlagenforschung, bis hin zur industriellen Anwendung – selbst kennen zu lernen und durchführen zu können. Gletscher kann man, im Gegensatz zu einem Atom, angreifen.“, ist Fischer von ihre Forschungsgebiet begeistert.

 

Erfolge, Pläne und Tipps

6 Veröffentlichungen, unter anderem in renommierten Fachzeitschriften wie die „Berliner Naturschutzblätter“, die „Österreichische Beiträge zur Meteorologie und Geophysik“ und dem „Jahrbuch des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit“ finden sich auf der Publikationsliste von Frau Dr. Andrea Fischer.

Auf die Frage, wie ihre Pläne für die Zukunft aussehen, antwortet Frau Dr. Fischer: „Pläne sind immer möglich.“, und fügt mit einem scherzhaften Augenzwinkern hinzu: „Sie meinen wahrscheinlich nicht die Art von Zukunft, die sich direkt and das jetzt anschließt. Da würde ich nämlich beruflich an einer weiteren Veröffentlichung arbeiten und privat schwimmen gehen.“

Für die fernere Zukunft hat Frau Dr. Fischer allerdings noch vieles geplant: „Ich möchte ein Schäufelchen zur Klima- und Kryosphärenforschung in Innsbruck beitragen, wahre Datenschätze sichern und zugänglich machen, mich mit Modellen beschäftigen, auch Wissen der Öffentlichkeit zugänglich machen, möglichst viel praktisch umsetzen und einige Dinge besser verstehen lernen. Außerdem natürlich weiter nette DiplomandInnen und DissertantInnen in der Arbeitgruppe haben, und mit vielen Studenten Spaß haben, die bei den Feldarbeiten mithelfen!“.

Speziell für motivierte StudentInnen hat die Forscherin, auch wenn es im Moment nicht allzu viele Arbeitsplätze für Glaziologen gibt, noch ein paar Tipps parat: „Jeder soll das machen was ihn wirklich interessiert. Das bedeutet auch, nicht nur Lehrveranstaltungen abhaken, sondern die eigene Ausbildung auch etwas breiter zu fassen. Nicht alles, was man später braucht, ist eine Pflichtlehrveranstaltung! Nützt die Möglichkeiten sowohl zum Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten als auch den Luxus der persönlichen Bildung.“

Um all diese Vorhaben umzusetzen, braucht es natürlich auch ein effektives Lebensmotto. Andrea Fischer benötigt allerdings jeden Tag ein neues: „Das hält dynamisch und flexibel.“

 

Zur Person

Dr. Andrea Fischer wurde am 3. September 1973 in St. Johann in Tirol geboren. Sie maturiert am BG St. Johann im Pongau. Nach dem Studium von Physik und Umweltsystemwissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz, arbeitet Dr. Andrea Fischer seit 1999 am Institut für Meteorologie und Geophysik an der LFU Innsbruck. Nach der Dissertation über das Fließverhalten des Vatnajökulls (Island), die mit Methoden der Satellitenfernerkundung durchgeführt wurde, war Fischer in verschiedenen glaziologischen Projekten beschäftigt. Dabei wurden z.B. die Auswirkung der Abdeckung von neuralgischen Zonen in Gletscherschigebieten mit Vliesen oder die Eisdicken der österreichischen Gletscher erforscht. Seit 2004 führt sie die Massenbilanzmessungen am Hintereisferner durch.

 

Nach oben scrollen